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Dr. Living Dead!: Dr. Living Dead!

Schwitzig, frech und impulsiv, wie eine Thrash-Scheibe einfach sein muss
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 36:51
Release: 14.10.2011
Label: High Roller Records

Seien wir doch ehrlich: Die seit Jahren anhaltende Wiederbelebung der Thrash-Szene spült nicht nur reichlich Talente an die Oberfläche, sondern auch so manchen Schrott. Zum Glück sind Dr. Living Dead da die positive Ausnahme, die vielleicht nicht übermäßig mit eigenen Ideen punkten kann, aber dabei so dermaßen frisch von der Leber zum Aufwärtshaken ansetzt, dass dem Thrash-Fan einfach nur schwindelig werden kann. High Roller Records haben auf der Jagd nach richtigen Underground-Perlen nun wieder zugeschlagen und sich die Stockholmer gesichert – offensichtlich scheinen die schwedischen Thrasher der dortigen Death-Szene den Rang abzulaufen (siehe auch die aktuelle Antichrist-Platte auf demselben Label).

Kurz zur Band: Dr. Living Dead haben sich 2007 gegründet, noch im selben Jahr veröffentlichten sie ihr Debut-Demo „Thrash After Death“, ein Jahr später standen sie dann schon mit Numero zwei „Thrashing The Law“ in den Startlöchern. Jeweils drei Tracks der Demos sind nun auch auf dem Full-Length-Debut „Dr. Living Dead“ gelandet – und das ist auch gut so, denn sonst wären diese Thrash-Perlen an so manchem Fan vorbeigegangen.

16 Songs in fast 37 Minuten – mehr Fingerzeig braucht es kaum um zu erkennen, dass sich die Truppe nicht gerade mit Firlefanz aufhält. Das Intro zu „World War Nine“ (vom ersten Demo) kommt noch stilgerecht mit Hubschrauberlärm und Kriegsgeballer daher, doch kurz darauf schreddern schon die ersten Riffs durch das Schlachtgetümmel, brutal groovend, teilweise entfesselt, bevor sie bei „Slime From Above“ den zehnten Gang des Panzers einlegen und alles in Grund und Boden schreddern – ein Schrei in bester „Angel Of Death“-Tradition, ein Thrashbrett mit einem fetten Mix aus dem Besten von den Suicidal Tendencies, Nuclear Assault, M.O.D. und auch D.R.I. – unglaublich intensiv brettern die Jungs, was das Zeug hält. Fronter Ape hört sich manchmal so unfassbar nach Mike Muir an, dass er auch einige Passagen auf der „Lights, Camera, Revolution“ und Co. hätte einsingen können.

Dr. Living Dead verzichten in ihren fast durchweg Zwei-Minuten-Eruptionen auf Gitarrensoli, sie konzentrieren sich lieber auf kurzweilige Riff-Orgien, hoppeln wie ein Karninchenfick von Track zu Track, und vor allem die sehr saubere und transparente Produktion bringt das Material auf den Punkt – mit der „Fuck you! – Wir machen nur was wir mögen“-Einstellung können sie aktuell wohl locker mit Gama Bomb mithalten. Sie erheben gar nicht erst den Anspruch, so einmalig neu zu sein – man lausche da nur „Dead End Life“, da friss mit doch einer den berühmten Besen, wenn nicht „I Saw Your Mommy…“ von den suizidalen Tendenzen mehr als Pate gestanden hat, und vielleicht ist ja „Feeding The Cyco“ gerade ein Tribut an eben jene Band, die wohl mehr als einmal bei der Schweden-Boy-Group auf dem Plattenteller lag.

Eine neue Sensation aus Schweden, die mit einem frechen Thrash/Crossover-Gewitter die Szene revolutioniert? Die Tour im kommenden Frühjahr wird zeigen, was Dr. Living Dead auf dem Kasten haben, mit dem selbst betitelten Debut allerdings haben sie ein Brett vorgelegt, was mehr Bohle als Leiste ist und mit Sicherheit in jede Thrash-Sammlung gehört, die den Anspruch auf Relevanz innehat. Ein bisschen Slayer, ganz viel Suicidal Tendencies (vor allem die Vocals), genauso gut auch M.O.D. und Nuclear Assault – alles frisch und unverbraucht, nicht neu und vakuumverpackt, sondern schwitzig, frech und impulsiv, wie eine Thrash-Scheibe einfach sein muss.

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