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Dritte Wahl: 20 Jahre 20 Songs

Wie ein Best Of, aber live
keine Wertung
Genre: Deutschpunk/Politpunk
Spielzeit: 79:12
Release: 27.11.2009
Label: Dritte Wahl Records

Ein rundes Bandjubiläum ist ein Anlass, den man durchaus gebührend feiern kann und sollte. In Bezug auf das „Wie“ sind der Phantasie dabei (fast) keine Grenzen gesetzt: von obligatorischen Best-Of-Veröffentlichungen über umfangreiche DVD-Pakete und Gratiskonzerte bis hin zur eigenen Auflösung nach der „Aufhören-wenns-am-schönsten-ist“-Maxime gibt es jede Menge Möglichkeiten, sich selbst und seine Fans ordentlich zu beschenken.

Im Jahre 2008 feierte die Rostocker Punkband Dritte Wahl ihren 20sten Geburtstag und überlegte sich ihr eigenes Konzept für ein gelungenes Jubiläumskonzert. Am 26.7. spielte man auf dem Force Attack Festival in Rostock/Behnkenhagen ein Set, über das die reichlich versammelte Fangemeinde zuvor via Internet abstimmen durfte: 20 Songs – für jedes Jahr einer - sollten es sein; dazu packte die Band selbst noch drei eigene Favoriten, die es nicht in die Publikumshitliste geschafft hatten. Schließlich hat man ja Geburtstag und damit gewisse Sonderrechte. Die Liste wurde dann in umgekehrter Reihenfolge gespielt, was Sinn macht - schließlich stehen die Hits ja standardgemäß immer am Ende des Sets. Was an jenem Julitag auf knapp 15.000 Zuschauer losgelassen wurde, darf also mit Fug und Recht als echte „Best Of“ bezeichnet werden. Selbstverständlich wurde der Gig professionell mitgeschnitten und liegt jetzt als CD (und als mir leider nicht vorliegende DVD) in den Regalen.

Wie es sich für eine ordentliche Geburtstagsparty gehört, ertönt zunächst eine Kinderstimme mit Rolf Zuckowskis „Wie schön, dass du geboren bist“, in das schnell grölende Stimmen mit einstimmen und auch dem Hörer vor der Anlage zu Hause klar machen, dass die Stimmung in Behnkenhagen absolut geburtstagstauglich gewesen sein muss. Dann betreten Dritte Wahl die Bühne und heizen mit dem Brecht/Weill-Cover „Resolution der Kommunarden“ los. Der Sound der Aufnahme ist klar und druckvoll, einzelne Instrumente sind gut auszumachen, jedes Wort ist gut verständlich. Besonders in den Pausen zwischen den Songs ist auch das Publikum immer wieder lautstark zu vernehmen; stellenweise werden auch schon mal eingängige Riffs, wie das von „Kleiner Planet“, in bester „Seven Nation Army“-Manier mitgegrölt.

Wie es sich für eine Geburtstagsparty gehört sind auch einige Freunde angereist, um ihre Glückwünsche auszusprechen und auch gleich ihre Instrumente auszupacken: Die Bläsersektion der Highjumpers verpasst „Hash“ einen ordentlichen Ska-Anstrich, Uwe von den Daily Terroristen packt für zwei Songs seine Gitarre aus und ein trommelndes Trio unterlegt „Auf der Flucht“ mit Marschrhythmen. Im Booklet aufgeführt, aber leider auf CD naturgemäß nicht sichtbar, sind zwei Artisten der Berliner Jongleur- und Feuerspuckertruppe „Drachenbrut“. Um deren Kunst zu bestaunen, muss man wohl zur DVD-Version greifen.

Thematisch decken Dritte Wahl, wie es sich für eine Politpunkband gehört, auch an ihrem Geburtstag ein breites Spektrum ab: Ob Tier- und Umweltschutz, Drogenlegalisierung, Polizeigewalt, gesellschaftliche und soziale Probleme, Herdenmentalität, Kleinbürgertum oder Rebellion gegen das Establishment – das Trio tut seine Meinung umfassend und deutlich kund. Dass sie den basisdemokratischen Grundsatz der Setlistwahl durch die Fans dabei besonders betonen, den Vorgang von einem Bandexternen überwachen ließen, diesen der Menge vorstellen und betonen, er habe die Aufsicht darüber gehabt, dass alles mit rechten Dingen zuging - „nicht wie bei der Bundestagswahl“ - ist da eigentlich fast schon Ehrensache.

Fazit: Gute Stimmung, ein Auftritt ohne große Ausfälle, eine lange, lange Setlist – für Fans ist diese CD (bzw. die DVD) ein absolutes Must-Have. Wer Politpunk mag aber noch nichts mit dem Namen Dritte Wahl anfangen kann (vorausgesetzt, diese Kombination ist überhaupt möglich), findet hier eine gute Zusammenstellung zum Kennenlernen.

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