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Dracul: Follow me

In neue Gefilde vorgewagt
Wertung: 7/10
Genre: EBM
Spielzeit: 60:47
Release: 20.01.2003
Label: Indigo

Das Projekt Dracul stellt das rein elektronische (EBM) Nebenprojekt der von Umbra et Imago bekannten Musiker und Köpfe Mozart und Lutz Demmler dar. Bei Dracul wird - wie der Bandname schon verrät - mehr auf mystische und vampirale Themen gesetzt, als dies z.B. beim rockigen und „körperbetonten“ Hauptprojekt Umbra et Imago der Fall ist. Erstmals erblickte das erste Dracul Album mit dem Titel “Die Hand Gottes“ im Jahre 1994 das Licht der Welt und konnte sich auf Grund seiner sehr eigenen Symbiose aus sperriger „Electric Avantgarde“ und kalt-atmosphärischer Klangwelten voller Vampirerotik, Lust, Leid und Unsterblichkeit in der Dark Elektro Szene einschlagen wie eine Bombe. Unvergessen bleiben hierbei Club Klassiker wie das treibende und leicht lateinamerikanisch angehauchte “Queen of the night“ und die Pathos-lastige Hymne “Dracul“.

Danach wurde es wieder Still um Dracul, bis dann klammheimlich im Jahre 1999 das zweite Album “Speichel Und Blut“ in den Regalen stand. Jenes Album war um einiges reifer ausgefallen, was die Textinhalte und deren musikalische Umsetzung betraf. Zusätzlich präsentierte sich die Band nun deutlich pathetischer und zielgerichteter was die Sagen und Geschichten rund um das Thema „Vampire und Dracula“ betraf. Insgesamt sehr düster und nihilistisch kamen so solche Perlen zum Vorschein, wie z.B. der recht blutige Titeltrack “Speichel Und Blut“, das zynisch-humoristische “Tanzen“ und letztendlich auch die beiden sehr nachdenklichen und gefühlintensiven Balladen “Die große Leere“ und “Angie“ (wobei es gerade im letzteren Titel sehr rührend um einen weiblichen Fan der Band geht, der auf Grund sexuellen Missbrauchs in der Jugendzeit nie wirklich lernen konnte, was es heißt, zu lieben und sich einfach mal auf gefühlsmäßiger Ebene völlig frei fallenlassen zu können).

Nun, im Frühjahr 2003 war es wieder an der Zeit, der Öffentlichkeit einen neuen Dracul Output zu präsentieren. Der Titel: “Follow me“... eine Einladung, die wir natürlich auch gerne und sofort annehmen: Um gleich mal auf einen Unterschied des Albums im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern zu kommen, ist die Tatsache, dass nun nicht mehr lediglich „vampirische Themen“ das Albumkonzept dominieren! Eher ist es so, dass bei den insgesamt 11 Tracks des Albums jenes Thema ziemlich nach hinten gedrängt wurde man sich stattdessen vielen, rein „irdischen“ Themen widmete (u.a. Politik und technischer Fortschritt/Internet), die in dieser Form auch nicht unbedingt zum Hauptprojekt Umbra et Imago gepasst hätten.

Noch eine Neuerung ist, dass Mozart sich für dieses Werk gehörig Verstärkung in Form von Gastmusikern ins Studio holte, die ihn und seine Ideen besser unterstützten sollten, um so die perfekte, musikalische Umsetzung zu erreichen. Unter jenen illusteren Gästen befinden sich in diesem Fall: Marcus Testory (Chamber), Oswald Henke (Goethes Erben), Felix (Crematory), Ernst Horn (Deine Lakaien), ASP, Karo, Martina und Marion... Somit also wahrlich eine ziemlich krude und vielfältige Mischung, die m.u. auch hervorragende Ergebnisse an den Tag (bzw. die Nacht *smile*) legen konnte.

