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Disaster KFW: Pieces

Für den Schwedentod-Fan ein richtig schön bolziges Album
Wertung: 7,5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 64:16
Release: 27.12.2015
Label: Independent

Zeit ist dehnbar, ganz besonders bei unseren Death-Metal-Vertretern Disaster KFW aus Weimar. Gerade erst haben sie 2015 ihr 30jähriges Jubiläum gefeiert und sprechen auch schon von der güldenen Zusammenkunft weitere 20 Jahre später, da krönen sie ihr Jubel-Jubiläumsjahr auch endlich mit einem neuen Studioalbum, dem dritten in der langen Bandgeschichte, wobei seit dem starken „Collateral Damage“ von 2006 auch immerhin neun weitere Jahre und zahlreiche Liveshows wie auf dem Party.San-Festival ins ostdeutsche Land gezogen sind.

Zeit ist deswegen auch dehnbar insofern, als dass das Quintett mit Chris trotz eines Wechsels an der Klampfe in 2007 die Marschroute noch immer nicht geändert hat, soll heißen: Death Metal mit einer ordentlichen Portion Schweden-Feeling, bis auch das letzte bisschen Ehringsdorfer verdampft ist – ein leckeres Kreativbierchen für die Dichtkunst anno 2015 im Disaster KFW-Proberaum. Und so bekommt der selbst ausgelobte „"we are the unquestioned rulers of the Goetheburg-Hartlack-Metal-Attack"- Slogan einfach noch mehr Inhalt aufgedrückt als es schon vorher der Fall war.

Im Grunde ist die wuchtige Death-Metal-Walzgeschichte der Thüringer auch schnell erzählt. In „Left To Die“ hält eine gewisse Schwarzwurzelfärbung Einzug, ansonsten rollt der Disaster KFW-Todestross wie gewohnt ohne Unterlass und ohne Pause, in „Rivers Of Blood“ werden sie zwischendurch ja sogar richtig groovig und lassen gleich auch mal ein gewisses Amon Amarth-Feeling spüren, wobei hier einmal mehr Skelleton bestialisch faucht, als Kontrast aber eine sehr melodische Leadgitarre fungiert. Gerade das herrliche Wechselspiel der beiden Sänger belebt das Weimarer Friedhofsgeschäft: Drummer Skelleton mit seinen fiesen Schreien und Frontmann Søren mit seinen derben Growls ergänzen sich hervorragend, im Mitgrölsong „Eat Guts“ erinnert Skelleton teilweise sogar an Kenn von Anacrusis, was wir aber nicht zu hoch aufhängen wollen. Viel wichtiger dagegen ist, dass der Opener „Killed By Dawn“ schon eine erste ordentlich rumpelnde Bewährungsprobe ist, die neben einigen melodischen Klampfenausritten und vor allem treibender Drummerarbeit von dem eben aufgezeichneten Vokalschlachten lebt.

Ganz gleich ob einmal mehr die Amon Amarth'schen Einflüsse wie in „ The Black Death“ ständig durchblitzen, der schleppende Start, die derben Vocals und der hymnische Charakter sind Zeitzeichen einer puren Abrissbirne mit erneut schwarzem Anstrich. Und selbst wenn Disaster KFW wie in „The Death's Ministry“ mal nicht ständig das Gaspedal ganz bis ins Weimarer Moor treten, so liefern die Fünf ein fett intensives Death-Metal-Brett ab. Im Gegensatz dazu wird in „ Disaster Pieces“ schnell mal der Flitzefinger-Thrash-Faktor erhöht und gleichzeitig auch die volle Death-Metal-Keule geschwungen. Und wer es dann noch derber mag, der darf sich auf „The Storm“ freuen, denn hier legen die Ostdeutschen nochmals eine ordentlichen Portion schwarzen Tod drauf und fegen förmlich mit derbem Geschepper über einen hinweg, vergessen aber auch nicht, durch ein paar Midtempo-Parts das Ganze interessanter zu gestalten.

Eigentlich müssten FDA Rekotz (oder neuerdings FDA Records) oder auch War Anthem Records, die ja schon den Vorgänger veröffentlichten, der Weimarer Truppe Disaster FKW die Haustür förmlich einrennen, vielleicht aber wollte der Trupp selbst lieber den Independent-Do-It-Yourself-Weg einschlagen und so ein Stückchen mehr Unabhängigkeit bewahren. Egal, unterm Strich bleibt für den Schwedentod-Fan ein richtig schön bolziges Album übrig, welches roh, sauber druckvoll produziert vielleicht nicht das ganz große Highlight im Haifischbecken ist, aber von vorn bis hinten Spaß macht. Kann man nun zum Kauf „Gib Gummi“ sagen? Hartlack-Tod lohnt sich...

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“