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Eclectika: Dazzling Dawn

Ambitioniert, aber unausgereift
Wertung: 4/10
Genre: Black Metal/Ambient
Spielzeit: 48:59
Release: 25.02.2010
Label: Asylum Ruins Records

Mit Black Metal kann man viel experimentieren; insbesondere was die atmosphärische Komponente angeht, wagten schon viele Musiker, den ursprünglichen rohen Sound des Genres entsprechend auszubauen. Auch Eclectika ist ein solches Projekt, versuchen Sebastien Regnier und seine Mitstreiter doch, Elemente aus Ambient und Gothic sowie symphonische Anklänge in ihr musikalisches Gerüst einzufügen. Derart ambitionierte musikalische Ergüsse sind ja generell schon einmal lobenswert, allerdings gilt es letztendlich auch noch, alle Teile zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen – leider jedoch gelingt dies der Band nur in sehr eingeschränktem Maße.

Die Grundlage der Musik bildet relativ ruppiger Black Metal mit den üblichen gekreischten Vocals – diese sind aber nicht gerade ausdrucksstark, so dass sie in ihrer Gleichförmigkeit relativ schnell am Nervenkostüm des Hörers zerren. Dazu kommt noch die Sopran-Stimme von Alexandra Lemoine, die wohl neben den penetrant eingesetzten Keyboards für symphonischen Bombast sorgen soll, unglücklicherweise aber ebenso gesichtslos wie die Screams wirkt und zudem auch noch des Öfteren reichlich schief ist. Keyboards sind bekanntlich in diesem Genre nicht bei jedem allzu beliebt, trotzdem besteht die Tatsache, dass sie geschickt eingesetzt der Musik ganz eigene Nuancen hinzufügen können – bei Eclectika scheitern diese Versuche jedoch schon daran, dass die elektronischen Sounds dermaßen billig klingen, dass der passende Einsatz gar nicht mehr ins Gewicht fällt. Auch die eher spärlich gestreuten Ambient-Passagen werden so meist schon im Keim erstickt, denn Atmosphäre lässt sich mit Sounds, die einem billigen Videospiel entsprungen sein könnten, kaum erzeugen.

Das Intro „The End“ lässt von alldem noch nichts erahnen, denn die symphonischen Klänge leiten das Album relativ dramatisch ein und schüren die Neugier auf das, was kommen mag. Kaum hat „Dazzling Dawn“ jedoch begonnen, eröffnet sich dem Hörer ein weiterer großer Schwachpunkt des Albums: Der rasende Black Metal scheppert in einer dermaßen grausigen Produktion, dass man annehmen könnte, man hätte das Schlagzeug durch einige rostige Blechdosen ersetzt – ein solcher Sound mag vielleicht zu Darkthrone passen, ist hier jedoch völlig fehl am Platze. Auch ansonsten klingt der Song sehr unausgegoren, mal setzt plötzlich weiblicher Gesang an den unpassendsten Stellen ein, mal erschallen plötzlich Plastik-Trompeten; wirklich harmonisch wirkt hier nichts. Mit „Sophist Revenge“ wird das Album genauso weitergeführt, alles scheint erneut seltsam unpassend und vermag kaum mitzureißen. Gelegentlich gibt es auch einige gelungenere Riffs zu hören, die fast schon so etwas wie Atmosphäre aufkommen lassen, nur um kurz darauf wieder von holprigen Arrangements zerstört zu werden.

Auch der Ausflug in akustische Gefilde, den man mit „Les Démons Obsédants Du Regret“ wagt, weiß nicht wirklich zu überzeugen. Die instrumentale Basis ist zwar relativ solide umgesetzt, der kitschige weibliche Gesang und ein wackliges Solo schmälern jedoch den Gesamteindruck. Versuchen die Franzosen, ein wenig härter zu Werke zu gehen, wie es in „Stockholm-Syndrome“ geschieht, verhindern die miserable Produktion und das disharmonische Spiel der Instrumente, dass eine wirklich aggressive Stimmung aufkommt. Die Ambient-Anteile bekommen sogar vollständige Songs eingeräumt, so dass zumindest zwischenzeitlich für ein wenig Abwechslung gesorgt ist. In „Experience 835“ schlägt der Einsatz der elektronischen Soundlandschaften vollständig fehl, denn es hat den Anschein, als hätte man versucht, in möglichst kurzer Zeit so viele Spielereien wie nur irgendwie möglich unterzubringen, so dass das Ganze völlig überladen und gehetzt wirkt. In „11 Corpses Decharnes“, das gleichzeitig das letzte Stück des Albums darstellt, gelingt der Versuch schon eher. Über gut zehn Minuten hin schafft man es bis zu einem gewissen Punkt, eine solide Dark-Ambient-Collage aufrecht zu erhalten, lässt diese gegen Ende aber leider mit dem Einsatz von den billigen Space-Synths wieder zusammenbrechen.

„Dazzling Dawn“ hält einige nette Ideen bereit und ist vom grundsätzlichen Konzept her sehr ambitioniert, will aber letztendlich einfach zu viel. Über die volle Länge des Albums wirkt die Musik stets unausgereift, selten bis gar nicht harmonieren die einzelnen Teile miteinander. Die unterirdische Produktion und die trashigen Keyboard-Sounds tun ihr Übriges, um das Hörerlebnis nur schwer erträglich zu machen. Vollkommen talentlos ist die Band sicherlich nicht, denn zwischenzeitlich blitzen einige hellere und fast schon stimmungsvolle Momente auf, gehen jedoch meist durch diverse Ungereimtheiten schnell wieder unter. Vielleicht sollte man sich erst einmal mit der Essenz eines der auserwählten Genres beschäftigen, so wie auf „Dazzling Dawn“ jedenfalls verkommt der vermeintliche „Ambient Black Metal“ eher zu einem misslungenen Experiment.

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