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Edguy: Rocket Ride

Sammett und seine Rasselbande rocken wieder!
Wertung: 9/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 66:1
Release: 20.01.2006
Label: Nuclear Blast

"Mein Gott, was sind die bekloppt!" Das war mein erster Gedanke, als ich dieses Cover gesehen habe. Dabei hätte ich nach der "Superheroes" EP eigentlich vorgewarnt sein müssen, die ja bereits ähnlich verziert war. Aber Edguy besitzen ja mittlerweile Narrenfreiheit und dürfen so ziemlich alles. Sogar in der McDonalds Chartshow auftreten. In den letzten Jahren sind die fünf Jungs aus Fulda dank starker Alben, mitreißender Liveshows und nicht zuletzt ihres charismatischen Fronters Tobi Sammet bis an die Spitze der deutschen Szene geschossen und haben weltweit viele Fans gewonnen. Nun also steht mit "Rocket Ride" das siebte Studioalbum bereit, um sämtlichen Fans und Gegnern der Band neues Futter zu bieten.

Schon der Vorgänger (und gleichzeitig das Debüt bei Nuclear Blast) "Hellfire Club" offenbarte einen kleinen Stilbruch der Band. Die Lieder waren weniger bombastisch als in der Vergangenheit und hatten eine starke Rockschlagseite bekommen. "Rocket Ride" ist die konsequente Steigerung dieser Entwicklung, was es Fans von Alben wie "Vain Glory Opera" oder "Theatre of Salvation" schwer machen könnte, eben dieser zu folgen. Es gibt natürlich weiterhin Chöre und den ein oder anderen hohen Schrei von Tobi, aber die Zeichen stehen ganz klar auf Rock.

Das verdeutlicht sich durch "Sacrifice", das mit seinen 8 Minuten nicht nur recht lang ausgefallen, sondern als kerniger Midtempo Rocker auch eine ungewöhnliche Wahl für einen Opener ist. Zumindest wenn man bedenkt, dass Platten dieses Genres meistens mit einem schnellen Kracher beginnen. Der kommt aber mit dem Titeltrack erst an zweiter Stelle. Hier wird die Vorliebe der Jungs für Bands wie Dio oder Whitesnake deutlich, denn hier wurden deren beste "Zutaten" genommen und durch den "Edguy Fleischwolf" gedreht. Herausgekommen ist eine flotte Mitsingnummer, die live auf jeden Fall das Haus rocken wird. "Wasted Time" macht dann deutlich, dass sich Tobi Sammets Stimme noch einmal verbessert hat. Sie thront über dem Song und macht den Chorus zu einem absoluten Ohrwurm. Und die Qualität reißt nicht ab, denn auch "Matrix" kann sich wirklich im Gehörgang festsetzen. Spätestens hier wird aber deutlich, dass Edguy dem Bombast vergangener Tage fast gänzlich abgeschworen haben und lieber etwas bodenständiger rocken.

"Return To The Tribe" lässt dann aber doch ein wenig von dem Flair der alten Platten aufleben, zählt für mich aber eher zu den schwächeren Songs der Platte. Anhören muss man den Song aber dennoch auf jeden Fall, denn wollt ihr wirklich ein gesungenes (!) Gitarrensolo verpassen?! Das muss man nämlich wirklich gehört haben und ist typisch für den schrägen Edguy Humor, der sich im Verlauf der CD noch in Songs wie der swingenden Rocknummer "Trinidad" und dem genialen Schluss von "Catch of the Century" manifestiert. "Save Me" heißt der Ruhepol von "Rocket Ride". Na gut, das deutet der Name ja schon an, aber das ich hier die Neuvertonung eines 80er Hits hören würde, hätte ich dann doch nicht gedacht. Nee, quatsch, den Song haben die Jungs schon selbst geschrieben. Eine Poser Rock-Ballade, wie sie im Buche steht! Aber ich habe es schon erwähnt: Edguy dürfen alles, auch Songs spielen, die wie ganz alte Bon Jovi klingen! Ich find’s klasse.

"Catch Of The Century" hat neben dem erwähnten Schlusspart auch sonst eine Menge auf dem Kasten. Ein erstklassig rockendes Riffing trifft auf einen Power Metal Chorus, der einfach gute Laune macht. Darüber hinaus gibt es mit dem fixen "Out Of Vogue", dem schon bekannten "Superheroes" und dem klasse betitelten "Fucking With Fire (Hair Force One)" noch einiges mehr zu hören. Letzteres wirkt rein intrumental wie eine Lordi-Nummer, lebt aber leider nur vom (wirklich guten) Refrain.

Wenn ihr könnt, solltet ihr euch das Digibook von "Rocket Ride" sichern, das neben etlichen Bildern auch eine kurze Bandbiografie (auf deutsch und englisch) und lustige Steckbriefe der fünf Bandmitglieder bietet. Alleine Tobis Statement über das verrückteste Gerücht, was er je über sich gehört hat, ist Gold wert. Einen Bonustrack gibt es natürlich auch, und zwar eine Liveaufnahme des "Theatre of Salvation" Klassikers "Land of the Miracle".

Es ist nicht so, als könnte ich die Leute nicht verstehen, die sich von der Band abwenden. Denn wenn man z.B. "Vain Glory Opera" mit dem aktuellen Output vergleicht, bemerkt man schon deutliche Unterschiede. Man kann sogar so weit gehen und fragen, ob wir es hier überhaupt noch mit einer Metalscheibe zu tun haben. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, gute Musik bleibt gute Musik, egal in welche Schublade man sie steckt! Mir macht dieses Album auf jeden Fall viel Spaß und ich denke, genau darauf kommt es Tobi und seinen Mannen auch an. Ich gehe sogar so weit und sage, dass "Rocket Ride" zusammen mit "Vain Glory Opera" meine Lieblings-CD von Edguy ist.

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