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Dragonsfire: Metal Service

Drachenfeuer für monstermäßig metallische Jungfrauen
Wertung: 7/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 55:50
Release: 06.08.2010
Label: Pure Steel

Seit gut fünf Jahren macht die hessische Heavy Metal-Band Dragonsfire auf sich aufmerksam. Nach einer EP im Gründungsjahr folgte 2008 das Debütalbum beim Label Pure Steel. Der Nachfolger hört auf den Namen „Metal Service“ und erscheint in baldigster Kürze bei der gleichen Plattenfirma. Das Cover sprüht zwar vor metaltypischen Klischees, aber es soll trotzdem kein True Metal werden, also rein in den Player und Lautstärkeregler bis auf Anschlag gedreht.

Das Intro ertönt und das Gestöhne geht los, bis man in die Warteschleife gedrückt wird. Nette Idee, die zum Schmunzeln anregt. Aber dann geht es auch los mit „My Mashed Insane Brain…“, einer guten traditionellen Heavy Metal-Nummer. Aber schon allein wegen Sänger Thassilo Herbert kommen nicht nur im Refrain deutliche Parallelen zu unseren Lieblingsmonstern aus Finnland, nämlich Lordi auf. Der Refrain hätte da wirklich vom letzten Album stammen können. Das Ganze wird halt hier nur in einer deutlicheren Metal-Verpackung dargeboten. Der Sound ist nicht ganz so füllig, was aber natürlich auch in dem deutlich höheren Budget der Finnen begründet liegen kann.

Das Lordi-Feeling wird dann noch mal verstärkt bei „Raging Fire“: Starke Gitarrenriffs von Matthias Bludau und Timo Rauscher sorgen für einen deutlich höheren Härtegrad, ohne aber auf den fast schon ein wenig hymnenartigen Chorus abzufärben. Eine coole Nummer, die man schon beim ersten Durchlauf kräftig mitgrölt. So macht Metal Spaß, der Song wird live richtig krachen.

„Call Of The Heart“ ist dann etwas melodischer geraten. Die Band bemüht sich sichtlich, Abwechslung in die Musik zu bekommen, da fällt natürlich der coole Mittelteil auf und das mehr als gelungene Gitarrensolo. Leider vermag das Grundgerüst des Tracks aber nicht wirklich zu begeistern, das hat man eben schon glasklar besser auf dem bisher schwächsten Lordi-Album „Deadache“ gehört.

Der Gedanke, dass nun eine zuckersüße Ballade folgen könnte, wird nur knapp eine halbe Minute bestätigt, denn dann weichen die soften Gitarrenklänge dem groovenden Heavy Metal. Eine starke Nummer mit Slow Motion Headbanging-Parts und gelungenem Refrain. Das macht Spaß und sorgt für gute Laune beim Metalfan.

Deutlich knackiger gerät dann „Blood For Blood“, das sich wohl mit dem Irak-Krieg beschäftigt. Leider wirkt der Song trotz hervorragender Schlagzeugarbeit von Jan Müller eher belanglos, denn er will sich so gar nicht im Gedächtnis festsetzen. Das klingt sehr Old School und irgendwie wie zum einhundertdreiundneunzigsten Male aufgewärmt. Zwar variiert man geschickt verschiedene Elemente, aber alles wirkt wie schon zu häufig gehört.

Deutlich besser ist das „King Without A Crown“ geraten. Irgendwie hat sich da auch noch ein wenig Power Metal-Flair mit hineingeschlichen, aber die alles niederwalzende Eröffnung und der starke Refrain machen Lust auf mehr. Mr. Herbert krächzt seine monstermäßige Reibeisenstimme heraus und sorgt für ein cooles Feeling, das recht gut die deprimierende Stimmung des armen Königs ohne Krone darstellt.

Dann wird Iron Maiden gehuldigt. Schade, dass man keinen fülligeren Sound zur Verfügung hatte. Das würde den Song noch weiter nach vorne drücken. Aber auch so gehört dieses Stück zweifelsohne zu den besten Vertretern auf dem Album. Allerdings muss man sagen, dass er auch gerne fast eine Minute kürzer hätte ausfallen können, denn der Refrain wird ein wenig überstrapaziert und wird dem Himmel sei dank kurz vorm Erbrechen dann wieder vom Maidenlastigen Beginn abgelöst.

Ein Gitarren / Drumstakkato überfällt den Hörer im direkten Anschluss: „Visions Of Fire“ erhöht kräftig das Tempo, um dann fast schon in epische True Metal-Gefilde abzutauchen, bevor das Tempo wieder forciert wird. Hier wird kein Refrain überstrapaziert, sondern alles wird perfekt partitioniert als hauseigene Drachenplatte serviert. Schade, dass die Band nicht ständig auf diesem hohen Niveau zocken beziehungsweise Songs schreiben kann.

„Ghosts“ will den nun erklommenen Qualitätsstandard so gar nicht bedienen. Zwar gibt es eine nette Melodie, insgesamt aber weiß der Song eigentlich nur mit dem negativ klingenden Herzschlag Drumking und dem positiv darauf fallenden Lordi-artigen Gesangsausbruch zu punkten beziehungsweise nicht zu punkten. Leider verzettelt man sich dann im nachfolgenden „To Hell And Back“ ein wenig zu sehr im Power Metal-Bereich. Selbst im achten Durchlauf  will sich das Gedächtniszentrum nicht stimulieren lassen. Im Mittelteil gibt es einen kleinen, von Blind Guardian angehauchten Sangeswettstreit, der zwar seine Reize hat, im Gesamtkunstwerk allerdings nicht wirklich viel auszumachen vermag.

Den großen Abschluss soll dann „Lost Melody“ generieren. Leider gerät der zugegebener Weise sehr abwechslungsreiche Song gerade in den Chorpassagen zum Rohrkrepierer, was schade ist, denn gerade der letzte Song sollte immer noch mal richtig krachen, damit man die CD nicht so schnell wieder aus dem Player holt. Geschickt, wie man den Gesang und die Drums dann vorzeitig ausblendet und nur die Gitarren übrig bleiben, welche dann aber leider auch im extrem lang gezogenen Fader in der Ferne verschwinden.

Fazit: Ein etwas durchwachsenes Produkt ist „Metal Service“ geworden. Es gibt Licht, aber auch einigen Schatten. Die Ansätze sind gelungen, zünden aber noch nicht so richtig. Manch ein Text sollte nicht zu häufig zu Tode wiederholt werden. Mit fast 56 Minuten bekommt der Metalfan allerdings richtig was um die Ohren, was leider nicht immer selbstverständlich ist. Da ich die Vorgängerveröffentlichungen nicht kenne, weiß ich nicht, in welche Richtung die Band geht, aber ich bin zumindest gespannt und interessiert. Also kein schlechtes Vorzeichen.

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