Der Opener “Follow Me“ weiß sogleich mit seinen harten und treiben elektronischen Rhythmen zu begeistern, welche von Mozarts recht aggressivem Gesang untermalt werden, und einigen aus “Bram Stoker´s Dracula“ bekannten Sprach-Samples. Somit also gleich der passende Einstieg in die Welt Dracul´s, die aber schon im nächsten Lied thematisch komplett „gebrochen“ wird: “Der Garten“ erweist sich als die wohl bisher trashigste Elektronummer aus dem Hause Dracul. Es ist aber auch wirklich ein aberwitziges Experiment gewesen, Felix’ bekannten Keifgesang (von Crematory) mit harten Elektro- und Technobeats zu untermauern und ihn dann auch noch einen Text singen zu lassen, der fast schon jenseits des Ernstzunehmenden liegt („Geh jetzt nach Haus und zieh dich langsam aus. Dann bau dir eine Welt, wie sie dir gefällt...“) Nein, mit Vampiren und Dracula hat dieser Song wahrlich nichts zu tun! Es geht eher um das eigene Seelenheil und Courage. Wäre nur schön gewesen, dies musikalisch und textlich insgesamt besser umgesetzt zu wissen.

Eine positive Überraschung ist allerdings die melodiöse Vertonung des “Erlkönigs“ von Johann Wolfang v. Goethe geworden: Ein Duett, welches Oswald Henke (Goethes Erben) und Mozart gekonnt intoniert haben und welches auch für berechtigte Gänsehaut sorgt. Ein weiteres Highlight des Album ist die rein von Martina & Marion gesungene Ballade “Ein Sommerlied“. Hierbei hat man es kompositionstechnisch sehr geschickt verstanden, die hellen und klaren Stimmen der beiden Sängerinnen mit einem sanften Melodienbogen zu umweben, dass es einem sehr leicht fällt, sich in dieser traurigen, nach Sehnsucht und Liebe schreienden Ballade zu verlieren. Ein Traum, und wohl sicherlich einer der besten Dracul Songs aller Zeiten! Direkt im Anschluss folgt wiederum eine sehr ruhige und besinnliche Ode an das “Leben“: Dieses Mal aber rein von Mozart gesungen, begeben wir uns hier auf eine Reise durch die Zeiten unserer einzelnen Lebensabschnitte, um letztlich mit der Gewissheit zurückzukehren, das alles und jeder seinen Sinn und Platz im Leben hat. Man müsse lediglich lernen, richtig nach ihm zu suchen und sich dabei nicht entmutigen zu lassen (produziert wurde “Leben“ übrigens von Deine Lakaien Komponist Ernst Horn).

In dem Titel “Macht“ geht es um Manipulation der Menschen durch korrupte und selbstherrliche Politiker. Ein recht hartes (und im Grunde nicht mal schlechtes) Elektrostück, das aber ebenso wenig in das Gesamtmanifest des Albums passen will, wie das gesungene Duett Mozarts mit ASP namens “Gothic Blues“: Jenes ist mal wieder Pathos und Klischee in Reinkultur, gemixt mit leichten (textlichen) Anleihen an den Blues („das ist der Gothic Blues, den ich haben will“). Im Grunde genommen ein Stück, das man nicht wirklich allzu ernst nehmen sollte, da es sich doch letztendlich selbst am wenigsten ernst nimmt.

“Netzwerk“ kritisiert das virtuelle Leben im Cyberspace und ist somit nun endgültig thematisch aus dem Kosmos der Vampire entrückt. Eine nette, aber doch eher belanglose Nummer, aus der man evtl. aber mehr hätte machen können. Mit den melodiös recht raffinierten und treibenden Stücken “Weck Das Tier“ und “Knochenball“ (in welchem wir auch Anleihen aus dem bekannten “Wiener Opernball“ wiederfinden), kommen wir zumindest der thematischen Zunft der „untoten Lebewesen“ wieder etwas näher. Den Abschluss des Albums bildet ein neuer Remix zum bereits bekannten Titel “Zum Lobe Des Herrn“ (erschienen seinerzeit 1999 auf “Speichel und Blut“). Jener wirkt in dieser Neuform allerdings weit weniger authentisch und markant als das Original. Zu glatt und zu sehr auf Tanzbarkeit ausgerichtet läutet er letztendlich auch das Ende von “Follow me“ ein.

Fazit: Dracul haben sich thematisch mit diesem Album in neue Gefilde vorgewagt, die zum großen Teil nicht einmal schlecht sind. Allerdings fehlt fast komplett die bekannte und beunruhigend-düstere Note der beiden Vorgängeralben, womit sich das Album auf mehreren Ebenen umher treibt, aber sich nirgendwo so richtig zu Hause fühlt. „Viele Köche verderben bekanntlich den Brei“, wie es doch so schön heißt. Aber nicht, dass jenes Album nun schlecht wäre. Nein, das ist es im Grunde wirklich nicht! Aber einfach ein bisschen zu unausgewogen in seinen Inhalten...

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