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Draumar: Ein Wintermärchen

Epische Keyboard-Atmosphäre
Wertung: 7/10
Genre: Ambient/ Elektro/ Black Metal
Spielzeit: 48:09
Release: 06.12.2010
Label: Karge Welten Kunstverlag

Es gibt Bands, über die man mehr private Details kennt als man wissen will. Es gibt aber auch Bands, die halten sich mit Informationen zurück – und es gibt Bands wie Draumar.
Draumar ist eine Band aus Bayern und wie es den Anschein hat, handelt es sich dabei um ein Ein-Mann-Projekt. Viel mehr wird man über Draumar aber nicht in Erfahrung bringen: Es gibt keine Liedertitel, keine eindeutigen Hinweise zu dem Mann, der hinter Draumar steht und auch im Booklet bekommt man statt Text „nur“ ein paar Winterlandschaften geboten. Der Name  „Draumar“ könnte sich auf den nordischen Mythos von Baldurs Träumen („Baldrs Draumar“) beziehen, aber selbst das ist reine Spekulation. Es sieht ganz so aus, als halte sich der Künstler/ die Band ganz bewusst so enorm heraus, um die ganze Aufmerksamkeit auf die Musik zu richten. Folgen wir also diesem Hinweis und beschäftigen wir uns mit der Musik von Draumars zweiten Album.

„Ein Wintermärchen“ ist Name wie auch Programm der neuen CD: Dunkle Klänge treffen auf märchenhafte Melodien und vereinen sich zu einem rein atmosphärischen Werk. Die Musik dieses Albums ist gleichzeitig durchgehend ruhig  und episch, so dass sogar Metal-Elemente nur selten zum Vorschein kommen. Aus diesem Grund lässt sich „Ein Wintermärchen“ am ehesten in die Überkategorie „Ambient“ einordnen, mit Tendenzen zum Elektro wie auch angedeutetem Black Metal. Klingt das nach einer wilden Mischung? Das ist es auch, jedenfalls wenn man es zu beschreiben versucht. Die Musik von Draumar jedoch ist weder wild noch widersprüchlich. Die Band schafft es auf ihre ganz eigene Art. die verschiedenen Komponenten der oben genannten Musikrichtungen so feinsinnig und zart zu verknüpfen, dass dem Hörer nur bei der konkreten Benennung ein Widerspruch auffallen wird.

Bei „Ein Wintermärchen“ findet auffällig häufig ein Keyboard Verwendung. Im Gegensatz zu den dudelnden Melodien, die man beispielsweise aus dem Melodic Metal kennt, wird das Keyboard bei Draumar viel klassischer verwendet. Grundtöne werden von diesem genauso übernommen wie auch aufgeweckte Melodien, die in „II“, „V“, „IV“ und „VI“ besonders deutlich hervortreten. Aber auch andere Instrumente finden ihren Zugang zu der Musik von Draumar: Gitarren, Streicher und Bläser vereinen sich zum Beispiel in „Die Winterfestung“, dem einzigen benannten Stück des Albums. Simple, aber passende E-Gitarren-Riffs bekommt man zum  Beispiel bei „II“ und „III“ zu hören. Das erstaunlichste Instrument ist aber wohl das Cembalo oder zumindest seine Klänge, die in „III“ eine tragende Rolle spielen. Es fügt der allgemein schweren aber romantischen Stimmung des Albums eine deutlich klassische Note hinzu. Das Stück erinnert durch sein markantes Instrument stark an die Zeit des Barrocks und verursacht (ungewollt?) eine Assoziation zu fürstlichen Bällen und Königshäusern. Damit fällt das Stück aber auch sehr aus der Reihe. Im Allgemeinen ist die Musik auf „Ein Wintermärchen“ nicht vorgeprägt. Seine schwere, romantische Stimmung entfaltet es in langsamen und meist sehr zarten Klängen.

Ausnahme bilden die wenigen metallischen Aspekte, die auf diesem Album eingestreut werden. Hauptsächlich wäre da die bereits genannte E-Gitarre zu nennen. Im Weiteren kommt aber auch eine Gaststimme zum Einsatz („II“, „III“, „IV“, „V“). Der Gesang wird aber nur als atmosphärisches Mittel verwendet, das mal aus leisem Flüstern, mal aus verzerrten Screams oder aus gesungenen Einzeltönen besteht. Lyrics gibt es bei „Ein Wintermärchen“ nicht. Zusätzlich wird sie dabei in der Regel im Hintergrund gehalten. Nur bei „IV“ tritt sie deutlich hervor und wird dabei von einem für Draumar auffällig intensiven Klang-Hintergrund begleitet. 

Der angesprochene Elektro-Aspekt unterläuft bei diesem Album eine Wandlung. Er zeigt sich besonders in den ersten Liedern und verblasst ab dem dritten Lied zunehmend. Ein gutes Beispiel für diese Elemente ist „I“: Nicht abreißende Keyboard-Klänge erzeugen einen durchgehenden, hellen Grundton. Auf dieser Basis wird eine langsame Keyboard-Melodie gespielt, die mit enormen Echo-Effekten ausgestattet wurde. Der Stil von „I“ ist dabei recht bekannt. Er wird in Filmen typischerweise für die Vertonung von Themen wie „Zukunft“ und „Weltall“ verwendet. In diesem Fall ähnelt besonders „I“ dem Soundtrack vom aktuellen Film „Tron: Legacy“, wobei es zusätzlich mit einem  Klavierspiel verknüpft wurde. Aber auch Erinnerungen an das Akte-X-Intro der Serie werden bei „I“ leise wach gerüttelt.

Trotz der ein oder anderen Abweichung ist „Ein Wintermärchen“ vor allem eins: Epische Atmosphäre – und das mit Leib und Seele. Wer sich also klangtechnisch einmal entführen lassen will und dabei auf harte Elemente verzichten kann, der sollte das neue Album von Draumar nicht an sich vorbeiziehen lassen.

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