Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Dream Theater: Black Clouds & Silver Linings

Die beste Dream Theater-Scheibe seit langem
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 75:40
Release: 19.06.2009
Label: Roadrunner Records

Mike Portnoy hatte im Vorfeld über das zehnte Studioalbum von Dream Theater gesagt: „Stellt euch eine Scheibe vor, auf der ,A Change Of Seasons’, ,Metropolis’ und ,Learning To Live’ zusammen drauf sind“ und die Erwartungen damit natürlich ins Unermessliche getrieben. Trotz einer solchen Aussage dürfte aber jedem halbwegs klar denkenden Menschen wohl bewusst sein, dass die Band mit „Images And Words“, „Awake“ und natürlich „Scenes From A Memory“ Meilensteine des Progressive Metal geschaffen hat, die schlichtweg nicht mehr überboten werden können. 
Zwar ruderte der Drummer letztlich wieder etwas zurück und meinte in einem Interview: „Ich kann einfach meine große Klappe nicht halten!“, aber es soll ja trotzdem genug Leute geben, die sofort an einen neuen Klassiker im Stile der oben genannten Werke denken.

So viel sei jedoch gesagt: „Black Clouds & Silver Linings“ ist ein verdammt starkes Album geworden, das meiner Ansicht nach beste seit „Six Degrees Of Inner Turbulence“; den direkten Vorgänger „Systematic Chaos“, bei dem es mit dem einfallslosen „Forsaken“, dem Metallica-Abklatsch „Constant Motion“ und dem langwierigen „The Ministry Of Lost Souls“ doch so einiges an Abstrichen zu machen gab, sticht das neue Album in jedem Fall locker aus.

Man hat diesmal zum Glück auf Songs im Muse- oder im Metallica-Stil verzichtet, die auf den letzten Alben schon zum Standard geworden sind und sich wieder auf die eigenen Stärken besinnt, wie auch Mike Portnoy und John Petrucci beteuern, die das Album erneut produziert haben. Diesmal habe man wie in früheren Zeiten wieder mehrere Stile in einem einzigen Song untergebracht, weswegen dieses Mal auch fast ausschließlich Longtracks auf der CD zu finden sind. 

Schon der Opener „A Nightmare To Remember“ ist ein absoluter Oberhammer, der einfach alles beinhaltet, was sich der Dream Theater-Fan wünscht: Hartes Riffing auf der einen Seite und wunderschöne, ruhige Passagen auf der anderen (gerade die Gesangslinien in den ruhigen Stellen dieses Songs sind die besten seit langem und haben beinahe schon „Scenes From A Memory“-Niveau) und die obligatorischen Frickelorgien. Vor allem aber glänzt dieses 16-minütige Epos durch einen grandiosen und nachvollziehbaren Aufbau: in der Vergangenheit wirkten nämlich gerade die Frickelpassagen des Öfteren mal eingeschoben, was dann eher nach Selbstzweck denn nach durchdachtem Songwriting aussah. „A Nightmare To Remember“ ist jedenfalls der stärkste Song seit sämtlichen „Scenes“-Gottheiten und Dream Theater können hier sogar mit etwas für ihre Verhältnisse Neuem aufwarten, da es am Ende dieser Nummer sogar kurz ein paar Blastbeats zu hören gibt.

Das unglaublich hohe Niveau dieses Eröffnungstracks kann das folgende „A Rite Of Passage“ zwar nicht ganz halten, aber auch hier handelt es sich um einen starken Song mit einem sehr eingängigen Mitsing-Refrain und einem orientalisch klingenden Main-Riffing, das sich live sicherlich prächtig machen wird.

Es schließt sich mit „Wither“ eine Ballade an, die zwar durchaus hörenswert, aber vielleicht ein bisschen zu kommerziell geraten ist. Der Refrain ist mir ein bisschen zu simpel, wenngleich der Song zumindest nicht so bedeutungslos dahinplätschert wie das lahme „Forsaken“ von „Systematic Chaos“. Trotzdem haben Dream Theater beispielsweise mit „Hollow Years“, „Take Away My Pain“ oder „The Silent Man“ schon wesentlich bessere Balladen abgeliefert. 

Im Gegensatz zu dieser sanften Nummer geht es bei „The Shattered Fortress“, dem letzten Epos über Mike Portnoys besiegten Alkoholismus dann richtig zur Sache. Wirklich ganz großartig gemacht, wie man hier die verschiedenen musikalischen Elemente aus den vorigen Songs zu diesem Themenkomplex zusammengefasst hat – quasi wie ein Best-of. Anfangs erklingt die Hauptmelodie von „This Dying Soul“ in variierter Form, später dann werden Fragmente aus „The Root Of All Evil“ und „The Glass Prison“ aufgegriffen und als krönenden Abschluss lässt Saitenhexer John Petrucci wieder mal ein Solo der Marke „Nicht von dieser Welt“ vom Stapel.

„The Best Of Times“ schließlich ist ein weiterer Song mit einem sehr persönlichen Text aus der Feder von Mike Portnoy; hier verarbeitet er den Tod seines Vaters. Das Stück beginnt ruhig, getragen und melancholisch mit sanften Violinklängen, um dann zu einer postiv klingenden Nummer mit starker Rush-Schlagseite zu werden. Auch dieser Track endet mit einem unglaublichen Petrucci-Solo.

Beschlossen wird „Black Clouds & Silver Linings“ mit dem fast 20-minütigen „The Count Of Tuscany“, welches sich ganz behutsam aufbaut und zunächst ebenfalls Reminiszenzen an Rush hervorruft. Erst als der Gesang einsetzt, wird das Ganze zu einer typischen Dream-Theater-Nummer mit mitreißendem Riffing in der Strophe und eingängigem Chorus.
In der Mitte gibt es dann eine verträumte Pink-Floyd-artige Sequenz, bevor der Track mit einer mit wunderbar schwebenden Melodien ausgestatteten epischen Passage ausklingt. An „A Change Of Seasons“ kann der Song zwar nicht vorbeiziehen, aber er kommt sehr nahe an dieses Niveau heran.
 
Insgesamt ist den Königen des Progressive Metal mit „Black Clouds & Silver Linings“ ein tolles Album geglückt, das wie erwähnt deutlich stärker als die letzten Outputs geworden ist. Sowohl in produktionstechnischer, als auch in songschreiberischer Hinsicht ist das Resultat mehr als gelungen, die Balance zwischen Härte und Melodik absolut stimmig. Gerade die Ewiggestrigen, die ständig herumnörgeln, Dream Theater würden nach dem Jahrhundertwerk „Scenes From A Memory“ sowieso nichts mehr auf die Reihe kriegen, sollten sich freuen, dass sich die Band so stark wie schon lange nicht mehr präsentiert. Hierzu trägt übrigens auch Sänger James LaBrie zu bei, der diesmal zwar keine Texte geschrieben hat, aber nichtsdestotrotz mit einer glänzenden Gesangsleistung aufwartet. Allen, die ihn immer wieder kritisieren, sei gesagt, dass James genau der Sänger ist, der zu Dream Theater passt und damit basta.

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann