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Dreamshade: What Silence Hides

Dieses Debüt überrascht in vielerlei Hinsicht
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 44:36
Release: 28.01.2011
Label: Spinefarm Records

Melodic Death Metal-Bands gibt es ja zwischenzeitlich wie Sand am Meer, meist aus den düsteren Gefilden Skandinaviens und weniger häufig aus der Schweiz. Dreamshade könnten diesen bedauernswerten Zustand mit ihrem Debütalbum ändern: „What Silence Hides“ klingt wie eine Mischung aus älteren In Flames, Dark Tranquillity und steht auch immer mal wieder kurz davor, in den Deathcore-Bereich vorzupreschen, was nicht zuletzt am grandiosen Zusammenspiel von Sänger Iko und den beiden Gitarristen Fella und Rocco liegt.

Übrigens haben die beiden Saitenhexer die Combo bereits 2006 gegründet, mussten sich aber über ein Jahr nach passenden Restmitgliedern umsehen. Was soll man sagen? Das Warten hat sich gelohnt! Unter den zehn Songs ist kein einziger Ausfall, auch wenn man manchmal ein wenig das Gefühl hat, die Jungs hätten hier und dort noch mehr aus ihren Instrumenten herausholen können – aber das nur am Rande.

Der Opener und gleichzeitige Titeltrack startet ein klein wenig zu keyboardlastig für meinen Geschmack, aber zum Glück fügt sich das Tasteninstrument nach kurzer Zeit wirklich gut in das Gesamtbild ein. Schon hier hat man ein bisschen das Gefühl, dass an Dreamshade eine Deathcore-Combo verloren gegangen ist, was vor allem an dem galoppierenden Beat und Ikos schön fiesem Organ liegt. „As Serenity Falls“ bietet dann eine ganz besondere Atmosphäre: Während Iko sich nebenan einen abschreit, kann man sich gleichzeitig zu Rawis Keyboard genüsslich zurücklehnen und träumen. Man weiß nicht, soll man sich die Seele aus dem Leib headbangen oder einfach die Augen schließen und den Kopf in den Nacken legen. Auf der Platte geht der Song gut ab, live ist er sicherlich eine Wucht.

Übrigens taucht dieses spezielle Feeling noch öfter auf „What Silence Hides“ auf – beispielweise im von Keyboards dominierten „Eternal“, bei dem vor allem im Refrain wieder Gänsehaut garantiert ist. Selbst die etwas verspielt anmutenden Tastentöne trüben hier nicht den Genuss des Tracks. Etwas verstörend wirken dann die tiefen, sehr tiefen, Magenwand erschütternd tiefen Growls im darauffolgenden „Miles Away“. Neben Ikos typischem Gekeife fallen diese natürlich beabsichtigterweise noch mehr ins Gewicht. Ein bisschen old schooliger geht es hier zu, von etwaigen Deathcore-Abstechern ist bis auf das Drumming relativ wenig zu spüren, und dem Headbangen kann ohne nervige Violent Dancer gefrönt werden.

„DeGeneration“ stinkt dann im Vergleich ein wenig ab. Etwas weniger druckvoll kommt der Song aus den Boxen, unterlegt mit choral anmutenden „Aaahaaa“-Gesängen, die klingen wie von deprimierten Hausfrauen gesungen, und einer relativ austauschbaren Keyboardmelodie. Auch die Gitarren hat man so oder sehr ähnlich schon mehr als einmal gehört. Erst gegen Ende powert der Track noch mal los, Iko legt noch mal gesangstechnisch nach und kreischt alles andere an die Wand, bis wieder relativ merkwürdige, flirrende Keyboards einsetzen. „Erased By Time“ passt zwar schon wieder besser ins Bild, aber ein wenig kommt einem ein Vergleich mit Dimmu Borgir in den Sinn, wenn die klimpernden Keyboards (mit einer sehr penetranten, fast Nightwish-artigen Melodie) auf die fiesen Schreie treffen. Außerdem ist die Stimme hier einen Tick zu leise abgemischt, was dem Song einiges an Druck nimmt. Glücklicherweise (und das ist nur untertrieben, denn im Geiste kaute man schon Fingernägel ob der eventuellen Enttäuschung, die der Rausschmeißer bringen könnte) haut „Open Wounds“ das wieder raus – hier wird geklotzt und nicht gekleckert, Iko scheint nochmal alle Luft in seinen Lungen mobilisiert zu haben, Drummer Sera galoppiert fröhlich vor sich und endlich passt auch das Keyboard wieder zum Rest, obwohl es etwas merkwürdig anmutet, wenn romantisches Geklimper über bösartige Growls gelegt wird.

Dreamshade haben etwas geschafft, woran ich schon lange nicht mehr geglaubt hatte, nämlich Melodic Death Metal mit ordentlich Feuer unterm Arsch zu produzieren, ohne sich wie eine der zahllosen Imitationen anzuhören. Einziges Manko ist der in einigen Songs wirklich unpassende Keyboardsound, der dann meist auch noch so in den Vordergrund gemischt wurde, dass man sich auf einer Symphonic Metal-Platte wähnt. Wenn man das Tasteninstrument auf dem nächsten Output noch besser integriert, steht der Annäherung an die volle Punktzahl nichts mehr im Wege.

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