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Drift & Die: Back To Paradise

Authentisch, erdig und mit gehöriger Portion Rotz ohne Schnodder
Wertung: 8/10
Genre: Rock
Spielzeit: 43:04
Release: 01.07.2011
Label: 7Music

Gründungsjahr 2001 – gab es da nicht diese balladeske Nummer von Puddle Of Mudd? Sollten Drift & Die ihren Namen dort stibitzt haben und kann man dadurch auch auf die Musik herleiten? Die erste Vermutung konnte dann schnell durch einen Suchmaschineneintrag verifiziert werden, zur zweiten These schweigen sich Homepage und auch Promozettel aus. Doch die letzte Zeile auf dem Blatt macht gleich wieder stutzig: „Wer Nickelback mag, wird Drift & Die lieben“. Soll das ein Qualitätsmerkmal sein, ein Hinweis darauf, dass die Schwaben von Drift & Die radiokompatibel sind?

Viele Fans dürften von Drift & Die noch nichts gehört haben, wenn man nicht gerade in Schwäbisch Hall und Umgebung wohnt. Dabei hatten sie schon ihr Debüt „Back To Paradise“ Anfang 2010 in Eigenregie verscherbelt. Irgendwann sind dann 7Music auf die Qualitäten der Band aufmerksam geworden und alle gemeinsam pinselten Anfang Mai 2011 ihre Namen unter einen Kontrakt mit dem Ergebnis, „Back To Paradise“ nicht nur bundesweit in die CD-Läden zu hieven, sondern auch bei den Eidgenossen und den Österreichern für geleerte Geldbeutel zu sorgen.

Die ersten beiden Durchläufe waren erst einmal dafür da, den (etwas hinkenden) „Nickelback“-Vergleich aus den Hirnwindungen zu scheuchen, und schnell kamen Namen wie Creed und Soundgarden auf, aber auch The White Stripes steuerten die eine oder andere Idee bei. Ganz großer Pluspunkt ist die raue, angenehm knarzende Produktion, so dass auch sogar balladeske Stücke wie „White Flag“ oder „Solitary Place“ nicht im zuckersüßen Guss ersticken. Gerade „White Flag“ atmet sehr viel Soundgarden-Spirit, ein passend zögerlicher und sparsamer Klaviereinsatz setzt einige soundtechnische Farbtupfer – insgesamt aber erfährt der Song durch Saschas Gesang an Tiefe und Eindringlichkeit.

Überhaupt: Sascha entpuppt sich im Laufe der Spielzeit immer mehr zur tragenden Drift & Die-Säule – das soll jetzt nicht despektierlich für die Mitstreiter klingen, denn sie liefern alle eine hervorragenden Arbeit auf, doch Sascha steht ganz weit aber unaufdringlich im Vordergrund und seine warme Stimme, manchmal auch in Creed-Sphären zu Hause, sorgt für das wohlige Kribbeln, die ein guter Rocksänger halt hervorrufen sollte.

Passt seine Stimme bei den balladesken Stücken schon wie Arsch auf Eimer, so sind es gerade die rockigeren Stücke, die der Band einfach noch mehr Gesicht geben. Gleich der Opener „Nowhere“ liefert die Rock-/ Grunge-/ Stoner-Attitüde, die sich immer wieder auf dem Album auffinden lässt – erdig und dreckig in stampfenden Midtempo. Das The White Stripes der Band nicht fremd sind, zeigen sie mit „Gone This Day“ auf, doch schon nach kurzer Zeit machen sich aber wieder die soundgardschen Einflüsse bemerkbar – nein, keine Kopie, lediglich Inspiration auf hohem Niveau umgesetzt.

„We love Rock’n’Roll“ – ganz klar, den mögen sie, nur bitte nicht so klischeebeladen wie in „XXX …“, denn das können andere besser und auch authentischer – zumindest textlich, denn leider kommt der Song ein wenig unfertig rüber, was man sich bei dem sonst hochwertigen Songmaterial kaum vorstellen kann – ein kleiner Ausrutscher, der nicht wirklich ins Gewicht fällt.

Selten hört man eine deutsche Combo, die gleich mit dem Debut so in die Vollen rockt, sich vor Vorbildern wie Creed, Soundgarden und Co. nicht ehrfurchtsvoll in den Staub drückt und nur billige Kopien abliefert – Drift & Die rocken authentisch, erdig und mit gehöriger Portion Rotz ohne Schnodder. Sie sind nicht der ganz große Punch im Rock-Zirkus, doch Drift & Die sind der Pole-Position direkt auf den Fersen und mit ihre nächsten Album sollten sich die Lorbeeren auch versilbern lassen – aber bitte: Nicht den Nickelback-Weg einschlagen, denn soviel pathetische Klebrigkeit kann nur schief gehen. Wenn sie schön auf dem Teppich bleiben (von wegen erdiger Sound und so), dann kann Schwäbisch Hall schon mal das goldene Buch zum Tourempfang auslegen.

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