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Dornenreich: Flammentriebe

Das Feuer lodert noch immer
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 46:00
Release: 11.02.2011
Label: Prophecy Productions

Dornenreich – eine Band, die schon seit jeher für Wandelbarkeit und Unangepasstheit steht; nie glich ein Album dem anderen. Gerade bei den letzten Releases wählte Bandkopf Eviga außergewöhnliche Wege und entfernte sich immer weiter von den Black-Metal-Wurzeln des Projekts, bis zuletzt in „In Luft Geritzt“ nur auf Akustik-Gitarren und Violine vertraut wurde. Schon seit geraumer Zeit stand jedoch eine Ankündigung in der Luft, die bei vielen Fans der älteren Werke große Erwartungen weckte: Das neue Album „Flammentriebe“ sollte an die frühen Veröffentlichungen anknüpfen und wieder auf einem Metal-Fundament basieren – nicht selten fiel sogar der Titel des Meisterwerkes „Her Von Welken Nächten“, mit dem der neue Streich der Österreicher zu vergleichen sein sollte.

Wer befürchtet, die Band könnte ihr Wort nicht gehalten haben, kann beruhigt sein - „Flammentriebe“ ist tatsächlich ein Black-Metal-Album geworden und lässt deutlich den Einfluss von Alben wie „Bitter Ist's Dem Tod Zu Dienen“ oder eben dem besagten „Her Von Welken Nächten“ erkennen, doch die neuen Stücke schlichtweg als zweiten Teil von letztgenanntem abzustempeln, wäre in jeder Hinsicht ungerechtfertigt. Obwohl man das Album stilistisch fraglos näher neben den frühen Werken einordnen kann, finden sich Elemente aus sämtlichen Schaffensphasen wieder und fügen sich zu einem neuen Ganzen, das erneut einen komplett eigenständigen, musikalischen Mikrokosmos bildet, der doch unverkennbar nach Dornenreich klingt. Da gibt es Stellen, an denen die mystische, verträumte Stimmung von „Hexenwind“ und „Durch Den Traum“ aufblitzt und andere Sekunden, in denen die klagende Geige sich wie auf „In Luft Geritzt“ elegant mit der akustischen Gitarre vereint, doch auch die harten Riffs und verzweifelten Schreie, von denen „Her Von Welken Nächten“ geprägt war, bestimmen nun wieder das Klangbild.

Sobald man in „Flammenmensch“ (welcher übrigens im weiteren Verlaufe des Albums immer wieder auftaucht) mit unheimlichen Gitarrenklängen und Evigas leisem Flüstern empfangen wird, hat man augenblicklich das Gefühl, aus Versehen „Durch Den Traum“ aufgelegt zu haben – doch schon nach wenigen Sekunden wird die trügerische Ruhe von Doublebass und schwarzmetallischen Riffs durchbrochen, die von Evigas ungewohnt wuchtigem Gebrüll begleitet werden, das sich zwar stark von vergangenen Performances unterscheidet, aber ohne Frage zu den besten extremen Gesangsleistungen zählt, die man in diesem Genre jemals zu hören bekam. Auch die Texte, die der Mastermind so emotional intoniert, lassen sich guten Gewissens als eine Referenz im Bereich poetischer deutscher Lyrics in der Musik anführen, denn Eviga gelingt das seltene Kunststück, sich hochgestochen auszudrücken ohne dabei in in die Peinlichkeit abzurutschen. Die Geige, die das Album ansonsten so stark prägt, ist beim ersten Song noch im Hintergrund gehalten, doch schon beim nachfolgenden „Der Wunde Trieb“ ändert sich ihre Rolle und das Streichinstrument übernimmt häufig die Melodieführung, um dem finsteren Stück zusätzlichen Charakter zu geben.

Obwohl die Violine über die gesamte Spielzeit hinweg nur selten aus dem Klangbild weicht, wird ansonsten erstaunlich ruppig zu Werke gegangen – Eviga brüllt sich im wuchtigen Stück „Tief Im Wald“ die Seele aus dem Leib und in „In Allem Weben“ gibt es sogar einige Blastbeats zu hören, die sich mit gemäßigteren Passagen abwechseln. Generell ist man beim Songwriting dieses Mal nicht ganz so progressiv zu Werke gegangen wie bei „Hexenwind“ und „Durch Den Traum“, doch trotz ihrer kompakteren Länge sind die Songs noch immer recht komplex und halten unzählige Details bereit, die sich insbesondere in den gelungenen Wechseln zwischen ungebändigter Raserei und akustischen Versatzstücken äußern – im stampfenden „Wolfspuls“ beispielsweise werden die zu Anfang die Richtung bestimmenden Riffs, die ein wenig an „Her Von Welken Nächten“ erinnern, später von einer längeren instrumentalen Passage abgelöst, die den Fokus auf Atmosphäre und Melodie legt. Besondere Erwähnung verdient neben dem majestätischen „Wandel Geschehe“ fraglos noch „Erst Deine Träne Löscht Den Brand“ - das Album wird gänzlich ohne Evigas Vocals, der hier nur eine kurze Passage spricht, ausklingen gelassen; stattdessen wird über mehr als sieben Minuten hinweg eine melancholische Soundcollage aus akustischen Gitarren und Geigenklängen sowie einigen verzerrten Parts erschaffen, die möglicherweise einen Ausblick auf das, was nach „Flammentriebe“ kommen mag, gibt.

„Flammentriebe“ nimmt aus allen Alben der Band die herausragenden Merkmale und verschmilzt diese zu einer neuen Einheit, die sich mit keinem der vorherigen Werke vergleichen lässt und doch immer wieder Querverweise gibt. Auch in ihrem harten Gewand sind die Stücke noch so leidenschaftlich und authentisch wie „In Luft Geritzt“, ohne dass dabei jedoch der Black-Metal-Aspekt aufgesetzt wirkt. Nicht nur Anhänger der frühen Alben werden „Flammentriebe“ mit Begeisterung aufnehmen, sondern auch all jene, die die Band einfach für die Art und Weise, wie sie Musik erschaffen, schätzen, denn diese ist der Truppe über all die Jahre stets zueigen geblieben. Wenn dieses Werk tatsächlich wie angedeutet das letzte der Band mit Metal-Instrumentalisierung sein sollte, so kann man sich nur verneigen und Dornenreich Respekt dafür zollen, dass sie dieses Kapitel mit „Flammentriebe“ mehr als würdig abschließen.

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