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Earth Crisis: Neutralize The Threat

Einige Lückenfüller verwässern die Scheibe
Wertung: 7/10
Genre: Hardcore
Spielzeit: 30:06
Release: 01.07.2011
Label: Century Media

Vor zwanzig Jahren gründete sich im New Yorker Stadtteil Syracuse eine Band, die nur wenige Jahre später zu den absoluten Vorreitern der Hardcore-Szene gehören sollte: Earth Crisis rollten die Vegan-Straight-Edge-Szene aus dem Untergrund auf, knallten jedem ihre Überzeugung vor den Latz und gelten heute als eine der einflussreichsten Hardcore-Combos weltweit. 2001 trennte sich die Band, Sänger Karl Buechner und die beiden Saitenzupfer „Bulldog“ und Erick Edwards widmeten sich der Gründung von Freya, nur um 2007 die Erdenkrise erneut heraufzubeschwören. Die Fans haben es ihnen gedankt, auch wenn die Band sich im Laufe der Zeit mit ihrer „Nach mir die Sinflut“-Mentalität schon einige Feinde gemacht haben dürfte.

Zwanzig Jahre nach der Gründung also steht nun das siebte Studioalbum „Neutralize The Threat“ in den Startlöchern und statt wie üblich ein buntes Potpourri an Songs über Veganismus, Straight Edge, Tierrechte und ähnlichem zu kredenzen, haben die Herren sich diesmal ein grobes Konzept überlegt, indem sie in den einzelnen Songs Bürgerrechts- oder Selbstjustiz-Aktionen wieder aufleben lassen. Schade ist in dem Zusammenhang natürlich, dass bei der nicht-physischen Ausgabe der Platte zwar ein Infoblatt, aber keine Songtexte dabei sind, die in diesem Fall sicherlich interessant gewesen wären.

Das obligatorische Journaille-Gejammer wird aber schnell ausgeblendet: Der Opener „Raise“ beläuft sich zwar nur auf knappe anderthalb Minuten, zeigt aber direkt mal wo der Hammer hängt – groovige Drums und Buechners heiseres Gebrüll lassen kaum Zweifel daran aufkommen, was die Jungs mit „Neutralize The Threat“ beabsichtigen. Dass Earth Crisis sich dabei auch mal gern abseits der inzwischen totgetrampelten Hardcore-Pfade bewegen, kann man erfreulich deutlich an „Total War“ erkennen. Neben dem üblichen Breakdown-lastigen Einstieg, den man ja nun zur Genüge von diversen Bands kennt, aber – wenn er gut gemacht ist – eigentlich immer wieder hören kann, bildet sich im Verlauf des Songs eine fast schwarzmetallische Gitarrenspur heraus, die natürlich von Buechners Gekeife nur noch unterstützt wird.

Wahrscheinlich hagelt es nun gleich Backpfeifen und faule Tomaten, aber insgesamt wirkt mir die Hardcore-Schiene auf „Neutralize The Threat“ fast ein wenig zu stumpf. Klar, die Herren sind nicht mehr die Allerjüngsten, aber ein wenig mehr Finesse hätte man sich dennoch wünschen können. Tracks wie beispielsweise „The Eradicators“ bringen zwar grundsoliden Hardcore auf Tapet, viel mehr aber auch nicht. Gegenstücke wie „Counterstrike“ halten dafür aber ordentlich Zunder bereit – der Track geht von der ersten Sekunde an steil nach vorn und vor allem Drummachine Dennis Merrick hat hier den ein oder anderen Lorbeerkranz verdient; was der Mann abliefert, treibt den Song ohne Umschweife nach vorne und in Kombination mit den rasend schnellen Riffs der beiden Gitarristen Erick Edwards und Scott Crouse mutiert der Track zur Blaupause für anspruchsvollen Hardcore.

Wie bei so vielen Platten scheint die Combo zum letzten Song „Raze“ nochmal alle Kapazitäten zusammengekratzt zu haben: Der Song wuchtet sich schwerfällig auf ein Groove-Level, das viele jüngere Bands nicht mal im Ansatz aufbauen können, Buechners Stimme erreicht einen neuen Angepisstheits-Höhepunkt und der Bass rührt den Mageninhalt einmal schön durch, bevor der Refrain sich etwas rascher durch die Lautsprecherboxen schlängelt und fast ein wenig ein Melodic-Death-Metal-Flair verbreitet.

Neben solchen Highlights geraten die eher mittelprächtigeren Nummern natürlich schnell in den Hintergrund, dennoch sollte man nicht vergessen, dass Earth Crisis schon mal konstanter auf hohem Niveau gearbeitet haben. Einige Stücke plätschern leider einfach an einem vorbei und im Nachhinein fragt man sich dann, wieso die Platte schon um ist. Trotzdem: Earth Crisis bieten eine gute halbe Stunde guten bis sehr guten Hardcore mit Message – für sieben Punkte reicht das allemal.

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