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Dragonforce: The Power Within

Gekonnt schnelles Power-Metal-Feuerwerk, wie man es von der Band kennt
Wertung: 8.5/10
Genre: Extreme Power Metal
Spielzeit: 50:23
Release: 24.04.2012
Label: Electric Generation Recordings

Wenn es eine Band in der Metalszene gibt, bei der sich die Geister scheiden, dann ist es die Multikulti-Extreme-Power-Metal-Fraktion Dragonforce aus London. Entweder man mag die exzessiv überladene Spielweise oder eben nicht. So stark wie die Meinungen an diesem zweischneidigen Schwert auseinander gehen, so sehr ist die Truppe in den letzten Jahren trotz des großen Erfolgs (oder gerade deshalb) Anlaufstelle für Hasstiraden und Spötteleien geworden, sowohl in der Presse als auch in der Community. Wenn einem der kitschige und zugegebenermaßen fidele Disney Metal zu bunt ist, ist das verständlich, aber wer der Band bloßes Imponiergehabe ohne Substanz vorwirft, hat wahrscheinlich gerade mal deren Guitar-Hero-Erfolgsschlager "Through The Fire And Flames" gehört und weiter nichts, denn die Band hat so einiges auf dem Kasten und steht nicht nur für sinnlos wirre Gitarrenduelle und ekstatisch hektische Power-Metal-Ergüsse auf 300 bpm zur Demonstration ihrer Fähigkeiten, sondern haben mehr im Repertoire.

Zugegeben, Tempo ist sicherlich eine Essenz der Songs, aber abgesehen davon sind Dragonforce nun einfach eine dieser Gruppen, in der einfach jedes einzelne Bandmitglied sein Instrument mit unglaublichem Talent beherrscht und dies natürlich auch gerne zur Schau stellt, seien es die beiden Gitarristen Herman Li und Sam Totman, Tiefsaitenschwinger Frédéric Leclercq oder der irrschnelle Drummer Dave Mackintosh.

Jedenfalls melden sich die Meister explosionsartiger Keyboard- und E-Gitarren-Orgien dato zurück mit ihrem bereits fünften Longplayer "The Power Within". Das Album ist zugleich das erste ohne Frontmann ZP Theart, der durch den neuen Sänger Marc Hudson ersetzt wird, und das erste, das unter dem neuen Label Electric Generation Recordings erscheint, welches die Band eigens ins Leben gerufen hat. "Durch den Einstieg von Marc beginnt eine spannende neue Ära für Dragonforce", erklärt Gitarrist Herman Li, "daher hielten wir es für den idealen Zeitpunkt, die vollständige Kontrolle über unser Schicksal zu übernehmen und unser eigenes Record Label für Europa zu gründen. Es gilt alle Mann an Deck bei dem Unternehmen, aber wir sind begeistert!" Zur Trennung von ZP Theart äußerte er sich außerdem wie folgt: "Das lag an unüberbrückbaren musikalischen Meinungsverschiedenheiten, aber der Rest der Band wünscht ZP aufrichtig großen Erfolg für seine zukünftigen Projekte."

Nun aber zum eigentlichen Album. Kaum zwei Minuten eingelegt und die ersten bombastischen Kitsch-Ausbrüche überstanden, rauschen schon die stets vertrauten Worte "...Carry On" durch die Boxen. Und diese dürften stellvertretend für das gesamte Album wirken, denn hier ist alles beim alten geblieben. Dragonforce kommen immernoch mit rasanten Power Metal Arrangements daher, mit aller technischen Finesse, pfeilschnellen Gitarrenläufen und virtuosen Spielereien wie man es von der Truppe erwartet, und bieten sogar den schnellsten Song der Bandkarriere auf. Tracks wie die beiden ersten Stücke "Holding On" und "Fallen World" stehen für genau das, was die Band ausmacht: Power Metal auf Amphetamin mit genretypischen und eingängigen Refrains. Die Songs ähneln dabei aber glücklicherweise vielmehr dem Stil von "Valley Of The Damned" als den Experimenten noch auf "Ultra Beatdown". Dazu gesellt sich auch der starke Kracher "Heart Of The Storm", der dem Album zusammen mit den anderen Tempo-Feuerwerken den bandeigenen Trademark-Stempel aufdrückt. Auf der anderen Seite gibt es mit etwas ruhigeren Liedern wie "Cry Thunder" beispielsweise ein fulminantes Power-Spektakel mit glänzendem Refrain, bei dem die Geschwindigkeit stark gedrosselt wurde, genauso wie mit dem schönen Song "Seasons" oder dem durchtriebenen "Wings Of Liberty", welches zu Beginn an Power-Balladen wie "Starfire" erinnert. Jedenfalls beweisen die sechs Jungs, dass sie immer noch zu ihrer Sache stehen, ihr Werk beherrschen und auf ganzer Linie überzeugen können.

