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Edguy: Monuments

Gute Compilation mit ein paar starken neuen Songs
keine Wertung
Genre: Power Metal
Spielzeit: 150:30
Release: 14.07.2017
Label: Nuclear Blast

Schon erstaunlich, dass Edguy bereits in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum feiern, schließlich sind die Bandmitglieder noch keine 40 Jahre alt; zumindest Frontmann und Hauptsongwriter Tobias Sammet sowie die beiden Gitarristen Dirk Sauer und Jens Ludwig. Schon während der Schulzeit gründete das Trio jene Formation, die die Metalwelt heute eben als Edguy kennt. Bassist Tobias Exxel und Schlagzeuger Felix Bohnke stießen erst später hinzu, trotzdem hat die Truppe in der ganzen langen Zeit lediglich einen Besetzungswechsel zu verzeichnen (Bohnke löste 1998 Dominik Storch an der Schießbude ab), da in den ersten Jahren Sammet neben dem Gesang auch den Tieftöner bediente.

Darauf dürfen die Hessen stolz sein, eine solche Harmonie innerhalb einer Band über einen so langen Zeitraum trifft man gerade heutzutage immer seltener an – ein Musketier-mäßiger Zusammenhalt à la Led Zeppelin geradezu. Immer wieder von Teilen der ach so truen Metal-Community belächelt oder gar angefeindet, hat sich das Fuldaer Quintett den Erfolg hart erarbeitet und u.a. bereits zehn Studioalben auf dem Buckel; nach einem Vierteljahrhundert eine Best-of-Compilation herauszubringen, darf man da durchaus als legitim ansehen.

Sicherlich sind Greatest-Hits-Zusammenstellungen stets mit Vorsicht zu genießen, gerade wenn sie zusätzlich neue Songs enthalten. Würde es sich ausschließlich um altes Material handeln, könnte jeder Fan, der schon alles im Regal stehen hat, einen solchen Doppeldecker ignorieren, finden sich jedoch auch frisch komponierte Nummern darauf, juckt es schon eher in den Fingern, sich das Teil zuzulegen. Es wird immer Stimmen geben, die derartiges als Abzocke bezeichnen, andererseits: Die-Hard-Fans hätten sich „Monuments“ so oder so in jedem Fall gekauft – neue Tracks hin oder her –, schlichtweg, um die Sammlung vollständig zu haben.

Die neuen Songs finden sich allesamt gleich am Anfang der ersten CD wieder und illustrieren einmal mehr das Händchen der Jungs – allen voran natürlich Tobi Sammet – für eingängige Kompositionen mit starken Refrains, die sich sofort ins Hirn fräsen. Der Opener „Ravenblack“ kommt mit leicht düsterer Schlagseite daher, um dann in einem melodischen Refrain aufzugehen, während das folgende „Wrestle With The Devil“ (aus der Feder von Basser Tobias Exxel) etwas mehr Hard-Rock-Schlagseite besitzt und heiterere Stimmung verbreitet. Bei „Open Sesame“ hingegen handelt es sich um eine schnellere Komposition, die zwar absolut typisch für die Band ist und somit in dem Sinne nichts Neues darstellt, dennoch viel Spaß macht und umgehend in die Glieder fährt.

In Form von „Landmarks“ liegt des Weiteren eine flotte Doublebass-Nummer vor – ebenfalls recht typisch, trotzdem erneut gelungen – sowie mit „The Mountaineer“ ein treibendes Stück im Midtempo mit – man ahnt es bereits – einem Mitsing-Refrain allererster Güte. Mag sein, dass diese fünf neuen Tracks allesamt nicht unbedingt Offenbarungen gleichkommen, trotzdem sind sie bockstark und mit spürbarer Spielfreude vorgetragen. Man hört die Routine und Souveränität heraus, die die Jungs in puncto Songwriting mittlerweile gewonnen haben, von Langeweile oder gar Abgestumpftheit ist allerdings weit und breit keine Spur. Vielmehr fügt sich das Fünferpack gut in die restliche Tracklist ein.

Bei dieser war es angesichts von zehn Studioalben kein Leichtes, eine Auswahl zu treffen. Dennoch wurde bis auf das Debüt jedes Album berücksichtigt, sogar Songs von den beiden EPs „Superheroes“ und „King Of Fools“ haben ihren Platz auf „Monuments“ gefunden. Mit jeweils vier Stücken sind „Hellfire Club“ und das letzte Werk „Space Police: Defenders Of The Crown“ am stärksten vertreten; ob man nicht lieber andere Tracks von anderen Platten in den Fokus hätte rücken sollen, ist müßig zu diskutieren, denn letztlich wird jeder Fan eine andere Meinung vertreten.

Songs wie das Zehn-Minuten-Epos „The Piper Never Dies“, das schmissige „Mysteria“, die teils „Final Countdown“-inspirierte „Vain Glory Opera“ oder die verspielte Uptempo-Komposition „Judas At The Opera“ (mit Michael Kiske als Gast) sowie Edguy-typische Spaßnummern der Marke „Lavatory Love Machine“ sind bei solch einer Zusammenstellung jedenfalls unverzichtbar. Über anderes kann man streiten, insgesamt haben Edguy aber sicherlich eine gute Auswahl getroffen, die dem Neuling einen guten Überblick verschafft und mit der der Fan sicherlich leben kann. Mit „Reborn In The Waste“ ist außerdem ein Track aus der „Savage Poetry“-Zeit dabei, der ebenfalls bislang unveröffentlicht war.

Ob man die „Monuments“-Compilation haben muss oder nicht, muss jeder selbst entscheiden – die neuen Songs lohnen sich in jedem Fall und den Rest hat man soundtechnisch gut aneinander angeglichen. Wahrscheinlich ist es empfehlenswert, auf die Digipak-Variante zurückzugreifen, die zusätzlich eine DVD mit einem Konzert, das 2014 in Brasilien aufgezeichnet wurde, enthält. Klingt im Prinzip am reizvollsten von allem, leider lag dieser Konzertfilm der Redaktion nicht vor, weswegen hierzu keine näheren Erläuterungen folgen können. Eine Punktewertung spare ich mir allerdings, da diese bei fünf bzw. sechs neuen Songs auf einem 28 Tracks umfassenden Doppelalbum schlichtweg wenig Sinn ergeben würde. Für sich genommen könnte man den neuen respektive previously unreleased Stücken insgesamt solide acht Punkte geben.

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