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Dynahead: YOUniverse

Labels: Los, zuschlagen!
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 56:39
Release: 11.03.2011
Label: Eigenproduktion

Hossa, was für ein amtliches Brett! Dynahead aus dem Land des Karnevals, der Fußballzauberer und der braungebrannten Bikinischönheiten werfen auf ihrer zweiten Full-Length „YOUniverse“ einfach mal alles in einen Topf und rühren anschließend kräftig um: Unverkennbare Thrash-Einflüsse, melodische Einsprengsel, halsbrecherische Gitarrensoli, entspannte Akustiksequenzen, Blastbeats, vertrackte Rhythmus- und Tempowechsel, hier und da ein bisschen Liebäugeln mit Modern Metal und Core, dort ein jazzig angehauchter Akkord – mit anderen Worten: Diese Jungs proggen sich den sprichwörtlichen Wolf.

Natürlich hört sich die Beschreibung dieser Mixtur zunächst einmal äußerst konfus und ziellos an und, um es gleich vorwegzunehmen, sie ist auch nicht in jeder Minute gelungen, aber insgesamt funktioniert das muntere Durcheinanderwürfeln von Stilrichtungen doch erstaunlich gut. Zumindest, wenn man bedenkt, dass jeder, der hört, dass oben genannte Genres alle auf einer Platte auftauchen, selbige aber noch nicht zu Ohren bekommen hat, wohl augenblicklich zu dem Schluss kommt, dass jede Band bei dem Versuch, diese unter einen Hut zu bekommen, scheitern muss.

Häufig mag dies auch der Fall sein, bei den Brasilianern ist man aber erst einmal nur beeindruckt ob der spieltechnischen Brillanz und der Wucht an crunchy Gitarrenwänden, die einem schon beim Opener „Ylem“ entgegen geschleudert werden – für eine Eigenproduktion knallt das Teil wahrhaftig beachtlich. Los geht es zunächst mit schwarzmetallisch gefärbten, dissonanten Klampfen, bevor man sich ein wenig in Mastodon-artige Gefilde verirrt und schließlich hin und wieder die Thrash-Keule auspackt. Auch der Gesang erweist sich als variabel und pendelt zwischen klaren und gutturalen Vocals. In der Mitte des Stückes präsentiert man außerdem noch melodische Momente inklusive einem spektakulären Gitarrensolo.

Danach wäre im Prinzip erst einmal schön Durchatmen angesagt, aber das machen diese fünf Kerle ja auch nicht, denn so verrückt sich die Beschreibung des ersten Tracks auch anhört, das ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. So werden beispielsweise in „Inception“ Filmsoundtrack-ähnliche Chöre und Orchestersounds (nein, nicht von Hans Zimmer), Blastbeats, Ska-Elemente und eine relaxte Akustikpassage miteinander verwoben – kein Scheiß, die bringen das wirklich. Oder auch „Way Down Memory Lane“: Das Lied startet als Speed-Rocker, bietet dann abwechselnd ein paar thrashige und melodische Anleihen, um letztlich mit einer gechillten Passage, die an den Evergreen „Girl From Ipanema“ erinnert, zu enden – völlig irre, was hier abgeht. 

Bei diesen absolut kranken Zusammensetzungen denkt man immer mal wieder an Bands wie AkphaezyaDeviated Presence oder Unexpect – wobei Dynahead für meine Begriffe eindeutig mehr um Struktur in ihren Songs bemüht sind und nicht ganz so Gimmick-haft wie insbesondere Letztgenannte agieren. Natürlich ist das trotzdem auch für gestandene Progheads durchaus gewöhnungsbedürftig, aber es nötigt einem schon Respekt ab, wie gut es der Combo alles in allem glückt, wirklich etwas Eigenständiges, Neues auf die Beine zu stellen. Wie eingangs erwähnt, ist das Songwriting noch nicht durchgängig schlüssig (das völlig geisteskranke, arg auf Meshuggah getrimmte „My Replicator“ wirkt auch nach vier Durchläufen deplatziert), aber was nicht ist, kann ja noch werden. Mit „Circles“ hat man immerhin so etwas wie einen kleinen Hit an den Start gebracht. Warum hier noch kein Label zugeschlagen hat, ist mir schleierhaft.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann