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District 97: Hybrid Child

Vielversprechendes Progrock-Debüt
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 55:10
Release: 24.09.2010
Label: The Laser's Edge Records/AL!VE

District 97 ist weltweit die einzige Progressive Rock-Band mit einer „American Idol“-Finalistin und einer Cellovirtuosin des Chicago Symphony Orchestra.“ Na, das ist doch eine Ansage! Wer an dieser Behauptung des Sextetts zweifelt, ist hiermit ausdrücklich eingeladen, Recherchen anzustellen. Ich nehme die Band einfach mal beim Wort und stelle erfreut fest, dass Castingshows offensichtlich doch zu mehr taugen, als Baumarkteröffnungen mit passender Musik zum Nachmittagskaffee zu versorgen. Für Leslie Hunt, die es bis in die Top 10 der Show schaffte, war „American Idol“ 2007 das Spungbrett ans Mikrofon der damals noch rein instrumental agierenden District 97 unter kreativer Führung von Schlagzeuger Jonathan Schang. Nachdem kurz darauf mit Katinka Kleijn auch noch besagte Cellistin eingestiegen war, zog man sich ins Studio zurück, um am Debütalbum „Hybrid Child“ zu werkeln.

Das ist nun fertig und wenn man sich so die Tracklist anschaut, weckt diese ganz klar Assoziationen zu Porcupine Trees „The Incident“: Die 14 Songs der Scheibe teilen sich ein in vier für sich stehende Titel und ein mehrteiliges, zusammenhängendes Epos namens „Mindscan“. Im Gegensatz zu Steven Wilsons Truppe hat man es jedoch trotz der Zweiteilung bei nur einer CD belassen.

Mit „I Don't Wanna Wait Another Day“ legen District 97 einen furiosen Start hin und stellen dabei besonders die beiden Aushängeschilder in den Vordergrund. Der Zusammenklang von Cello und Leslies Stimme ist ungewöhnlich, fügt sich aber hervorragend in das progressive Arrangement ein, das ansonsten von rumpelnden Gitarrenriffs, Keyboardläufen und jazzigen Akkordfolgen lebt. Ohne Frage ist es ein sehr eigener Sound, den die Band hier präsentiert: Einerseits komplex, andererseits ungeheuer melodisch und eingängig. Unter Missachtung aller Genregrenzen vermischt man Elemente aus Pop, Jazz, Rock, Metal und Klassik, ohne jeweils den roten Faden zu vernachlässigen.

Das eindeutige Highlight unter den ersten vier Tracks ist jedoch nicht der Opener, sondern „Termites“: Ein klaustrophobischer, gehetzter Track, der sich immer wieder neu bedrohlich entfaltet und seinen 7/8-Takt nicht nur als Prog-Gimmick einsetzt, sondern alles aus dem ganz eigenen Rhythmus herausholt. Die harmonische Komplexität und die atmosphärische Dichte der Komposition tun ihr Übriges. Den Beweis, dass Castingshowteilnehmer nicht nur schön singen sondern bei Bedarf auch fies schreien können, liefert Leslie auch gleich mit.

Anschließend wird es erst einmal für längere Zeit instrumental, denn die ersten drei „Mindscan“-Teile läuten den Mammuttrack „Mindscan“ ein. Auf Basis des Albumartworks und der Texte würde ich vermuten, dass dahinter eine Konzeptstory steckt, die etwas mit der Entführung einer Frau durch Außerirdische und der Geburt des titelgebenden „Hybrid Child“ zu tun zu haben scheint. Generell ist das 27-minütige Werk nett gemacht und verlässt sich auf die Trademarks der Band. An „Termites“ reicht das Epos zwar nur selten heran; ein paar nette Ideen hat man trotzdem unterbringen können.

Dazu zählt mit „Mindscan V: Examination“ auch ein Song, der eigentlich gar keiner ist, sondern eher eine Klangcollage aus Stimmengewirr, gespenstischem Geschnatter und beängstigenden Geräuschen wie dem eines Zahnarztbohrers. Ruft man sich dazu aber das mentale Bild des sterilen Innenlebens eines Raumschiffes und schnatternder Außerirdischer, die mit absonderlichen chirurgischen Instrumenten an der Entführten herumdoktorn, vor Augen, so kann man sich mit dem Track ganz hervorragend gruseln.

Ebenfalls gelungen ist der Ausklang des Albums, den man mit „Mindscan VIII: What Do They Want“, „Mindscan IX: When I Awake“ und „Mindscan X: Returning Home“ zuerst melodisch-eingängig, später dann mit effektvoll erzeugten atmosphärischen Klängen bestreitet. „When I Awake“ ist dann auch so etwas wie das späte Highlight der Platte und erinnert in seinem hymnischen Pomp ein wenig an Musicals. Von allen Songs auf „Hybrid Child“ ist derjenige, der am dichtesten an die Qualität von „Termites“ heranreicht.

Fazit: District 97 sind eine Band, die man im Auge behalten sollte. Das Sextett kann mit toll arrangierten Progrock-Tracks, die weder Komplexität, noch Eingängigkeit vermissen lassen, gehörig punkten. Mit dem „Mindscan“-Epos hat man sich dann leider ein bisschen zu viel vorgenommen, auch wenn der Konzeptsong klar unterhalten kann und auch seine guten Momente hat. Für ein hervorragendes nächstes Album sollte man sich aber doch besser auf kürzere Sinneinheiten beschränken. So ist „Hybrid Child“ eben „nur“ ein gutes Debüt.

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