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Dritte Wahl: Gib Acht

Dritte Wahl endlich wieder da!
Wertung: 9/10
Genre: Punk
Spielzeit: 47:55
Release: 05.11.2010
Label: Dritte Wahl Records

Dritte Wahl sind wieder da! Nach fünfjähriger Abstinenz und gefühlten zehn Best-Of-Alben, Best-Of-DVDs und Live-Veröffentlichungen sind die Jungs von der Ostseeküste endlich wieder mit brandneuem Material am Start und präsentieren ihr neuestes Werk „Gib Acht“, das sie wieder auf ihrem bandeigenen Label Dritte Wahl Records veröffentlichen. Unglaublich, dass es schon fünf Jahre seit dem nicht ganz so guten Album „Fortschritt“ her ist, aber die Pause hat den Jungs scheinbar gut getan, denn „Gib Acht“ schlägt wieder gnadenlos zu!

Die Rostocker Urgesteine gibt es seit nunmehr 22 Jahren und sie haben bisher mehr als nur eine Punkrock-Generation geprägt. Schon zu DDR-Zeiten haben sie dem System den Stinkefinger gezeigt und auch nach all den Jahren ihren Biss nicht verloren. Warum der ganz große Erfolg bisher ausblieb, ist kaum zu erklären, aber in der Punkgemeinde haben sie einen Platz ganz vorn definitiv sicher.

Der Titelsong „Gib Acht“ ist auch gleich der Opener der Platte. Textlich eine sehr aktuelle Sache, denn hier geht es gegen Überwachung und Manipulation durch die Medien. Nahtlos anschließen kann sich „Das sieht gut aus”, ein Song, der im Ska-Punk -Gewand daher kommt und auf scheinbar lustige und lockere Art den Politikern für ihren Einsatz dankt, allerdings eben auf so sarkastische Weise, dass klar ist, dass hier die ergebnislosen G-Irgendwas-Gipfel kritisiert werden. Unterstützung lieferten bei diesem Titel übrigens Directors Cut und The Skatoons.

Ein Ohrwurm wie aus dem Bilderbuch ist „Wo ist mein Preis“ geworden. Eingängige Gitarren, Piano (wie bei Udo Lindenbergs Hit „Meine Klavierlehrerin“), schnell und zappelnd kriegt hier die Verarsche der Fernsehsender ihr Fett weg – genauer gesagt die Gewinnspiele, bei denen man nur verliert und nichts gewinnt.

Schon der nächste Titel „Ich bin dafür“ hat auch wieder einen richtig guten Text, in dem Dritte Wahl davon singen, dass ihnen vorgeworfen würde, dass sie immer nur dagegen sind, daher ist dieser Titel eben dafür – für Widerstand, Gegenwind und Kritik am System. Leider kommt er musikalisch recht brav daher, aber dafür können Dritte Wahl Abhilfe schaffen – dazu später mehr im Text.

„Keine Angst” ist auch wieder eine schöne und punkige Nummer geworden. Bei diesem Song kommen die Gitarren super und durch den Wechselgesang von Gunnar und Stefan (seit 2005 neu als Basser dabei) wirkt er sehr lebhaft. Der Refrain ist derselbe wie der des Vorgängersongs „Alles wird gut“, was auch mal eine interessante Idee ist. Inhaltlich wird in diesem Titel das Spießertums angegriffen und dass man sich eben keine Angst machen lassen soll – auch wenn man keinen Riester- oder Bausparvertrag hat. Ähnlich ist es bei „Fliegen“. Dieser Titel ist ebenso melodisch und sehr eingängig. Hier geht es darum, einfach abhauen zu wollen, um allen Ärger und alles, was nicht gut läuft, hinter sich zu lassen.

„Alles für den Wind“ ist dann mit Dudelsack im Hintergrund etwas experimenteller, die Dudelsackklänge wurden von Dr. MaBoose von Cultus Ferrox eingespielt. Mittelalterlicher Rock funktioniert nicht auf einem Punkalbum? Mann muss es sich anhören, es passt sogar wie Arsch auf Eimer - obwohl das Dudelsack-Solo am Ende ruhig etwas kürzer ausfallen hätte können.

Das neu eingespielte Kinderlied „Mama, hol' den Hammer“ hätten sich Dritte Wahl aber doch getrost schenken können. Musikalisch ja anfangs vielleicht noch ganz nett, nervt er schon nach wenigen Sekunden und wird daher eigentlich konsequent geskipped.

„Aufhör'n kann ich gut“ versöhnt aber ganz schnell wieder. Schließlich ist auch dieser Song wieder eine geradlinige Punknummer mit rauer Stimme und dürfte der richtige Track für Leute sein, die nichts auf die Reihe kriegen und sich daher wie ein Versager fühlen. Hiermit kriegen sie Balsam für ihre Seele. Passend zum Titel endet er dann auch ganz abrupt.  

Ein wenig befremdlich fällt die Ballade „Ich bin's“ aus. Ein schaurig schöner Text, begleitet von einer leisen Melodie und einem Klavier im Vordergrund  – dieser Titel ist so wenig Punkrock, dass er irgendwie so gar nicht richtig auf die Platte passen will. Klar, Dritte Wahl haben schon immer mal langsame, bedächtige und einfühlsame Titel gehabt, aber irgendwie war die Musik dazu nie so dermaßen glatt. Zumal mit den nächsten zwei Titeln „Morgen schon weg“ und „Singles“ wieder zwei echt treibende und mitreißende Punknummern am Start sind.

Mit „Danke“ ist ein gelungener Abschlusstitel entstanden, wenn der auch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist, da er mit Synthies anfängt und im Großen und Ganzen eher poppig ist. Doch aus irgendeinem Grund gefällt das spätestens nach der dritten Runde im Player.

Zusätzlich zu den 14 offiziellen Songs gibt es auch noch zwei „Hidden Tracks“. Nicht wirklich hidden, da sie eben eigene Titel sind, aber da sie auf dem Cover nicht erwähnt werden, eben doch versteckt. Zum einen wäre da die Acht-Minuten-Nummer „Obacht!“, die aber eigentlich nur ein endlos scheinendes Brummen mit Hintergrundgeräuschen ist , zum anderen die gnadenlos schnelle, glasklare Punknummer „Pro Rapid“, eine härtere Version des weiter oben erwähnten Titels „Ich bin dafür“. Eindeutig besser als das Original, denn hier kommt die gewünschte Portion Wut richtig gut rüber. „Pro Rapid“ ist ganz klar der beste Titel des ganzen Albums.

Dritte Wahl klingen im Jahr 2010 jünger und frischer denn je. Der ein oder andere Song hätte nach meinem Geschmack aber etwas dreckiger und weniger glatt ausfallen können. Dennoch:  „Gib Acht“ macht einfach Spaß im Gesicht! Intelligenter Punkrock, der zum Nachdenken anregen sollte und trotzdem locker bleibt.

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