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Earl Grey: The Times You Cross My Mind

Klasse statt Masse
Wertung: 9/10
Genre: Hardcore Punk, Emo
Spielzeit: 13:05
Release: 21.07.2017
Label: Midsummer Records

Die Mönchengladbacher Earl Grey werden musikalisch gerne mal in die Emo-Punk-Schublade verpackt. Was abschreckend wirken kann, ist aber nur die sprichwörtliche Spitze des Eisberges; denn die Band gibt sich mit dieser schnöden Plakatierung keineswegs zufrieden, sondern bietet auf der brandneuen EP „The Times You Cross My Mind“ nicht nur Punk und Emo, sondern auch schönste Hardcore-Einflüsse, zudem muss man nicht fürchten, dem oftmals doch recht gewöhnungsbedürftigen Klargesang des oben genannten Genres ausgesetzt zu sein. Ein bisschen Melodie ist aber immer vorhanden, und genau die Mischung aus Midsummer-typischen Bandkomponenten – weitreichenden Melodien, bratenden Gitarren und aggressiven Vocals – zündet hier wie ein Funke auf Papier.

Da geht es mit dem tatsächlich erst mal ziemlich heftig nach Pop-Punk klingenden „Nothing“ schon dynamisch los, Sänger Malte dreht das Ruder aber locker in Richtung Hardcore Punk, unterstützt von tighten Drums steigert man sich Richtung Refrain immer mehr in die musikalische Raserei, bis man einen regelrechten Hardcore-Ohrwurm kreiert hat – und das bei einer Laufzeit von unter zwei Minuten.

Überhaupt kann man hier als Manko die Spielzeit angeben, denn trotz einer Handvoll Songs bringen es die Herrschaften gerade mal auf knapp 13 Minuten Laufzeit, was selbst für eine EP recht mau ist. Aber: Tracks wie das schwungvolle „Never Sleep“ mit seiner frischen Leadgitarre entschädigen dann schon wieder und schmeicheln sich schnell beim Hardcore-affinen Hörer ein, unwillkürlich geht man mit, selbst in den eigenen vier Wänden hält es einen kaum auf dem Sitz; hier haben Earl Grey einen nahezu perfekten Szenehit geschrieben, der außerdem im Mittelteil mit einem dramatischen Instrumentalteil überrascht.

Es geht ja gegen die Schreiber-Ehre, auf einer Platte jeden Song einzeln abzuhandeln, bei „TTYCMM“ kommt man aber nicht drum herum, auch den dritten Track „Snake Hips“ lobend hervorzuheben; der Song hat einfach zu viele Hummeln im Arsch, selbst die kurze Basseinlage kann hier nicht als Bremsmoment fungieren, viel zu viel Spaß in den Backen kommt da durch die Boxen gedonnert, als dass man das Stück nicht ebenfalls als Anspieltipp nennen könnte.

Wie man unschwer herauslesen konnte, gibt es also nicht viel zu meckern für die neue Earl-Grey-EP – „The Times You Cross My Mind“ hat neben ziemlich geilem Sound auch ein an Old School angelehntes Plattencover zu bieten, das mit der Kombination aus schwarz und pink an sich schon aus unzähligen anderen Hardcore-Platten heraussticht. Über die Laufzeit darf man durchaus meckern, die wenigen Minuten hat die Truppe aber zumindest mit Qualität gefüllt – Klasse statt Masse, wenn man so will. Dafür hat sich das Quintett neun Punkte redlich verdient.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“