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east: in an instant

Mut zur Geschwindigkeit wäre hier wünschenswert
Wertung: 6,5/10
Genre: Emo, Indie Rock
Spielzeit: 36:26
Release: 24.01.2020
Label: Midsummer Records

Bereits Ende Januar erschien die vorliegende „in an instant“ der Berliner/Trierer Formation east, doch so richtiges soziales Netzfeuerwerk gab es nicht und auch wenn man sich die YouTube-Version des Albums zu Gemüte führt, kann man die „Daumen hoch“ an beiden Händen abzählen. Woran das liegen mag, bleibt Spekulation, Fakt ist, dass die Truppe a) weiterhin auch hierzulande recht unbekannt ist und b) trotz „Emo“-Prädikat keineswegs leichte Kost fabriziert. Zumindest die Vocals von Fronter Tilman, den einige sicherlich von seinem Soloprojekt Tigeryouth kennen, sind streckenweise schwer gewöhnungsbedürftig, obwohl oder gerade weil der Mann zum Teil ein bisschen an Emil Bulls-Fronter Christ erinnert.

Passend zum tatsächlich sehr beruhigenden Sonnenuntergangs-Artwork haben sich die fünf Herrschaften dem sphärisch angesiedelten Emo verschrieben, der immer wieder gerne auch Indie Rock zitiert und sich auf „in an instant“ durch vielerlei Gitarrengeschwurbel, zarte Drumfills und hypnotische Basslines auszeichnet – wer also hammerharte Gitarrenwände oder stimmliche Ausraster sucht, wird hier nicht fündig werden. Das kann Vorteil als auch Nachteil sein: An sich haben east ein paar schöne Songs in petto, mit der Zeit neigt der Sound aber dazu, eher vor sich hinzuplätschern. „Glue“ ist da leider das Paradebeispiel, kann man doch nach Anhören des Songs gar nicht so genau sagen, was denn nun in den letzten dreieinhalb Minuten passiert ist.

Überhaupt scheinen east ihr Pulver bereits in der ersten Albumhälfte zu verschießen: Der Opener „Too Fast“ macht seinem Namen zwar nicht unbedingt alle Ehre, geht aber doch recht flott zu Werke, ohne dabei ungemütlich zu werden. Gewöhnungsbedürftig ist auch hier in erster Linie wieder der Gesang, vor allem bei emotionaleren Parts, wobei ruhigere Vocals durchaus angenehm warm daherkommen. Erst „Shoreline“ rüttelt dann ein bisschen mehr auf, auch wenn der Song zu Beginn gar nicht so wirkt: Ruhiger Gesang und dezentes Saitengezupfe läuten den Track ein, im Verlauf traut sich die Band dann doch mal einen kleinen Sprung auf‘s Gaspedal zu, so richtig haut der Song aber auch am Ende nicht rein.

Mit ein Problem ist der recht undifferenzierte Sound, den „in an instant“ mit sich bringt, sodass man immer das Gefühl hat, man müsse die Lautstärke noch etwas mehr aufdrehen. Auch Equalizier-Einstellungen bringen da nichts, damit muss man wohl leben.

Zur Mitte hin scheinen east dann endlich den Mut zu finden, ein bisschen mehr aus sich herauszugehen, präsentiert sich doch gerade „Chalkwhite“ als experimenteller und zugleich tanzbarer Track mit deutlich druckvolleren Vocals und spürbarer Spielfreude. In Kombination mit dem drängenden, teils durch die Drums fast schon bedrohlich wirkenden „Push And Pull“ und dem folgenden Titeltrack, der in ein schönes und erfreulich abwechslungsreiches Instrumentalstück verpackt wurde, kann das Quintett endlich ordentlich punkten.

Wie erwähnt ist dann recht schnell wieder die Luft raus, was sehr schade ist, zeigen die genannten Songs zur Albummitte doch deutlich das Potential der Truppe auf. „Money“ kann allein durch den Text und das grandiose Finale nochmal Akzente setzen und auch bei "My Privilege" scheinen die letzten Reserven nochmals gebündelt zu werden, so richtig befriedigt fühlt man sich aber nach mehreren Durchläufen der Platte trotzdem nicht. Schade, denn wie bei den meisten Bands herrscht auch hier deutlich mehr Potential, als unterm Strich gezeigt wird. Textlich sind die Jungs über jeden Zweifel erhaben, auch technisch sind die Musiker hochqualifiziert – ein bisschen mehr Mut zur Geschwindigkeit würde den Songs aber sicherlich nicht schaden, sondern eher noch ein paar Punkte lockermachen.

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