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Discharge: Protest And Survive: The Anthology

Ein erfreulich vielschichtiges Stück Punkgeschichte
Wertung: 9/10
Genre: Anarcho-Punk, Punkrock, Hardcore Punk
Spielzeit: 117:54
Release: 21.02.2020
Label: Nuclear Blast

43 Jahre Bandgeschichte. 53 Songs auf knapp 120 Minuten Laufzeit. Anarchopunk. Rotz und Wut allerorten. Mit solcherlei Schlagworten könnte man die Anthologie beschreiben, die die Punkrocker Discharge Ende Februar rausgehauen haben - „Protest And Survive“, benannt nach einem der bekanntesten Tracks der Briten, die sich bereits 1977 gründeten und sich dabei in der Findungsphase vornehmlich an den Sex Pistols orientierten. Kaum zu glauben, dass die Truppe in der alten 1979er Formation tatsächlich nochmal zusammenkam, um drei neue Alben aufzunehmen, von denen das letzte „End Of Days“ ja auch schon wieder vier Jahre alt ist.

„Protest And Survive: The Anthology“ bietet nun wie erwartet einen ziemlich breiten Überblick über das Schaffen der Anarcho-Punks, angefangen beim 1982er Album „Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing“ bis zum 2002er Werk „Discharge“, wobei interessanterweise an Material, das nach 2002 fabriziert worden ist, gespart wurde. So richtig geordnet ist die Tracklist dann auch nicht, was insofern schade ist, da man sonst eine Entwicklung hätte verfolgen können – immerhin haben sich Discharge später durchaus auch dem Thrash Metal zugewandt gezeigt und sich gottlob doch ein bisschen vom Sound ihrer Landsmänner freigemacht. Entsprechend ist es dann ganz spannend, die Spanne zu hören zwischen Songs wie „A Look At Tomorrow“, bei dem man fast ein bisschen Ramones-Duft erschnüffeln kann und Tracks wie „Protest And Survive“ oder „Hell Is War“, die sogar mit flirrenden Gitarrensoli aufwarten können.

Tracks wie „Never Again“ reichen dann sogar noch weiter zurück ins ferne Jahr 1981 und verströmen mit ihrem starken Hall und der Pistols-Attitüde dann auch tatsächlich ein ordentliches Nostalgie-Feeling. Rotzig und zornig prescht die Band hier nach vorne – klasse dann auch der direkte Übergang zu „Ain‘t No Feeble Bastard“, das erst 2016 auf der „New World Order“-EP erschien und sich deutlich bulliger präsentiert.

Überhaupt macht es auch dann Spaß, sich mit den Briten durch die Jahrzehnte zu boxen, wenn man im Voraus noch nicht allzu vertraut mit der Diskografie der Truppe war. Die Unterschiede, die sich allein auf der ersten CD präsentieren, sind teils frappierend, gleichzeitig haben aber alle Sound-Epochen ihren ganz eigenen Charme.

Die zweite CD bietet dann einige gar nicht mehr so neue, neu aufgenommene Versionen, die mittlerweile auch schon 16 Jahre auf dem Buckel haben, außerdem Demos aus den Jahren 1977 und 2002 – auch hier hat die Truppe sich bemüht, ein zeitlich breites Spektrum anzubieten. So finden sich neben einer 2004er Version vom starken „Hell Is War“ (das witzigerweise im Original deutlich bissiger daherkommt) auch eine 43 Jahre alte Demo vom besten Titel der Bandgeschichte „I Love Dead Babies“, bei dem deutlich die UK-Punk-Spur gefahren wurde, sowie Liveaufnahmen aus dem Jahr 2004, die noch überraschend unbefangen auf‘s Gaspedal treten – allen voran das flotte „A Hell On Earth“.

Zusätzlich schaffen Discharge noch das Kunststück, eine sehr gelungene und an Ministry erinnernde Remixversion von „Accessories By Molotov“ aus dem Boden zu stampfen, wo andere Bands unter dem Remixbanner nur schnöde verschwurbelte Trackleichen laufen lassen.

Für Discharge muss man sich ausnahmsweise mal Zeit nehmen, aber es lohnt sich in jedem Fall: Für Fans dürfe die Anschaffung ein Muss sein, zumal die Anthology neben CD auch auf Vinyl erhältlich ist. 53 Songs, die die 43 Jahre Bandgeschichte abbilden, stellen ein pralles Gesamtpaket dar, und wenn man doch so manches Mal über die Soundqualität der älteren Stücke schmunzeln muss, so ist es doch nur folgerichtig und authentisch, dass für die vorliegende Doppel-CD nicht noch großartig am Sound herumgebastelt wurde. Alles in allem kann man als Fan der Band oder auch begeisterter Hörer der genannten Genres bei der Anschaffung von „Protest And Survive: The Anthology“ nichts falsch machen.

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