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Dwelling: Ainda é Noite

Abteilung für anspruchsvolle Musik – Kapitel 2 – Dwelling – „Ainda É Noite“
Wertung: 9/10
Genre: Neo Classic
Spielzeit: 39:33
Release: 14.09.2007
Label: Equilibrium

Dwelling kommen aus Portugal und musizieren bereits ein paar Jahre zusammen. Ergebnis dieser Arbeit sind die EP „Moments (2001)“ und die CD „Humana (2003)“.

Das sechsköpfige Ensemble um Nuno Roberto zaubert mit Gesang, zwei Violinen, zwei Gitarren und Bass wunderschöne neoklassische Musik. Fundament ihrer Kompositionen ist neben klassischer Musik der portugiesische Musikstil Fado.

Fado (von lateinisch fatum = Schicksal) gibt es ausschließlich in Portugal. Dort ist er vor weit mehr als 100 Jahren entstanden. Ursprünglich Ausdrucksmittel der Armen für ihre Sehnsucht nach besseren Zeiten, schaffte der Fado es im 19. Jahrhundert in die Salons von Lissabon. Damit begann sein Siegeszug innerhalb der portugiesischen Musiklandschaft. Heute ist er aus dem musikalischen Alltag nicht mehr wegzudenken und erfreut sich großer Beliebtheit. Grundsätzlich überwiegen beim Fado Molltöne und die Anforderungen an den/die Sänger/-in sind nicht zu unterschätzen. Soll er wirklich gut klingen, sind Geduld und sehr viel Üben erforderlich.

Wer bei Klassik jetzt auf leichtes á la Mozart o.ä. hofft, sieht sich getäuscht. Mahler, Reger oder Bruckner sollten eher die eigenen Favoriten sein.

Zu Fado und Klassik gesellen sich zu guter Letzt dezente Jazzeinflüsse („Opus DCXVI“).

Die Musik zu beschreiben fällt mir schwer. Sie ist elegisch, melancholisch, dann wieder träumerisch, aber auch lebhaft, verspielt und progressiv. Sie pendelt zwischen intro- und extrovertiert. Catarina Raposo’s Stimme klingt mal fordernd, mal verhalten, dann wieder klagend und machmal sogar ein wenig beschwingt.

Ein Freund zeigte mir vor einigen Monaten Bilder seines Porgtugalbesuches – speziell der Lissaboner Altstadt. Die Musik von Dwelling passt perfekt zu einem Spaziergang durch diesen Teil der portugiesischen Hauptstadt. Alte Häuser, verwinkelte Gassen, mal freier Blick zum Himmel, dann wieder nicht. Menschen hasten, lassen sich treiben, suchen, werden gesucht (und gefunden?). Ein vertrauter Blick, Sehnsüchte, Ängste und Hoffnungen – all das spiegelt sich in der Musik wieder. „Forget me Not“ und „Some Love, Please“ sind sehr gute Beispiele für die Umsetzung all dessen.

In diese Gefühle wiederspiegelnde Klanglandschaften muss der Hörer eintauchen, sich einlassen auf Neues und Unbekanntes. Loslassen von Altgewohnten ist erforderlich, genaues Zuhören auch. Sehr viele Nuancen erwarten den geneigten Interessenten. Diese CD braucht Zeit. Sie bricht mit Gewohntem und nimmt dich mit auf eine Reise. Ich habe diese Reise sehr gerne unternommen und genossen, da ich viel Neues entdeckt habe.

Fazit: Sehr gut! Falls bisher keine Erfahrungen mit derartiger Musik vorliegen, unbedingt vor dem Kauf reinhören.

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