Der Ausstieg vom ehemaligen Frontmann ZP Theart ist natürlich nichts, das sich jemand erhofft hätte und der Sängerwechsel wird immer eine kontroverse Diskussion in der Fangemeinde bleiben. Wen wundert es, sobald der allgemeine Metalhead sich an etwas gewohnt hat, lehnt er jegliche Art von Veränderung strikt ab. Aber soviel sei gesagt: Der neue Sänger macht sein Werk gut, alle Töne sitzen, vor allem die hohen, und das ist ja die Hauptsache bei der Band. Allein innerhalb der ersten Minute auf dem Album haut er einen so epischen High-Pitch-Scream heraus, dass es einen glatt vom Hocker haut. Allerdings muss man ZP Theart hoch anrechnen, dass er eine Menge Power in seine Stimme einbringen konnte, bei dem neuen Sänger fehlt da ein wenig der Druck und die Energie hinter dem ganzen. Jedenfalls schafft er es, sich erfolgreich in die Band einzubringen, und die Chemie scheint auch zu stimmen. Wer einen Eindruck haben möchte, stelle sich in etwa eine Mischung aus dem ehemaligen Frontmann ZP Theart und dem Hammerfall-Sänger Joacim Cans vor. Und all den Skeptikern, die befürchten, dass ein neuer Mann am Mikro das ganze Konzept der Band durcheinander bringen würde und eine Welt unterginge, sei gesagt: Es ist immer noch Dragonforce, nichts wurde am Erfolgsrezept geändert und sogar das Artwork ist so Dragonforce wie eh und je. Also kein Grund zu Beunruhigung, der Stil wird fortgeführt, stets mit einer gehörigen Portion Kitsch in rasanter Geschwindigkeit, Power-Metal-Lyrics, die klischeehafter nicht hätten sein können und wie gewohnt unzähligen Mengen an "carry on"s und "so far away"s.

Wer hier also etwas komplett neuartiges von der Band erwartet, ist schiefgewickelt. Die ultraschnelle Power-Metal-Fraktion bleibt sich treu und beglückt die Fangemeinde erneut mit einem gelungenen Album. Die Experimente von "Ultra Beatdown" sind Geschichte und es wird sich wieder ganz auf pfeilschnellen Power Metal konzentriert, dazu noch mit einer dicken Produktion versehen und ab geht die Post. Mit den Worten "We still carry on" aus dem zweiten Song hätte man es gar nicht besser beschreiben können. Toll ist auch, dass eine Akustikversion von "Seasons" dazu gepackt wurde, da das ein wirklich sehr schöner Song geworden ist und gerade in den akustischen Klängen sehr warm und bewegend rüberkommt und nach über 40 Minuten geballter Power-Metal-Ekstase und gefühlten 20.000 Gitarrennoten einen gelungenen ruhigen Ausklang darstellt. Wer vorher schon nichts mit der Band anfangen konnte, wird auch hier höchstwahrscheinlich keinen Gefallen daran finden, aber Fans werden "The Power Within" verschlingen - somit ein guter Start für den neuen Sänger sowie fürs eigene Record Label!

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