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Dragonforce: Inhuman Rampage

Purer Spaß am Heavy Metal
Wertung: 8.5/10
Genre: Speed Metal
Spielzeit: 56:9
Release: 13.01.2006
Label: Noise Records

Man liebt sie oder man hasst sie. So einfach oder so kompliziert verhält es sich mit Dragonforce. Wer schon mit dem Vorgänger nichts anfangen konnte, kann beruhigt bei seinem Musikdealer auf ein Reinhören verzichten. Allen Neugierigen kann ich versichern, dass sie hier eine Perle des Speed/Power Metals vor sich haben. Pfeilschnelle Gitarrenparts wechseln sich mit nicht minder schnellen Keyboardpassagen ab. Das alles natürlich untermauert von einer mehr als treibenden Rhythmusfraktion. Der ein oder andere Instrumentenneueinsteiger wird sich sicherlich fragen, ob er weiterüben sollte oder nicht. Sich das technische Können der einzelnen Bandmitglieder als Messlatte aufzuerlegen, wäre wohl ein mehr als großer Ansporn. 

Trotz aller Technik und Geschwindigkeit hat man es bei Dragonforce nicht mit selbstverliebten Musikern zutun. Im Vordergrund steht immer der Song und eine schlüssige Songstruktur. Sicherlich, der Großteil der acht enthaltenen Tracks überschreitet locker die 5 oder 6 Minuten-Marke. Doch mit einem glücklichen Händchen in Sachen Arrangement rettet sich hier kein Song über die Ziellinie. Ganz im Gegenteil. 

Auch wenn das ein oder andere Instrument seinen Solopart erhält, wirkt nichts verfahren und überladen. Wie hier Melodie mit hohem Tempo gepaart wird, sucht derzeit in der Metallandschaft seinesgleichen. Über allem schwebt der klare Gesang von ZP Theart. Nicht weinerlich und theatralisch, sondern kraftvoll und stimmig. Ab und an erinnern mich Passagen des Gesangs an James LaBrie von Dream Theater. Dann wiederum erblickt mein Piratenfernrohr Running Wild als Vocal-Pate. Das spricht für hohe Qualität. Textlich, wen wunderts, wird ge"power"t, ge"battle"t, mit "steel" gekämpft, "warriors" werfen sich in den "fight" usw. Die Vollbedienung also ohne große dichterische Ansätze. Aber will das einer bei so einer Mucke? Ich weiß es nicht. 

Die Platte wird eröffnet mit "Through The Fire And Flames". Nach einem kurzen verhaltenen Intro startet auch gleich der Metal-ICE. Sehr starke Gesangslinien, angereicht mit einem Chor hier und da, treffen auf technische Finessen in Form von schnell gespielten Solopassagen oder technischen Spielereien (schnelle Wechsel des Gitarrenvolumens von einer Box zu anderen). Der Track verkörpert meiner Ansicht nach die nachfolgenden Songs in ihrer Gesamtheit und enthält alle Stärken der Band. Für mich jetzt schon ein extrem heller Lichtblick. "Revolution Deathsquad" kann sich der nächste Song als Name auf die Fahne schreiben. Hier kreist der Geschwindigkeitshammer oder mit anderen Worten: freie Fahrt für den ICE. Schön ist hier auch auszumachen, dass sich der Keyboarder bei den Refrains artig zusammenreißt und nur einen Klangteppich unter die Starke Gesangslinie legt. So kommt diese noch knackiger. Bei einzelnen Keyboardpassagen fühle ich mich dann irgendwie an Marilyn Manson-Songs erinnert, bezogen auf die verwendeten Sounds. Bei diesem Song nimmt man auch die hier und da als Backingvocals eingetreuten Black Metal-Gesänge war. Klingt wirklich stimmig, alle Achtung. In "Storming The Burning Fields" wird es dann das erste Mal progressiv. Parallelen zu Tool und Dream Theater kommen mir da in den Sinn. Natürlich nicht so ausufernd wie bei den beiden genannten Bands, doch von der Art her. Die folgende "Operation Ground And Pound" ist gelungen und mutiert zu einem weiteren Highlight des Albums. Der ICE düst vorbei und bringt in seinem Schlepptau Gesangslinien mit, die im Refrain eher an Hardrock ala Bon Jovi erinnern als an Heavy Metal. Aber wir alle wissen ja: die Grenzen sind minimal. Die Mitte des Tracks präsentiert sich dann eher ungewöhnlich verhalten. Aber genau dieses Unvorhergesehene macht den Song aus. 

Bei "Body Breakdown" bremst sich dann meine Euphorie etwas aus. Mittelmäßiger Song mit zuviel progressiven Anteilen. Wirkt irgendwie ermüdend beim Zuhören. Dafür wird bei "Cry For Eternity" und "The Flame Of Youth" noch mal ordentlich Gas gegeben. Da sitzt jedes Riff wie der Allerwerteste auf dem Eimer und der Schlagzeuger trommelt sich Richtung Nutzung seiner Ersatzfelle durch. 

Und hol’s der Teufel - da habe ich doch vorschnell die Rechnung ohne den Balladenwirt gemacht. Man kann sich streiten, ob "Trail Of Broken Heart" den Silberling abrundet oder eher störend wirkt. Ich kann mich weder für das eine noch das andere entscheiden. Sicherlich ist es auf der einen Seite kein schlechter Song. Auf der anderen Seite aber auch wieder eine typische Powerballade. Gefühlvoller Gesang, Pianoklänge usw. usw. Vielleicht wäre der Track in der Mitte der Scheibe zum Luftholen besser platziert gewesen als am Ende. So muss man wieder 6 Minuten zurückdenken, um die Scheibe als Geschwindigkeitsrausch in Erinnerung zu behalten. 

Einen halben Punkt Abzug gibt es auch für den stellenweise klinischen Sound. Schade drum, doch in mehreren Interviews der Band war zu lesen, dass ihnen genau dieser Sound vorschwebte. Doch was soll’s. Schaut euch die Fotos der einzelnen Bandmembers im Booklet der CD an und ihr wisst um den Fokus dieser Scheibe: purer Spaß am Heavy Metal. Und das vom ersten Takt bis zur letzten Note. 

Darum sage ich: Hammerfall sind euch zu langsam und zu berechenbar? Helloween haben qualitativ in euren Augen schon lange nichts mehr zu sagen? Dann raus das Ersparte und über den Tisch damit. Eure Ohren werden es euch danken.

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