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Dragged Into Sunlight: Hatred For Mankind

Die misanthropische Antwort auf Lifelover
Wertung: 8/10
Genre: Blackened Sludge, Doom Metal, Death Metal
Spielzeit: 50:54
Release: 18.10.2010
Label: Prosthetic Records

Ein bisschen erinnern Dragged Into Sunlight an die depressiven Schweden von Lifelover. Die echten Namen der Bandmitglieder werden nicht preisgegeben und auch die Gesichter hinter ominösen Masken versteckt; zusätzlich spielen Sänger T, Drummer J, Gitarrist A und Bassist C in nahezu völliger Dunkelheit und geheimnisvollen Rauchschwaden ihre Livegigs – mysteriös? - Aber hallo! Auch für konventionelle Songstrukturen haben die Engländer ebenso wie ihre Kollegen aus dem Norden wenig übrig. Vielleicht sind sie deswegen die erste britische Band, die einem Platz bei Prosthetic Records finden konnte, wo sich so illustre Gesellen wie Through The Eyes Of The Dead oder Clinging To The Trees Of A Forest Fire tummeln.

Seit 2006 zeigen die Vier der Welt grimmig den Mittelfinger, 2009 kam dann die erste EP „Terminal Aggressor“ heraus (die übrigens aus nur einem Lied gleichen Namens mit fast zwanzig Minuten Spielzeit bestand), gefolgt vom ersten und bisher einzigen Album „Hatred For Mankind“, das über Mordgrimm Records herausgebracht wurde und nun via Prosthetic re-released wird. Die Aufmachung, minimalistisch, aber wirkungsvoll in schwarz, weiß und grau gehalten, lässt einen in etwa die Musikrichtung erahnen: Hier erwartet den Hörer eine düstere Mischung aus schwarzgefärbtem Sludge, Death und ein wenig Doom – eine Kombination, die einen bei längerem Hören ziemlich runter zieht. Da stehen schwer zu verdauende, schleppend beginnende Hassattacken wie der Opener „Boiled Angel“ neben dem fast zwölf Minuten langen „I, Aurora“, bei dem man nachher gar nicht mehr weiß, ob man ehrfurchtsvoll niederknien oder sich gleich die Pulsadern aufschneiden soll.

Überhaupt sollte man Genres wie Depressive Suicide Black Metal nicht abgeneigt sein, wenn man sich „Hatred For Mankind“ zu Gemüte führt. Zwar startet der erwähnte Opener noch eher schwarzmetallisch mit ordentlichem Gegrunze und bedrohlich anmutenden Gitarren, aber im Laufe der Platte schafft es die Band, einen immer wieder ein bisschen mit in die Dunkelheit zu ziehen, die sie auf ihrem Album so konsequent vertonen. Da haben sogar dissonante Gitarreneinsprengsel, kombiniert mit eingespielten Filmzitaten ihre Daseinsberechtigung neben Doom-Riffs.

„Buried With Leeches“ schraubt das Hasslevel eine ganze Spur nach oben, entpuppt sich das Stück doch als waschechter Black-Metal-Song mit rasantem Gitarrenlauf und unmenschlichen Pig Squeals. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen beherrschen die Vier es übrigens ziemlich gut, das Tempo zu drosseln – gegen Ende des Songs versinkt man in doomig angeschlagenen Gitarrensaiten, bevor die Drums erst langsam wieder einsetzen, nur um dann einem erneuten Aufbäumen des Songs Platz zu machen. Schön ist es, wenn knapp sieben Minuten so genutzt werden, statt sie mit unsinnigen Tempowechseln zu verschwenden.

Richtig großartig wird es dann bei dem mit nicht einmal drei Minuten mit Abstand kürzesten Song „To Hieron“, bei dem DIS ganz plakativ die bekannteste Serienkillerin der Welt, Aileen Wuornos, mit dem wunderbaren Satz zitieren: „You're an inhumane bunch of fucking living bastards and bitches and you're gonna get your asses nuked in the end.“ Wenn das nicht charmant rüberkommt!

„Lashed To The Grinder And Stoned To Death“ scheint gar nicht richtig starten zu wollen: Knapp zwei Minuten lang doomen Gitarre und Bass so vor sich hin, bis T mit fiesem Gekrächze die Stimmung „auflockert“. Der Mann kann was, keine Frage – das hört man, obwohl der Gesang, wie bei vielen Bands dieses Genres, etwas in den Hintergrund gemischt wurde. Als der Song dann schneller wird, scheint das Schlagzeug irgendwie nicht so richtig nachzukommen, aber glücklicherweise pendelt sich der Track recht schnell auf Schwarzmetall-Niveau ein – inklusive herrlich beängstigender Gitarrenspur. Im Verlauf werden die Vocals schön variiert, mal gibt es endlos tiefe Growls, mal Pig Squeals, mal aggressives Rufen – eine gelungene Abwechslung zu Death/Doom-Vokalisten, die sich eine halbe Stunde lang die Eier weggrunzen.

Ob es nun taktisch klug war, zwei Epen direkt hintereinander auf der Platte zu postieren, ist eine Frage, die sich schwer beantworten lässt – glücklicherweise kann man „I, Aurora“ aber noch einigermaßen folgen, auch wenn man sich vorher „Lashed To The Grinder…“ reingezogen hat. Dabei ziehen die Herren hier von Anfang an ganz ordentlich vom Leder, fast ein bisschen thrashig kommen die Gitarren daher, aber spätestens beim Gesang gibt es den passenden Death-Anteil. Apropos Gesang: Zum ersten Mal darf man sich hier auch an choral anmutendem, klarem Hintergrundgesang ergötzen. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, einer schwarzen Messe in den norwegischen Wäldern beizuwohnen – brilliant!

Fazit: Dragged Into Sunlight sind eine Band, die man als Death-/Doom- beziehungsweise Sludge-Fan auf dem Radar behalten sollte. Nicht nur, dass hier mehr geboten wird als das übliche Geschredder und Gegrunze, man kann auch immer wieder Feinheiten in den Songs entdecken, die einem bei den ersten zig Durchläufen so gar nicht aufgefallen wären. Für Fans von Depressive Metal und Misanthropie ist „Hatred For Mankind“ sicherlich eine gute Kaufempfehlung.

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