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Dream Theater: Breaking The Fourth Wall – Live From The Boston Opera House

Mit leichten Einschränkungen zu empfehlen
keine Wertung
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: ca. 180 Minuten
Release: 26.09.2014
Label: Roadrunner Records

Gerade mal ein gutes Jahr ist es her, dass Dream Theater mit „Live At Luna Park“ ihre letzte DVD/Blu-ray herausbrachten – und nun steht schon wieder das nächste audiovisuelle Produkt in den Ladenregalen. Manowarsche Züge hat das Ganze zwar noch nicht angenommen, gefühlt stellt „Breaking The Fourth Wall“ aber auch schon die 123. DVD-Veröffentlichung der Band dar. Hauptgrund für diesen schnellen Release dürfte wohl die Tatsache sein, dass die New Yorker Progressive-Metal-Meister am 25. März dieses Jahres ein ganz besonderes Konzert gaben: Rein von der Setlist her gab es zwar keinen Unterschied zu allen anderen Auftritten der Tour, dafür aber trat man mit Orchester und Chor des Berklee College Of Music in Boston auf. Eine kleine Ehrerweisung an die Institution, an der einst Gitarrist John Petrucci und Bassist John Myung studierten sowie Drummer Mike Mangini zehn Jahre lang Professor war.

Inoffiziell (und nicht frei von Spott) könnte man außerdem als Grund anführen, dass der Mix von „Live At Luna Park“ dermaßen in die Hose gegangen war, dass das Traumtheater so schnell wie möglich nachlegen musste, um dieses Erzeugnis umgehend wieder vergessen zu machen. Aus diesem Grund sei der Fokus in diesem Review auch zunächst auf die rein technischen Komponenten gerichtet. Das Bild ist sehr gut, die Schnitte ebenfalls schön getimt und die Kameraführung kann sich absolut sehen lassen; Details wie die Füße von Mike Mangini bei komplexen Bassdrumfiguren, Splitscreens bei Doppelsoli von Keyboard und Gitarre oder Jordan Rudess’ Tastatur aus der Vogelperspektive machen gerade bei dieser Truppe mit ihren vielen technischen Kabinettstückchen Sinn und Spaß.

Auch der Ton bzw. der Mix ist besser als bei „Live At Luna Park“, wobei auch hier der Bass mehr Schmackes hätte vertragen können. Und der Drumsound ist leider erneut furchtbar dünn und kraftlos mit viel zu viel Hall auf der schwachbrüstig tönenden Snare. Nicht zu begreifen und natürlich sehr schade angesichts der Unglaublichkeiten, die Mangini auf seinem fast schon lächerlich großen Drum-Set abzieht. Unglaublich ist aber natürlich ebenfalls das, was die anderen Bandmitglieder zu bieten haben, das kann nicht oft genug betont werden. Auch James LaBrie beweist eine gute Kondition bei diesem immerhin rund 165-minütigen Gig und hat lediglich beim besonders schwer zu singenden „Scarred“ einige hörbare Schwierigkeiten. 

Beim Instrumental „Enigma Machine“, wo der ansonsten ständig das Publikum animierende Sänger nicht auf der Bühne ist, fällt allerdings einmal mehr das auf, was manche der Band vorwerfen: dass sie Stehgeiger sind, die sich nicht bewegen. Das ist zwar nicht völlig von der Hand zu weisen, andererseits aber auch ein bisschen ungerecht, denn das, was die Herren spielen müssen, ist nun einmal wahnsinnig anspruchsvoll und erfordert hundertprozentige Konzentration. Außerdem hat Jordan Rudess wieder sein tragbares Keyboard dabei, mit dem er sich wenigstens hin und wieder in den Vordergrund spielen kann.

Die Songauswahl dieser Tour ist durchaus originell geraten, mit neuerem Material im ersten Set und einem „Awake“- sowie einem „Scenes From A Memory“-Block im zweiten Teil, anlässlich des 20- bzw. 15-jährigen Jubiläum jener Klassikeralben. Sehr unter die Haut geht dabei die Performance von „Space-Dye Vest“, das zum ersten Mal überhaupt auf dieser Tournee live gespielt wurde, während man bei „Lie“ konstatieren muss, dass sich Rudess hier etwas hätte zurückhalten dürfen, das Synthiegedudel ist hier völlig unpassend und zerstört die Bitterkeit und Düsternis des Stückes total.

Ab dem überlangen Epos „Illumination Theory“ greifen dann endlich auch Orchester und Chor ein und das Orchester ist qualitativ definitiv besser als jenes bei der „Score“-DVD, leider aber für meinen Geschmack insgesamt auch zu leise abgemischt – lediglich beim wunderschönen ruhigen Part von „Illumination Theory“ kommt es natürlich zur Geltung, da hier die Band aussetzt. Der Chor hingegen setzt dezente Akzente, die aber gerade deswegen umso effektiver wirken und dem Ganzen eine sehr feierliche Note verleihen.

Das Publikum in der Hauptstadt von Massachusetts ist von Anfang an sehr euphorisch dabei – kein Wunder aber auch, wo Boston doch so etwas wie die zweite Heimat Dream Theaters ist und sich die Leute sicherlich geschmeichelt fühlen, dass die Band mittels dieses Events etwas zurückzahlen will. Es wäre daher nett gewesen, auch mal ein paar einzelne Gesichter aus dem Zuschauerbereich einzufangen, zumal die Liveatmosphäre durch den lauten Jubel zwischendurch eigentlich ganz gut eingefangen wurde.

Insgesamt stellt „Breaking The Fourth Wall“ schon eine lohnenswerte Anschaffung dar, allein wegen der wirklich interessant zusammengestellten Setlist. Beim Sound müssen zwar wieder leichte Abstriche gemacht werden, aber ansonsten kann man bei einem Dream-Theater-Liveprodukt ja nie einen großen Fehler machen. In jedem Fall ist diese DVD/Blu-ray der „Live At Luna Park“ klar vorzuziehen, auch wenn es mit je einem Visuals-Clip zu „Enigma Machine“ und dem ruhigen Part von „Illumination Theory“ sowie einer kurzen Fotogalerie weitaus weniger Bonusmaterial gibt.

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