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Dritte Wahl 25 Jahre 25 Bands

Dritte Wahl: 25 Jahre 25 Bands

Ein Geburtstagständchen ohne (musikalische) Grenzen
Wertung: 9/10
Genre: Rock, Hardcore, Punk Rock, Metalcore, Thrash Metal, Elektropop, Ska
Spielzeit: 86:42
Release: 20.09.2013
Label: Dritte Wahl Records

„Kinder, wie die Zeit vergeht“ Da feiert also eine Band ihren 25. Geburtstag und keiner mag es wirklich glauben. Die Live-Töne der Sause zum zwanzigsten hallen immer noch in den Ohren und nun startet schon die nächste Feier. Die Herren der Dritte Wahl zeigen sich für diese Jubel-Arie nur insofern verantwortlich, dass sie das Album „25 Jahre 25 Bands“ verlegen, 25 Jahre im Geschäft sind, ihre Musik erhört wurde und sie vor allem das Liedgut beisteuerten. Etwas Bauchweh verursacht das Ganze durchaus, denn nur“ tote Helden sind gute Helden“ und nun wird eine Band auf einen Sockel gehoben, der durchaus Angst macht, zumal sich durchaus recht namhafte Bands zu Gehör melden. Klingt etwas nach einem Abgesang auf ein Lebenswerk. Der zweite, und für viele sicher der wichtigere Grund für das Kneifen in der Magengegend ist, dass hier Variationen der Songs entstehen können, die erheblich vom Original abweichen können und diese ja generell schlechter sind als der Ursprung.

Mit den Killerpilzen stehen auch gleich die ersten Vertreter an, die für Argwohn sorgen. Es wird sicher einigen so gehen, dass man bei dieser Band zuerst an Teenie-Schwarm und Locken denkt, bevor der erste eigene Song einfällt. Nun verwursten sie ausgerechnet „So wie ihr seid“, was tief durchatmen bedeutet. Viel Atem braucht man dann allerdings auch, denn diese Version ist wirklich mehr als gelungen. Mit einer guten Portion von Coolness, Frische und Schmackes ziehen die Typen durch den Titel, lassen den Allerwertesten aus dem Sessel erheben, die Beine des Hörers übers Parkett stampfen und einen wirklich gelungenen Opener ertönen, der zudem den Vorteil hat, dass er durchaus auch noch besser zu verstehen ist, als das Original.

Mit dem Verstehen hat es sich allerdings sofort erledigt, denn Farben Lehre geben sich nun die Ehre. Dies ist sicherlich nicht sonderlich verwunderlich, da man durchaus einige Konzerte mit Dritte Wahl bestritten hat, aber etwas gewöhnungsbedürftig ist die polnische Version von „Greif ein“ durchaus. „Spisek“ heißt es nun, das Verständnis für den Text geht gleich Null, aber man heißt dieses Cover willkommen, da es mitnimmt und im Mittelteil durch einen ausgedehnten Schlagzeug-Instrumental-Teil glänzt. Mit Freygang schließt sich eine Kapelle an, die zu den Idolen der  (ost)deutschen Bluesszene gehört. Die Erwartungen werden aber leicht enttäuscht. Spätestens beim Blick ins Portemonnaie verspürt man einen deutlich stärkeren Blues, als es Freygang wiedergibt. Dafür orgelt man sich aber ziemlich gut durch das Lied und die Stimme von Brian Bosse erinnert so stark an Rio Reiser, dass der Blues jetzt auch wirklich eintritt.

