Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Distressed To Marrow: Trust The Filth

Mehr Groove macht alle glücklich
Wertung: 8/10
Genre: Death Metal, Groove Metal
Spielzeit: 48:14
Release: 20.01.2020
Label: Eigenproduktion

Die Karlsruher Formation Distressed To Marrow hat mittlerweile so viele Besetzungswechsel hinter sich, dass man damit fast schon einen Roman füllen könnte. Bandmitglieder kamen und gingen, kamen wieder, blieben ein Weilchen und verschwanden dann doch wieder in der Versenkung und übrig geblieben sind nur Drummer Philipp, Sänger und Bassist Toni und das einzige Gründungsmitglied Torsten an der Gitarre. Das Trio hat sich mit dem aktuellen Scheibchen „Trust The Filth“ wieder ein Stückchen weiter vom Doom Death der alten Tage distanziert, man legt mehr Wert auf Groove und auch der Todesstahl rückt deutlich mehr in den Vordergrund.

Dabei muss das Trio sich weiterhin auf die DIY-Ethik stützen, denn ein Label haben die Jungs bislang noch immer nicht gefunden, dabei haben Alben wie die 2017er Auskopplung „La Violencia“ mit Tracks wie dem delikat betitelten „Absorbing Maggots“ durchaus anspruchsvolle Stücke zu bieten. Einen entsprechenden Anspruch bieten natürlich auch die sieben neuen Tracks, vorneweg bekannt machte das Trio ja das flotte „Trapped Without Cage“ inklusive Performancevideo, das zwar deftig groovt, aber bei weitem nicht den stärksten Track der Platte markiert.

Den Schuh dürfen sich dann gleich mehrere Songs teilen: Zum Einen wäre da der dumpf daher schrammelnde Opener „Waste“, bei dem Sänger Toni sich schon mal ordentlich die Stimmbänder abbeizt, über allem thront ein irgendwie trockener, aber nichtsdestoweniger mitreißender Groove – somit startet „Trust The Filth“ schon mal überraschend stark. A propos Überraschung: Distressed To Marrow verstehen sich inzwischen erstaunlich gut darauf, im Gegensatz zu anderen Deathbands die Instrumentalpassagen nicht mit stumpfem Riffing zu füllen, sondern sich durchaus spannende Arrangements als Fillings auszudenken. „Battology“ punktet im Verlauf mit bedrückenden Riffings, die vorwiegend als Gegenpart zu Tonis Growls agieren und sich immer mal in die Sangespausen einschleichen – da kommt dann doch nochmals der Doom-Anteil zum Vorschein, zumal Torsten gegen Ende noch einen wirklich schönen Gitarrenpart auspackt. Auch im Finale von „Manipulated“ können die Jungs ihre Wurzeln nicht ganz verstecken; hier kann vor allem Drummer Philipp punkten, der den Song ordentlich und fast schon tanzbar (!) ins Off führt.

Richtig mächtig walzt sich dann das tonnenschwere „Guantanamo Inc.“ aus den Boxen, das fast unmerklich ein wenig an Fahrt aufnimmt und alles niederreißt, was sich ihm in den Weg stellt. Die Nackenmuskeln knacken schon in der ersten Minute erbärmlich, da fühlt sich das gedrosselte Tempo zur Songmitte hin fast schon wie Wellness an. Und auch hier: Ihre doomigen Ursprünge können die Jungs einfach nicht verbergen. Sollten sie aber auch gar nicht, bilden die schleppenden Riffs doch einen wunderbaren Kontrast zu dem brutalen Geballer.

Alles in allem wirkt „Trust The Filth“ etwas geordneter als noch die Vorgängeralben. Alles klingt mehr wie aus einem Guss, man stolpert nicht über irgendwelche Tempowechsel, stattdessen wurde dem allgegenwärtigen Groove deutlich mehr Platz eingeräumt, was den Songs sehr viel besser zu Gesicht steht und die sieben Songs gut am Stück hörbar macht. Trotzdem stechen Tracks wie das monströse „Guantanamo Inc.“ oder „Battology“ heraus – Distressed To Marrow steigern also ihren Wiedererkennungswert. Jetzt muss nur noch die Sache mit dem Label klappen.

comments powered by Disqus