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Dreamshade: The Gift Of Life

Kommt an das Debüt nicht ran
Wertung: 7/10
Genre: Metalcore/ Modern Melodic Death Metal
Spielzeit: 37:40
Release: 25.01.2013
Label: Spinefarm Records

„Die Flucht vor dem Risiko des Wandels bedeutet Flucht vor Selbständigkeit und unternehmerischer Freiheit.“ – So hatte einst Hartmut Haubrich lamentiert, dabei aber sicherlich nicht die moderne Musikszene im Blickfeld gehabt. Die Eidgenossen Dreamshade mussten sich aber genau das schon bei ihrem Debüt „What Silent Hides“ vorwerfen lassen, auch wenn sie mit acht von zehn Punkten ganz gut dastanden. Doch unüberhörbar waren die Parallelen zu Dark Tranquillity, In Flames und Co.

Auf dem nun zweiten Album, einer fast auf den Tag genauen Punktlandung zwei Jahre nach dem Debüt, ist dann auch nicht mehr alles wie es war, zu sehr haben Dreamshade die Schraube der Änderungen angezogen. Hieß das Credo für den Vorgänger noch Melodic Death Metal, so hat sich auf „The Gift Of Life“ nun eine nicht zu überhörende Note „Modern“ dazugesellt, was dann hier bedeutet, dass es auch wahlweise mit (Metal)Core einhergeht. Dazu kommt auch, dass die Schweizer knapp ein Jahr nach Release des Debüts ihren damaligen Sänger Iko durch Kevin Cali, den vielleicht auch einige von seiner Band Roots Of Death her kennen und der sicherlich jeder Toblerone die Nüsse aus der Schokoumhüllung shoutet (herrlich; anm.d.Red.), doch viel zu sehr in der Masse an guten Brüllwürfeln untergeht, ersetzt, aber auch Keyboarder Rawi ist nicht mehr mit an Bord.

Soviel zum Wandel, aber welch gravierenden Änderungen sind nun auf „The Gift Of Life“ zu erwarten? Die Grundzutaten für ihren modernen Metalmix bleiben im Grunde bestehen, soll heißen: fieser Keifgesang hier, der vornehmlich in den Strophen zur Geltung kommt, gegenüber dann der emohafte Klargesang, der wie so häufig in den Refrains für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen soll, dazu hochmelodische Gitarrenduelle, die auf fies anpeitschende Drums treffen, und ein paar elektronische Einsprengsel, die sich aber in der Regel unterordnen und nur ein paar Akzente zur Lockerung setzen.

Das Keyboard drängt sich nur selten in den Vordergrund, setzt wie schon angegeben lediglich Akzente, die so manches Mal in der Sounddichte fast untergehen, eher ein paar Farbtupfer wie z.B. beim Schluss von „Consumed Future“ setzten. Bei „Wants & Needs“ verfallen sie noch am ehesten in die alte Zeit zurück, gönnen dem Keyboard ein wenig mehr Aufmerksamkeit, driften aber nicht in die kitschige Seichtecke ab. Ansonsten ist das Tasteninstrument wie bei dem Titeltrack „The Gift Of Life“ nur marginal zu vernehmen, vielmehr steht das Wechselspiel zwischen Gebrüll und Melodie sowie einigen wenigen auch tiefer angelegten Growls weit im Vordergrund.

Das auch für einen Videoclip benutzte „Photographs“ mit den deutlichen In Flames-Anspielungen zeigt schon von Beginn an auf, wohin die Dreamshade-Reise führt – immer wieder sanfte Tempoverzögerungen mit akustischer Leadgitarrenüberzahl. Auch das anschließende „Your Voice“ arbeitet mit diesen Stilmitteln, bricht in corige Wut aus und wird mit einigen sanften Keyboarduntermalungen und streicherähnlichen Sounds ausgeblendet.  „Our Flame“ greift dann in die balladeske Schatzkiste inklusive akustischer Gitarren, wobei hier der emotionale Klargesang eindeutig im Vordergrund steht – Identifikationshymne für die sicherlich tief ergriffenen Teenies, die live mit gezückten Mobiltelefonen schön auf Feuerzeugromatik machen können. Ungewöhnlich allerdings ist das Ende eben dieses Songs, legt die Akustische doch noch nach und bekommt dann dazu noch einen Schallplatten-Knistereffekt untergejubelt, bevor plötzlich unvermittelt „Late Confessions“ über die Ruhephase hinwegbricht.

Soundtechnisch gibt es an diesem neuen Album von Dreamshade nichts auszusetzen – es knallt an allen Ecken und wird so einer modernen Produktion durchaus gerecht, auch wenn ein bisschen mehr Laut-Leise-Dynamik der Scheibe gut getan hätte. Unterm Strich haben die Eidgenossen mit Jacob Hansen aber einen glücklichen Fang fürs Mixen und Mastern gemacht. Doch so sehr Dreamshade vorgeben, dass sie sich im Melodic Death sehen, so sehr ignorieren sie die Tatsache, dass sie nur rudimentär mit diesem Subgenre zu tun haben und sich eher auf den Pfaden von Metalcore und Co. bewegen – irgendwo zwischen In Flames, Soilwork und vielleicht sogar einem Hauch Killswitch Engage – nur ob sie sich mit der Kurskorrektur einen Gefallen getan haben, bleibt abzuwarten. Das Debüt „What Silence Hides“ stellen sie mit „The Gift Of Life“ nicht in den Schatten. Dreamshade werden es schwer haben, aus dem Wust an ähnlich klingenden Bands herauszuragen.

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