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Distressed To Marrow: La Violencia

Düsternis in Reinkultur, für Überlängen-Fans
Wertung: 8/10
Genre: Doom Metal, Death Metal
Spielzeit: 68:16
Release: 03.11.2017
Label: Eigenproduktion

Ein bisschen Déjà-Vu-Gefühl stellt sich hier ja schon ein: Da schrieb doch Kollege Jörg noch über das 2013er Werk “Release Of Insanity” der Karlsruher Distressed To Marrow, dass ein neuer Drummer gesucht werde – vier Jahre später, zum Release der neuen Scheibe „La Violencia“, sucht die Band via Facebook erneut nach einem Schlagwerker, wird Gott sei Dank fündig und kann den vakanten Posten recht flott füllen. Irgendwie scheint sich das Line-Up-Karussell immer wieder zu drehen bei den Herren, trotzdem hat die Truppe es bisher auf einen immerhin fünf Releases umfassenden Backkatalog geschafft. Das ist umso bemerkenswerter, da sich Neu-Sänger und –Bassist Toni unter dem Pseudonym Mike Chick seit kurzem auch noch als offizieller Autor verdingt; eine Besprechung zum Debütroman „Die Gameshow“ können Interessierte natürlich ebenfalls bei uns finden.

Die letzte Platte erschien nun bereits im November 2017, und ganz ehrlich, welchen Jahreszeiten sollte man den düster-melancholischen Mix aus Doom und Death wohl sonst zuordnen als dem schnöden, tristen Herbst und Winter? Kaum könnte man sich vorstellen, bei sonnigstem Wetter und 25 Grad den größtenteils sehr dunklen, unheilvollen Riffs zu lauschen – ein fast perfektes Beispiel für jahreszeitlich kühl, fast schon depressiv anmutenden Sound ist die Gitarrenmelodie, die sich in „Absorbing Maggots“ einschleicht. Dass die Combo noch immer keinen Labeldeal an Land ziehen konnte, wirkt hier wie ein schlechter Witz, zumal auch Sänger Toni sich mit einer Mischung aus tiefen Growls und fiesem Gekeife, dem er so viel Variabilität verleiht, wie es genremäßig möglich ist, ordentlich ins Zeug legt und eine durchweg gute Figur abgibt.

Eingebettet sind die Songs übrigens in einen Rahmen bestehend aus „Violencia Is Born“, einem Brecher von einem Song, mit knapp neun Minuten Spielzeit, wunderbaren Tempowechseln und Growls aus den Tiefen der Seele, und dem nur ungleich längeren „Violencia Is Dead“, das ein bisschen lahmarschiger als sein Geschwisterchen daherkommt und daher nicht ganz so überzeugen kann.

„Right Foot Killer“ überrascht dann mit einem mit Sprachsamples unterlegten Akustikgitarrenintro, das ziemlich nahtlos übergeht in bratende E-Gitarren und Tonis brutales Gegrunze; tatsächlich schaffen es Distressed To Marrow dann auch, das Aktionspotential über die komplette Laufzeit von knapp elf Minuten hochzuhalten. Trotzdem hätte man aus dem Song sicherlich mindestens zwei machen können – lange Stücke liebt man entweder oder man erträgt sie mit stoischer Gelassenheit. Oder man wechselt das Lied.

Letzteres ist glücklicherweise auf „La Violencia“ nicht notwendig. Obwohl sich durch die mörderisch langen Songs einige Überlängen eingeschlichen haben, in denen beispielweise Gitarrenparts auch durchaus mal nur halb so ausufernd hätten sein dürfen (gerade gehört bei „Right Foot Killer“ oder auch dem finalen „Violencia Is Dead“), herrscht doch alles in allem auf den knapp 70 Minuten (!) Laufzeit eine schöne homogene Düsternis, die es der Truppe nun wirklich nicht mehr allzu schwer machen sollte, endlich ein Labelzuhause zu finden. 

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