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Dordeduh: Har

Neun Jahre nach dem Debüt endlich der Nachfolger
Wertung: 8/10
Genre: Black/Folk/Avantgarde Metal
Spielzeit: 61:30
Release: 14.05.2021
Label: Prophecy Productions

„Har“ ist eines jener Alben, die man schon seit Jahren erwartet: Mit „Dar De Duh“ hatten Dordeduh 2012 ein bärenstarkes Debüt vorgelegt und die Erwartungen mindestens erfüllt, wenn nicht gar übertroffen. Unüberbrückbare Differenzen hatten die Bandköpfe Hupogrammos und Sol Faur seinerzeit dazu veranlasst, Negură Bunget zu verlassen und ihre eigene Gruppe zu gründen, die den Spirit und die musikalische Ausrichtung ihrer vorigen Formation jedoch weiterführte, während Drummer Negru mit anderen Musikern unter dem Negură Bunget-Banner weitermachte.

Negrus überraschender und viel zu früher Tod Anfang 2017 mit nur 42 Jahren sorgte für das Aus der rumänischen Avantgarde-Institution – umso sehnlicher wünschte man sich nun einen Zweitling aus dem Hause Dordeduh. Neun Jahre später ist es also endlich soweit und noch vor dem ersten Hördurchlauf lässt zunächst einmal die Zusammenarbeit mit Jens Bogren, den man für Mix und Mastering verpflichte, aufhorchen. Selbstverständlich ist der Mann eine Ikone im Metalbereich, der bereits mit verschiedensten Künstlern kollaborierte, doch würde der naturbetonte, raue Sound der Rumänen möglicherweise nicht darunter leiden, gar zu clean tönen?

Wer sich „Har“ zum ersten Mal reinzieht und so wie der Verfasser dem Debüt in den Jahren zuvor dutzendfache Durchläufe schenkte, könnte wahrhaftig zunächst ein wenig enttäuscht sein. In der Tat ist der Sound deutlich cleaner und der folkloristische Anteil mehr in den Hintergrund gerückt, die irgendwie leicht naive Atmosphäre des Debüts nicht mehr in dieser Form präsent. Von der Struktur her ähneln sich beide Platten allerdings auffällig: Mit einem Longtrack wird begonnen, im weiteren Verlauf sind noch zwei andere Nummern von über zehn Minuten Länge enthalten und mit einem Outro wird die Scheibe beschlossen.

Ähnlich wie das auf „Dar De Duh“ eröffnende „Jind de tronuri“ beginnt auch „Timpul întâilor“ auf „Har“ mit einem atmosphärischen Intro, um einen dann recht unvermittelt mit Blastbeats zu überrollen und anschließend in eine Passage zu münden, die zunächst gelassener daherkommt, später jedoch erneut von schwarzmetallischer Raserei durchbrochen wird. Auch wenn zunächst der Gedanke vorherrscht, das Ganze sei für eine Band dieser Couleur zu sauber und quasi „zu gut“ produziert, revidiert sich diese Meinung mit jeder weiteren Session.

Im Endeffekt muss man zu dem Schluss gelangen, dass Dordeduh ihren Sound schlicht weiterentwickelt haben und es Bogren dabei sogar erstaunlich gut gelungen ist, die Essenz der Truppe trotzdem beizubehalten – stimmungsvolle Chöre, dezente, sorgsam platzierte Keyboards sowie Flöten- und Xylophon-Einschübe sorgen dafür, dass das Exotische nicht verloren geht. Es ist nur alles ein wenig subtiler ins Gesamtbild eingebettet – so wie die Flöten im erhaben-getragenen „În vieliștea uitării“ oder die Percussions im sich düster dahinwalzenden „Desferecat“.

Kompositorisch kann man sich ebenfalls nicht beschweren. Zu den Highlights gehören zweifellos das sehr eingängige „Descânt“, das man schon nach einem Durchlauf mitsingen kann und geradezu als einen kleinen Hit bezeichnen darf sowie die Miniepen „Vraci de nord“ und „De neam vergur“, die behutsam aufgebaut wurden, wobei vor allem letzteres mit wunderschönen Melodien betört und dabei erneut erstaunlich eingängig klingt. Hier ist die Liebe zum Detail greifbar, allerdings haben die Rumänen sich ja auch lange genug Zeit gelassen, um an ihren Kompositionen ausgiebig zu feilen.

Man macht also einen Schritt nach vorn, bleibt aber dennoch atmosphärisch und dem grundsätzlichen Stil treu. Trotz insgesamt etwas mehr Griffigkeit und einer Länge von rund einer Stunde (im Gegensatz zum fast 80-minütigen Erstling) muss man natürlich Geduld mitbringen, doch das dürfte wohl in jedem Fall vorher klar gewesen sein. Gleichwohl gilt: Auch wenn das Album mit jedem weiteren Durchlauf wächst, mehr Facetten offenbart und viel Tiefgang besitzt, ist der 2012er Rundling wegen der stärker vorhandenen Folk-Elemente, der noch zahlreicheren magischen, elegischen Momente und der trotz gelungener Bogren-Produktion dichteren Atmosphäre stärker einzuschätzen.

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