Von ruhig und nachdenklich schwappt es jetzt auf lustig und originell. Die Dödelhaie zaubern mit ihrem „Haie in der Ostsee“ ein Schmunzeln ins Gesicht, bevor Macbeth sich ins  Gehör einschneiden. „Betty Blue“ ist der Titel und was die Thüringer daraus machen, hat sich wirklich seinen Respekt verdient. Kraftvoll, majestätisch, mit einem Gitarrensolo gespickt, brennt sich der Song ein und lässt auch beim dritten Hören beide Daumen nach oben zeigen. Etwas anders empfindet man die Version von "Ich bin's", für die sich In Extremo verantwortlich zeigt. Der Einsatz der Mundharmonika mag dem Titel zwar gut anstehen, aber der Rest des Stücks erinnert doch etwas an Kaufhausmusik.

Eingelullt und etwas herunter gezogen geht es zum nächsten Stück. "Auge um Auge" stehen sich Heaven Shall Burn)) und Mille von Kreator gegenüber, um sich einen erbitterten Kampf der Töne zu liefern. Der Hörer stellt sich derweil die Frage, warum er seinen Hang zum Masochismus noch nie erkannt hat, fühlt man sich bei dem gnadenlosen Angebrülle doch so erstaunlich gut.
El Bosso Meets The Skadiolas bringen schließlich etwas Blech auf die Scheibe. " Alle Tage - Alles gleich" wird als Ska-Nummer dargereicht, lässt die Hände in Höhe schnellen, die Beine zappeln und endlich dem Hüftgold den Kampf ansagen. PostMortem prüfen hingegen die Beständigkeit der Nackenmuskulator, bevor Schlappn auf elegante Art und Weise "Tobias" mit einem fast vergessenen Farbfilm verknüpfen.

Musikalisch am weitesten vom Original entfernt haben sich mit Sicherheit Black Heaven und Benzin. Aber gerade Erstere haben mit "Kein Ton" den idealen Song für ihren Elektropop gefunden, bei dem der düstere Anstrich absolut überzeugend wirkt. Ebenfalls ein gutes Händchen bei der Songauswahl hatten Mainpoint. Wenn man mit so einer Stimme, wie Axl sie hat, einen Titel wie "Lust" interpretiert, dann ist der Erfolg eigentlich schon vorprogrammiert. Was zu hören ist, ist eine Version, bei der sicher einige Damen für Minuten ihre gute Erziehung in den Wind schießen und sich mindestens ebenso viele Herren an einer wirklich guten Nummer erfreuen.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch "Auf der Flucht". Dies nicht wegen einer besonders außergewöhnlichen Variante, auch nicht weil ausgerechnet der hyperaktive Gitarrist der Die Skeptiker bei diesem ruhigen Titel zum Einsatz kommt, sondern es ist der Tatsache geschuldet, dass ein Euro jeder verkauften Scheibe an die Stiftung Krebshilfe geht.  Al & Black Cats stehen ihren Vorgängern in nichts nach und bieten eine reduzierte, pub-seelige Version von "Zeit bleib stehen". "Time Stand Still" klingt nach dem Feierabendbier mit Freunden und geht ebenso gut ins Blut, wie der Single-Malt, den man sich als Absacker gönnt. Letzte der 25 Bands ist Wilde Zeiten, die "Danke" sagen und die erste und letzte leichte Schleimspur auf dem Album hinterlassen. Sei es drum, irgendwie haben sie ja auch recht.

Knapp 90 Minuten liegen jetzt hinter dem Hörer, die durch die breite musikalische Aufstellung durchaus etwas anstrengend sind. Dies bringt auch mit sich, dass eingefleischte Dritte Wahl-Fans sicher auch einiges zu meckern haben. Wer aber etwas über den musikalischen Tellerrand hinaus schaut, dürfte sich über die gegebene Vielfalt im höchsten Maße erfreuen. Schade ist eigentlich bloß, dass keine der Bands einen Titel neu "erfunden" hat. Trotzdem kann man den Herren der Dritte Wahl nur zu diesen Kollegen und Freunden gratulieren, die ein wirklich gelungenes Jubiläumspaket geschnürt haben. Dann bleibt nur noch zu sagen: Alles Gute zum 25. und die besten Wünsche für das nächste Vierteljahrhundert!

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