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East Of The Wall: The Apologist

Ideenreichtum oder Chaos?
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal, Sludge Metal
Spielzeit: 47:09
Release: 25.10.2011
Label: Translation Loss Records

Manchmal fällt es schwer, übersprudelnde musikalische Kreativität in geordnete Bahnen zu lenken, ohne dabei die Essenz der Ideen verloren gehen zu lassen – East Of The Wall haben sich vermutlich mit ähnlichen Problemen konfrontiert gesehen, es aber geschafft, auf ihrem neuen Werk „The Apologist“ ihr Chaos relativ kontrolliert zu präsentieren. Wer gänzlich unbedarft an dieses Album herangeht, kann sich auf eine Fülle an zahlreichen Eindrücken einstellen, doch nimmt man sich erst einmal die Zeit, nehmen diese allmählich eine klarere Form an.

Eine engere Kategorisierung der Musik der US-Amerikaner ist dementsprechend ein eher unnötiges Unterfangen, obwohl sich East Of The Wall sicherlich irgendwo zwischen Progressive und Sludge einordnen lassen, ohne jedoch an irgendwelchen Genres festzuhalten. Was „The Apologist“ in erster Linie ausmacht, ist die erschlagende Art und Weise, in der die unterschiedlichen Stile innerhalb der Songs ohne Vorwarnung aufeinandertreffen und doch überraschend gut miteinander harmonieren. Gelegentlich läuft die Band zwar durch die ständigen Wechsel und die Unregelmäßigkeit des Einsatzes von Gesang die Gefahr, den roten Faden zu verlieren, doch gerade individuell gesehen vermögen die Songs ihr gesamtes Potential zu entfalten.

Der „Naif“ betitelte Einstieg lässt trotz kurzer Spielzeit von weniger als drei Minuten bereits erahnen, was auf den Hörer zukommt: Schwere Riffs und dominante Basslines stehen im Wechsel mit zurückgezogeneren Passagen, bevor gegen Ende klarer Gesang langsam auf ein geschrienes Finale vorbereitet – gerade für seine Länge besitzt der Song einen außergewöhnlich progressiven Aufbau.

Danach geht es angenehm unvorhersehbar weiter, so dass besonders bei den ersten Durchläufen der Gehalt an Überraschungen hoch ist. Tobende Stücke wie „Linear Failure“, das mit seiner ausgefeilten Rhythmik und futuristischen Riffs ein wenig an Tool erinnert, jedoch mit wuchtigen Shouts den Härtegrad deutlich höher ansetzt, begegnen dem Hörer auf „The Apologist“ ebenso wie rein instrumental gehaltene Stücke in Form des Post-Rock-angehauchten „My Favorite Society Guy“ oder „Precious Memories“, das auch ohne Vocals überraschend eingängig daherkommt.

Wie bereits angedeutet, fällt für sich gesehen keiner der Songs auf dem Album aus dem qualitativen Rahmen – nicht ganz unproblematisch hingegen gestaltet sich die Anordnung der Tracks, die zwischenzeitlich überrascht aufhorchen lässt. Wenn auf das komplexe Titelstück „The Apologist“, das mit verspielten Gitarren- und Bassarrangements, starkem hohem Gesang und perfekt durchdachtem Songwriting zweifellos zu den wirkungsvollsten Tracks des Albums zählt, mit „Running Tab Of Sweetness“, „Horseback Riding In A Bicycle World“ und „A Functional Theory“ gleich drei kurze, harte und technische Angriffe folgen, erstaunt es schon ein wenig, dass diese nicht ein wenig mehr unter die restlichen Songs gemischt sind. Vielleicht macht aber gerade dies auch einen weiteren Teil des Überraschungsfaktors von East Of The Wall aus, denn in seiner Wachsamkeit nachzulassen, wird dem Hörer keine Minute lang gestattet.

Zweifellos bewegt sich „The Apologist“ in jeder Hinsicht auf einem schwindelerregendem technischem Niveau, glänzt mit hervorragendem Songwriting und wirkt trotzdem erfrischend wenig konstruiert. Letzten Endes ist es aber tatsächlich der oftmals mangelnde rote Faden, der dieses Album davon abhält, sich unauslöschbar ins Gedächtnis einzubrennen – wäre man eine etwas klarere Linie gefahren, was die Strukturierung des Albums anbetrifft und hätte Faktoren mit eigentlich herausragendem Potential wie den starken Gesang etwas konstanter eingesetzt, könnte man vielleicht schon von einem kleinen Meisterwerk sprechen. Dennoch ist „The Apologist“ auch so ein brillantes Album geworden, das kaum einen Anhänger ausgefallenen und modernen Metals kalt lassen dürfte und definitiv ein Probehören verdient.

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