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Dornenreich: Hexenwind

Dornenreich im neuen Gewand
Wertung: 9/10
Genre: Avantgarde
Spielzeit: 42:59
Release: 18.11.2005
Label: Prophecy Productions

„Ich maße es mir nicht an, über solch ein Meisterwerk zu urteilen. Das ist einfach zu perfekt!“, lautete das Statement von einem der Redakteure, als es um die interne Verteilung der CDs und die Frage, wer Dornenreichs neue CD „Hexenwind“ rezensiert, ging. Bisher schrieb man der Band Black Metal, gespickt mit ruhigeren, musikalisch anspruchsvollen Passagen zu, welche von großer komponistischer Fähigkeit zeugen. Drei Alben blieben die Österreicher dieser Linie treu und als im Laufe der letzten Jahre das Gerücht herumging, es solle ein neues Projekt mit Namen „Hexenwind“ geben, welches sich den Ursprüngen des Black Metal widme, sprach auch nichts dafür, diesen roten Faden zu verlieren. Im Gegenteil!

So kann man sich irren. Beim Hören des neuen Tonträgers „Hexenwind“ wird schnell klar, dass schwarzmetallische Double-Bass-Attacken und Gekreische auf sich warten lassen. Man hat sich hier auf seine ruhige Seite spezialisiert. „‚Hexenwind’ ist beseelt von Naturmystik und getragen von archaischer Sehnsucht.“, beschreibt Eviga, einer der beiden Musiker hinter Dornenreich, das Album. Das heißt nicht, dass die Stromgitarren völlig aus dem Programm genommen wurden, vielmehr unterlegen sie hintergründig die Tracks, die insgesamt von akustischen Instrumenten dominiert werden. Die Texte sind gewohnt poetisch, jedoch weitaus knapper ausgefallen.

Im Intro „Von der Quelle“ ist noch nichts von der Wandlung zu bemerken. Ruhige Klavierklänge, ein stets vorhandener Wind im Hintergrund und leises Flüstern liefern die Einleitung des fünf Tracks umfassenden Albums. Plötzlich erhebt sich die Stimme und das gleichmäßige Schlagzeug setzt ein. „Der Hexe flammend’ Blick“ ist mit einer Länge von fast 12 Minuten das kürzeste der drei „richtigen“ Lieder. Das eben angesprochene Intro und den Song „Aus längst verhalltem Lied“, welcher nur mit einer akustischen Gitarre und dem allgegenwärtigen (Hexen-)Wind gestaltet wurde und eine Länge von etwas über 4 Minuten aufweist, lasse ich dabei außen vor. Der Gesang setzt sich aus dem betörenden Flüstern und warmen, melodischen Vocals zusammen, die sich nicht nur perfekt ergänzen, sondern auch noch ein paar wenigen leisen Schreien im Hintergrund Platz lassen. Diese im Normalfall sehr anstrengende Länge, ist hier kaum zu bemerken. Von der ersten Sekunde an wird dem Hörer ein vertrautes Gefühl vermittelt und die immer wiederkehrenden Hauptthemen helfen dem Song, sofort ins Ohr zu gehen und nicht zu komplex und ermüdend zu wirken. Die Songs fließen glatt, aber äußerst eingehend und in sich stimmig vor sich hin. Etwas schneller gestaltet sich „Der Hexe nächtlich’ Ritt“. Es handelt sich bei „Der Hexe flammend’ Blick“ und diesem um zwei separate Songs, doch eine innere Verbindung ist durchaus zu bemerken. Besonders angenehm anzuhören ist die Kirchenorgel, die im Laufe des Songs einsetzt und ein Gitarrensolo gegen Ende des Stückes. Wie auch in den anderen Tracks bleibt das Tempo durchgehend auf gleichem Niveau. Der eben schon erwähnte gesanglose Song wirkt nun abwechselnd und entspannend, ehe sich die CD mit „Zu träumen wecke sich, wer kann“ dem Ende nähert. Ruhiger, nachdenklicher als bisher geht es hier voran, die E-Gitarren setzen erst spät ein. Auch hier ist die Symbiose aus Gesang und Stimmen perfekt.

Es ist sehr schwer, Worte zu finden, die die Atmosphäre, die von diesem Werk ausgeht, auch nur in geringster Weise beschreiben können. „’Hexenwind’ transportiert meinem Empfinden nach durchaus dieses spezielle Gefühl, ‚dem kein Wort folgen kann’, das mich am norwegischen Black Metal seit vielen Jahren fasziniert.“, beschreibt Eviga. Und wie recht er damit hat. Jeder Akkord, jeder Melodielauf, jedes kleinste Fragment ist genial auf die Klänge herum abgestimmt. Hier einen Song aus dem Gesamtbild herauszunehmen wäre unentschuldbar, ist es doch das Gesamtbild, das die Genialität und den Perfektionismus der zwei Bandmitglieder ausdrückt.

Mit „Hexenwind“ legen Dornenreich ein Album vor, welches sich mehr als sehen lassen kann. Die Musik ist anders als bisher, doch von einem Stilbruch zu sprechen, halte ich für unangebracht. In jedem Song erkannt man Dornenreich wieder, doch auf eine leisere, gedankenvollere Art und Weise. Die Platte bringt es auf eine Länge, knapp unter einer ¾ Stunde, welche den ein oder anderen Hörer vielleicht nicht befriedigen könnte. Doch rate ich zu bedenken, dass gerade bei einer Band wie Dornenreich wohl die Qualität Platz 1 der Prioritätsliste einnehmen sollte.

Wie es nun weitergeht? „An dem Punkt, an dem wir uns nun befinden, ist in der Tat vieles denkbar. An Ideen hat es uns jedenfalls noch nie gemangelt, allerdings ist im Moment noch nichts spruchreif.“, erzählt Eviga. Und gegen ein weiteres Meisterwerk dieser Klasse ist von meiner Seite aus nichts einzuwenden!

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