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Dirge: Elysian Magnetic Fields

Nichts für schwache Nerven
Wertung: 8/10
Genre: Sludge Metal, Post-Hardcore
Spielzeit: 66:16
Release: 02.04.2011
Label: Blight Records/Division Records

Frankreich, das Land der Metal-Exoten – kaum eine Band ist hier das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheint, und so hat man, wenn man das Zettelchen auf der Rückseite der neuen Dirge-CD „Elysian Magnetic Fields“ liest, wo die Band dramatisch als „neurotic posthardcore“ bezeichnet wird, direkt das Bild eines hysterisch kreischenden, bis unter die Augen tätowierten dürren Sängers im Kopf, der seine Ohr-Flesh Tunnels auch als Hula-Hoop-Reifen benutzen könnte und alles niederschreit.

Weiter könnte man beim ersten Eindruck kaum danebenliegen. Dirge-Sänger und Gitarrist Marc T. ist weder dürr noch übermäßig mit Tinte gefüllt, stattdessen wirkt der glatzköpfige, bärtige Mann eher wie ein Hardcore-Kid und scheint optisch zu wild wucherndem New-York-Hardcore zu passen als zum eher trendigen Post-Hardcore. Auch gesanglich füllt Marc das Post-HC-Klischee nicht aus – wütend bis verzweifelt dröhnt seine charakteristische, recht tiefe Stimme aus dem Hintergrund. Das Cover erinnert den geneigten Fan sofort an „Below The Ever Setting Sun“ von den Australiern Grey Waters – nicht so weit hergeholt wie man meinen könnte, denn beide Bands bedienen sich aus dem Schränkchen des Sludge Metal, mit tiefen Gitarren, dominanten Basslines und recht zähflüssiger Dynamik.

Hierzulande sind die Pariser erschreckend unbekannt, wenn man sich mal ihren Backkatalog anschaut: Mit „Infected Brain Machine“ kam das erste Demo bereits 1994 auf den Tisch und mit dem aktuellen „Elysian Magnetic Fields“ liegt bereits die fünfte Full-Length-Scheibe vor. Stellt sich also die Frage, wieso man die Band in Deutschland noch nicht auf seine All-Time-Favorites geschrieben hat. Einfach gesagt: Dirge sind sperrig. Und zwar nicht im progressiven Sinn, weil sie ewig lange Keyboard- oder Gitarrenparts in ihre Songs quetschen, sondern weil sich auf der neuen Scheibe neben „normalen“ Songs auch einfach nur Geräuschfetzen verstecken, die es schwierig machen, den Tracks am Stück zu folgen. Dass von den acht Songs auf der CD-Version (auf LP gibt es sogar noch einen oben drauf) allein die Hälfte die Neun-Minuten-Grenze sprengt, spricht da schon für sich.

„Morphée Rouge“ macht den Anfang und leitet das Album mit der besagten Geräuschkulisse ein, die ein wenig an schwedischen Depressive Suicidal Black Metal der Marke Lifelover erinnert – übrigens kann man den Vergleich noch des Öfteren ziehen. Sobald Marcs Gesang einsetzt, weiß man, dass der Mann nichts zu lachen hat im Leben – mit leicht resigniertem Unterton tönt der Bärtige aus dem Off, wobei man dankenswerterweise die Vocals laut genug gestimmt hat, dass sie nicht in den sich aufbäumenden Gitarren untergehen. Die atmosphärischen Samples und das Hintergrundrauschen tragen ihren Teil dazu bei, dass man bereits beim Opener leicht verwirrt ist.

Schwieriger wird’s bei „Cocoon“, dem ersten Mammuttrack der Platte – mit elfeinhalb Minuten Länge könnte der Song eine ganze EP ausfüllen, hier fungiert er als Spielwiese für Samplemaster „Zomb“ und die Gitarrenfraktion, die sich mit wabernden Riffs und Synthieflächen austobt. Drummer Alain B. geleitet mit vermehrtem Snare-Einsatz durch die Finsternis, während Marc mit einer Mischung aus Verzweiflung und Wut seine Texte herausruft. In die Mitte des Songs schleicht sich ein sehr leises Filmsample ein, das von schön gespielten Gitarren überlagert wird, die natürlich gegen Ende wieder in noisigere Gefilde abrutschen.

„Falling“ schummelt sich erst schwarzmetallisch angehaucht in den Gehörgang, bevor der Noisevorhang vorgezogen wird. Schreddernde Gitarren, unaufhörlich bearbeitete Drums und rauschende Samples, die einen bei der richtigen Lautstärke fast in den Wahnsinn treiben, werden von den gerufenen Vocals unterstützt, die sich im Hintergrund tummeln. Anstrengend ist der Song, keine Frage, erst recht wenn man sieht, dass mit dem folgenden Rausschmeißer „Apogée“ schon wieder so ein Epos vor einem steht. Fast zwölf Minuten lang zelebrieren Dirge ihren noisigen Post-Hardcore-Sludge und schrecken dabei weder vor düsteren Gitarren, noch vor gesprochenen Texten, aufkreischenden Riffs oder einem schreienden Sänger zurück. Hier könnte man die Franzosen tatsächlich fast für Depressive Black Metal halten – runter zieht einen der Track allemal.

Für Menschen mit schwachen Nerven, die es ja im Metal durchaus auch geben soll, ist „Elysian Magnetic Fields“ nun wirklich nichts. Alle Sludge-Fans, Freunde depressiver Töne und auch diejenigen, die experimentellem Post-Hardcore mit Schwarzwurzelriffs nicht abgeneigt sind, werden hier aber definitiv eine Platte finden, die einige Zeit im Player rotieren darf.

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