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Earth Moves: Human Intricacy

Die Briten machen keinen Hehl aus ihrer Wut
Wertung: 9/10
Genre: Post Metal, Black Metal, Shoegaze
Spielzeit: 49:27
Release: 15.11.2019
Label: Through Love Records

Earth Moves sind wütend. Da machen schon die ersten beiden Minuten auf der neuen Platte „Human Intricacy“ keine Gefangenen, Brutalität allerorten, man kommt kaum zum Atmen. Der Bandname ist außerdem der Oper „Peter Grimes“ von Benjamin Britten entnommen.

Dass Metal und Oper sehr gut zusammen passen, haben schon viele Bands bewiesen. Dass eine Mischung aus Post und Black Metal, Screamo und Shoegaze aber mit derartig viel Zorn von einer Band fabriziert wird, deren Gitarrist Musik studiert und die Band kurzerhand auf den Namen einer Opern-Arie getauft hat, das sieht man doch selbst im bunt gemischten Metal-Genre eher selten. Allein damit bleiben Earth Moves im Gedächtnis, der Nachfolger zum 2016er Debüt „The Truth In Our Bodies“ muss sich aber auch sonst nicht verstecken. Kann er auch gar nicht: Viel zu massig, zu brachial, zu dröhnend kommen die neun Tracks auf „Human Intricacy“ daher, als dass man sie irgendwie ignorieren oder gar verdrängen könnte.

Das geht schon beim gerade mal zwei Minuten langen Opener „Falling Away From The Ground“ los, bei dem in bester Shoegaze-Manier düster nach vorne gerifft wird, garniert mit heiserem Geschrei – in der Kürze liegt hier die Würze, und schon hat man den ersten Anspieltipp, der den Einstand bereitet für den düster-wütenden Soundbrei auf „Human Intricacy“. Deutlich melodischer geht es dann schon im folgenden „Into The Ether“ zu, freundlicher wird es aber mitnichten: Hier brüllt man sich nach vorne, schwarzmetallische Arrangements verdunkeln die ganze Szenerio nochmals deutlich und trotz (!) Klargesang lässt sich der Track in all seiner Verzweiflung kaum nur einmal hören; da skippt man doch gerne mal zurück statt nach vorne.

Neben solcherlei recht dynamischen Track stehen dann wahre Zehnpfünder wie das über sieben Minuten lange „Catatonic“, das mit seinen doomigen Riffs seinem Titel alle Ehre macht. Hier wird zuerst auf hilflos-hallenden Klargesang gesetzt, der in Kombination mit den schon bald eingestreuten Screams und den unglaublich depressiven Riffs schon bald ein schwarzes Tuch über den Hörer hängt. Depressive Suicidal Black Metal ist ein Scheiß dagegen, liebe Freunde – man sollte eben immer ein bisschen Vitamin D parat haben, wenn man sich Earth Moves zu Gemüte führt.

Überhaupt ist es unfassbar, was die Briten hier für eine Weltuntergangsstimmung verbreiten – auf knapp 50 Minuten findet sich kein Lichtblick, kein Hoffnungsschimmer, aber warum auch? Der Albumtitel verrät ja schon, dass Earth Moves sich nicht unbedingt zu den Blumenkindern zählen möchten. Da wird dann zum Durchatmen zwar durchaus mal ein Instrumentalintermezzo eingeschleust, ein Titel wie „Rot“ verweist dann aber schon dezent darauf, dass sich hier stimmungstechnisch nicht unbedingt viel ändern wird. Massiv und dumpf folgt direkt darauf „Their Eternal Home“, das in über acht Minuten aber tatsächlich einige Tempowechsel beinhaltet und von schwerfälligem Riffing bis hin zu beinah perlenden Soundarrangements und fiesen Black-Metal-Blastbeats auch zu überraschen weiß.

„Human Intricacy“ ist eine Dampfwalze von einem Album, ein Depressivum, eine 50 Minuten lange Verzweiflungstat. Und gerade in dieser Verzweiflung und der allumfassenden Wut so großartig. Hoffnung wird zwar auf dem Album in Keim erstickt, dafür dürfen sich die Briten schon als musikalische Hoffnungsträger 2020 bezeichnen. Kleine Punkteabzüge gibt es dann lediglich für kurzzeitig eingestreute Passagen, die nicht so recht ins Klangbild passen wollen, aber wir meckern hier wirklich auf hohem Niveau.

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