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Drowning Deep: Human Decay

Bleibt zu unspektakulär und stückhaft
Wertung: 4,5/10
Genre: Groove Metal
Spielzeit:
Release: 25.10.2019
Label: Independent

Aus Hannover melden sich Drowning Deep mit ihrer Debüt-EP „Human Decay“ nun auch VÖ-technisch im Szenewust an. Wenn man einen Blick in die Biographie wirft, stolpert man natürlich über das Gründungsjahr 2006 und die im Anschluss zahlreichen Besetzungswechsel, was dann im Finale mit dem Zugang von Frontmann Salvatore endet und in einen vermeintlich kreativen Prozess umgemünzt werden konnte. Insgesamt aber wurden auch die Erwartungen ein wenig nach oben geschraubt, geht man doch irgendwie zwangsläufig davon aus, dass man es bei den Hauptstädtern Niedersachsens mit erfahrenen Muckern zu tun hat...

Und daran scheitert es schon anscheinend. Man kann trefflich über rumpelige Produktionen sprechen und auch den rohen Charme einer undergroundigen Nerd-Versammlung andiskutieren, aber weder das Songmaterial wirkt wirklich ausgereift noch lädt der Sound der CD zu mehreren Runden ein. Beleg ist hier gleich schon der Opener „The Trust“, bei dem Bassdrum und Tombs so sehr in den Vordergrund gemixt wurden, dass sie den restlichen Song förmlich erschlagen. Und wenn man schon weitergibt, dass man sich von Amorphis und Paradise Lost inspiriert fühlt, so (r)humpelt das Sextett eben auch den Vorbildern nahezu unerreichbar hinterher.

Nahe kommen sie diesen allemals mit „Listen“, wo die Leadgitarre einen nicht unerheblichen melancholischen Touch einwebt, die Backings in den ersten Vokalsequenzen geschickt untergestreut sind und der kurze Akustikklampfenmittelpart und die femininen „Chöre“ für willkommene Abwechslung sorgen. Im italienisch gehaltenen „Madre Natura“ versorgen uns Drowning Deep auch endlich mit dem versprochenen Grooveteppich und auch die Keyboards haben ihre Berechtigung durch die spannend inszenierten Unterfütterungen gefunden, sodass hier der beste Song der EP vorliegt.

Ansonsten aber ist auf „Human Decay“ noch reichlich Stückwerk zu finden. Beim oben schon erwähnten Opener „The Trust“ fehlt insgesamt einfach der Pfiff und auch beim Gesang wäre deutlich mehr herauszuholen gewesen, das Keyboard-Intro geht als okay durch, wirkt aber noch lange nicht zwingend, sodass bei der schleppenden Gangart leider die Überraschungen ausbleiben. In „Gravity“ überrascht Salvatore mit satten Growls, die ihm deutlich besser zu liegen scheinen, doch spätestens bei den Backing-Shouts drängt sich eher wieder die „Hobbykapelle“ auf. Und auch wenn wie in „Mirror“ gerade die Leadgitarrenarbeit zu überzeugen weiß, so sind es die kleinen Details wie der unsaubere Beginn oder einfach die fehlende Dynamik trotz einiger sachter Tempiwechsel, die nicht Lust auf mehr machen. Und das Outro sorgt eher für ein „raus aus dem Player“ denn für eine wiederholte Rotation.

Ambitioniert reicht heute eben nicht mehr, da springt allenfalls lokales Interesse heraus, aber für einen weiteren Wurf reicht es eben nicht, zumal die Hannoveraner Drowning Deep über einen Demo-Sound nicht heraus kommen – kann natürlich auch seinen Charme haben, nur hier ist dringend anzuraten, mehr Studioerfahrung einzuarbeiten. „Human Decay“ wurde vielleicht aber auch in Eigenregie im Proberaum aufgenommen, klingt zumindest so. Mit dem Erstling können sie zumindest nicht hier wirklich punkten, für die nächste Rutsche ist somit noch reichlich Luft nach oben.

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