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Dornenreich: In Luft geritzt

Minimalistischer als je zuvor
Wertung: 6.5/10
Genre: Avantgarde
Spielzeit: 44:13
Release: 09.05.2008
Label: Prophecy Productions

Dornenreichs zweiter akustischer Streich „Durch den Traum“ war zwar keine Rückbesinnung auf schwarzmetallische Zeiten, aber immerhin ein Kompromiss – ein Kompromiss aus „Hexenwind“ und „Her von welken Nächten“. Er präsentierte sich zwar ziemlich unausgeglichen, ließ aber beim einen oder anderen Hörer Hoffnungen aufkeimen. Der Auftritt beim Summer Breeze Open Air 2007 setzte noch eins drauf: Eviga und Co. gaben eine Black Metal-Show zum Besten, die auf mehr hoffen ließ.

Nun ist „In Luft geritzt“ da – und wieder schaffen es Dornenreich, zu überraschen. Minimalistischer als je zuvor besteht das komplette Album nur aus dem Zusammenspiel von Gitarre, Geige und Schellenkranz. Auch Evigas Stimme ist noch ein Stück weiter in den Hintergrund gerückt. Hier mal ein gehauchtes Wort, da mal ein zurückhaltender Schrei oder geflüsterter Satzfetzen; viel mehr gibt der lyrische Inhalt des Albums nicht her.

Aber eigentlich ist das bei Dornenreich auch gar nicht nötig, sollte man denken. Denn ähnlich wie bei bisherigen Alben spricht auch diesmal die Musik für sich. Die beiden Bandmitglieder holen aus ihren Instrumenten alles raus, was möglich ist: Mal schnell, mal langsam, mal ruhig, dann wieder aggressiv, aber jederzeit authentisch. Besonders viel Abwechslung kann dem Spiel der Geige zugesprochen werden. Ihr Spektrum reicht von der Vertonung gefühlvoller Melodien bis hin zum Mitspielen von kräftigen Gitarrenriffs – überpräsent zu jeder Zeit. So ziemlich jede Gefühlslage wird abgedeckt, so ziemlich jede Spielart ausprobiert.

Gerade die Laut/Leise-Dynamik, die das Album zu bieten hat, macht die Tracks um einiges interessanter. Doch auch wenn die Musiker ihr Bestes geben, ihr Schaffen so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, so ist der Spielraum von Eviga und Inve durch die Instrumentierung diesmal stark eingegrenzt. Die Einbringung von weiteren Elementen (es müssten nicht einmal verzerrte Gitarren oder Drums sein) wäre zwar über weite Strecken des Albums unpassend, würde aber deutlich mehr Variationen liefern können - und im Laufe der knapp 45 Minuten Spielzeit somit wohl auch für mehr Unterhaltung sorgen. Denn Nebenbei-Musik wollten Dornenreich bekanntlich nie liefern.

So sind es dann auch eher die schnelleren und eingängigeren Stücke, die wirklich überzeugen können. Der aufrüttelnde Opener „Drang“ macht seinem Namen alle Ehre und wird gerade von der sehr rhythmischen, teils die Gitarrenspur mitspielenden, Geige weiter nach vorne getrieben. Der darauf folgende Song „Unruhe“ steht für ein Manko, das einige weitere Tracks ebenfalls in sich vereinen: Eviga und Inve stecken all ihre Leidenschaft in den Song, bauen Spannung auf, lassen sie zerfließen, konstruieren sie neu und lassen anschließend alles in einem Refrain gipfeln. Hört sich gut an, tatsächlich droht das Konstrukt aber stellenweise ins Geplänkel abzugleiten, während der Refrain die aufgebauten Spannungen gleichermaßen nicht vollständig abbauen kann.

In anderen Fällen klappt ebendies allerdings ganz vorzüglich: Der Track „Aufbruch“ beispielsweise ist aufgrund mehrerer Faktoren einer der Highlights der Platte. Der flotte Refrain harmoniert wunderbar mit den ruhigen, spannungssteigernden Zwischenparts und legt eine Lebendigkeit an den Tag, die manch anderem Song gut tun würde, bevor das Ende des Tracks dann leider wieder ins Ungreifbare abgleitet und abschließende Höhen vermissen lässt.

Weitere Songs decken immer neue Facetten auf. Mit dem bisherigen Schaffen Dornenreichs hat „In Luft geritzt“ zwar nicht mehr viel zu tun, doch ist die Formation auch diesmal in jedem Track wiederzuerkennen - wenn auch weniger laut und weniger reißerisch.

Der Großteil der geäußerten Kritik stützt sich wohl vor allem auf die Folgen der minimalistischen Instrumentierung. So viel Können und Kreativität auch in die Tracks investiert wurden: Spätestens nach dem Durchlauf der ersten paar Tracks fehlt etwas – etwas, das neue Facetten liefert, neue Klangfarben mit sich bringt und so die Einzigartigkeit der restlichen Tracks betont. Haben mich Dornenreich mit ihren bisherigen Alben – egal ob schwarzmetallischer oder akustischer Natur – immer für sich gewinnen können, ist „In Luft geritzt“ ihr erstes Album, das mich leider nicht vollends zu überzeugen weiß.

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