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Dream Theater: Dream Theater

Leider das bislang schwächste Album überhaupt
Wertung: 6.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 68:05
Release: 20.09.2013
Label: Roadrunner Records

Was das Veröffentlichen eines neuen Studioalbums angeht, hat sich bei Dream Theater nun schon seit langem der solide Zweijahres-Rhythmus eingependelt – faul sind die Jungs wirklich nicht, auch wenn es genau dieser enge Album-Tour-Album-Tour-Zyklus war, aus dem Mike Portnoy damals ausbrechen wollte und weswegen er (offiziell zumindest) letztlich die Band verließ, da die anderen nicht für eine Pause bereit waren. Qualität haben die New Yorker fast immer vorgelegt, auch wenn die ganz großen Würfe – für die meisten Fans namentlich wohl in erster Linie „Images And Words“, „Awake“ und „Scenes From A Memory“ – Vergangenheit sind und man sich nur schwer vorstellen kann, dass dieses Wahnsinnslevel je wieder erreicht wird. Wirklich Neues hatte die Band zuletzt nicht mehr zu bieten, sondern bündelte vielmehr ihre sämtlichen Trademarks zu guten bis sehr guten Alben, die man immer wieder gerne hört, auch wenn es sich nicht um absolute Oberklassiker handelt.

Dennoch waren die letzten beiden Scheiben erstaunlich stark, gerade „A Dramatic Turn Of Events“ war der eindrucksvolle Beweis, dass das typische DT-Songwriting auch ohne Mike Portnoy gut funktioniert. Auf den nun vorliegenden Nachfolger durfte man besonders gespannt sein, wurde Neudrummer Mike Mangini doch nun endlich ebenfalls ins Songwriting eingebunden, und außerdem lässt schon die Tatsache aufmerken, dass die Band wie in der letzten Zeit so einige Kollegen es ebenfalls tun, die Platte schlicht nach sich selbst benannt hat.

Bei solch einem Unterfangen erwartet man an sich eine Art Querschnitt durch das gesamte Schaffen, ein vielseitiges Werk, das alle Phasen der Bandhistorie abdeckt – wären Dream Theater nicht bereits so berühmt und erfahren, könnte man sagen, dass sie sich damit selbst größeren Druck als ohnehin auferlegt haben. Was immer die Intention dahinter war – das Ergebnis ist insgesamt leider eher enttäuschend und resultiert letztlich sogar im bislang schwächsten Album überhaupt. Häufig will der Funke nicht überspringen, es fehlt vor allem an Ideen, deren Mangel öfters durch uninspirierte Routine zu übertünchen versucht wurde. Hatte der Vorgänger viele begeisternde Momente zu bieten, kommt „Dream Theater“ mit viel zu wenig Esprit und oft zu durchschnittlichem Songwriting daher. War die Aufbruchsstimmung vor zwei Jahren mit dem neuen Mitglied noch greifbar, wirkt es jetzt so, als sei all dies schon wieder vorbei, so mittelmäßig tönt das Material mancherorts.

Dabei macht sich der Anfang ganz gut: Das bereits vorab veröffentlichte „The Enemy Inside“ ist ein typischer DT-Track mit starkem Refrain, sich fix festsetzenden Hooks sowie den klassischen Soli – da kann man nicht meckern. Schon das folgende „The Looking Glass“ jedoch (wie viele Hartwurst-Kapellen gibt es eigentlich, die irgendeinen Titel mit „Looking Glass“ haben – wäre auch mal interessant zu wissen (Metal Archives listet 62 Songs auf; Anm. d. Red.)) ist ziemlich fade. Dessen Anfang lässt übrigens kurz an den Rush-Klassiker „Limelight“ denken – schade nur, dass das Stück jenes Niveau zu keinem Zeitpunkt erreicht.

Von diesen „nicht wirklich schlecht, aber auch nix, das vom Hocker reißt“-Nummern finden sich mit „Surrender To Reason“ und „Behind The Veil“ weitere. Zwar haben diese durchaus ihre Momente, gerade letzteres, welches wenigstens einen recht gelungenen Chorus und selbstverständlich großartige Solomomente zu bieten hat, aber insgesamt fehlt doch das gewisse Etwas. Die Halbballade „The Bigger Picture“ hingegen ist schlichtweg langweilig, und „Along For The Ride“ zumindest ganz okay, auch hier bleibt der Refrain gut hängen.

Neben „The Enemy Inside“ sind jedoch insbesondere das spektakuläre Instrumental „Enigma Machine“ und der 22-Minuten-Abschluss „Illumination Theory“ die herausragenden Tracks auf „Dream Theater“. Die Instrumentals waren bei dieser Band sowieso eigentlich immer stark; nicht nur wegen der natürlich nach wie vor unfassbaren technischen Fähigkeiten und auch nicht, weil James LaBrie – bekanntermaßen nicht gerade das beliebteste Mitglied unter den Fans – nicht singt, denn seine Leistung ist wie immer solide. Und die Longtracks zählten gerade bei dieser Combo natürlich gleichfalls zu den Leckerbissen; so auch „Illumination Theory“, bei dem alle Register gezogen werden, von tollen Soli über orchestralen, Filmsoundtrack-Charakter atmenden Bombast bis hin zu einem furiosen Finale.

Schlussendlich könnte man sieben bis vielleicht 7,5 Punkte vergeben, doch gibt es leider einen großen Wermutstropfen: Die Produktion beziehungsweise der Mix ist dermaßen desaströs, dass man definitiv einen Zähler abziehen muss. Vor allem die Drums haben keinen Druck; die Snare besitzt keinen Punch und die Becken sind fast gar nicht zu hören. Nicht zu begreifen, dass ein erfahrener und vorzüglicher Musiker wie John Petrucci, der erneut produziert hat, das anscheinend nicht gemerkt hat. Beim letzten Album hatte man sich noch gefreut, dass das Schlagzeug diesmal nicht so übertrieben in den Vordergrund gemixt wurde – doch wenn man diesmal das Endresultat hört, wären einem künstlich aufgeblasene Drums à la Mike Portnoy immer noch lieber gewesen als dieser vollkommen blasse, drucklose Sound.

Vielleicht sollte man doch darüber nachdenken, das nächste Mal wieder einen externen Produzenten zu involvieren, um etwas frischen Wind in die Angelegenheit zu bringen. Genauso wäre es eine Überlegung wert, doch von der eigenen Vorgabe abzuweichen, alle zwei Jahre ein neues Album zu herauszubringen, und sich doch etwas mehr Zeit zu lassen – wie einst von Portnoy gefordert.

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