Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Dir En Grey: Uroboros

Zurück in alter Stärke
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal/Death Metal/Rock
Spielzeit: 70:02
Release: 11.08.2008
Label: Gan Shin Records

Wendete sich die einstige Nummer eins der Visual Kei-Szene mit ihrem letzten Album „The Marrow Of A Bone“ stark dem Westen zu und ließ die ureigene Einzigartig stark vermissen, so wirft „Uroboros“ dies alles erneut über den Haufen, um zu alter Stärke zurückzukehren. Trotzdem wird das neuste Werk der Japaner wieder einmal die Fan-Gemeinde spalten, denn wer auf eine Rückbesinnung auf die alten Werke hofft, wird wieder mal enttäuscht, auch wenn ein paar an die alten Scheiben erinnernde Songs auf dem Album zu finden sind. Die latenten Metalcore-Einflüsse, die auf dem Vorgänger zu hören waren, sind komplett verschwunden und dem progressiven Psychopathen-Metal gewichen, dem die Band sich seit der Platte „Vulgar“ widmet.

Die Songstrukturen sind erneut wieder sehr sperrig und komplex ausgefallen, ohne dabei jedoch allzu erdrückend zu wirken, denn das gewaltige Krach-Inferno, das oftmals geboten wird, lässt nicht wirklich zu, dass der Hörer sich allzu sehr mit dem Aufbau der Stücke beschäftigen kann. Die Scheibe ist erneut in Eigenproduktion entstanden, wodurch die exotische und düstere Atmosphäre, die man auf Alben wie „Vulgar“ und „Withering To Death“ fand, wieder zugegen ist. Generell zieht die CD den Hörer sofort in die verstörenden Klangwelten von „Uroboros“, denn die Atmosphäre ist äußerst dicht. Wie gewohnt wechseln sich brutale Metzel-Attacken mit melodischen und düsteren Ambient-Passagen ab, wobei wieder einmal Stimmwunder Kyo für Staunen sorgt. Dass der Sänger nicht jedermanns Geschmack trifft, weiß wohl jeder, der schon mal etwas von der Band gehört hat. Doch außer Frage steht, dass Kyos Gesangsstil einzigartig ist. Mal entsetzt der schmächtige Japaner mit einer unbeschreiblichen Lärmwand, die vermeintliche „Psychopathen“ wie Korns Jonathan Davis wie kleine Kinder wirken lässt, zu anderen Zeiten jagt er dem Hörer mit seiner ausdrucksvollen und emotionalen Stimme, die zudem eine beeindruckende Reichweite besitzt, wohlige Schauer über den Rücken.

Das Album wird mit dem bedrückenden Intro „Sa Bir“ eröffnet, das den Hörer perfekt auf die kommenden Stücke einstimmt. Mit „Vinushka“ folgt dann eines der größten Meisterwerke, das die Band je geschrieben hat. Der über neun Minuten lange Koloss startet mit sanften, aber düsteren Akustik-Klängen und leisem und tiefem Gesang von Kyo, bevor der starke, melodische Refrain ertönt. Völlig unerwartet bricht das Lied dann ab und geht in ein wütendes Lärm-Inferno über, in dem sich der Frontmann die Seele aus dem Leib growlt und kreischt, bis der Song wieder fließend in den verträumten Chorus übergeht.

Im weiteren Verlauf der Platte wechseln sich Death Metal-artige Tracks wie „Red Soil“, „Stuck Man“ oder auch „Bugaboo“ mit melodischen Stücken wie dem an alte Zeiten erinnernden „Toguro“ oder „Inconvenient Ideal“ ab. Zudem befindet sich mit „Glass Skin“ eine sehr intensive Ballade auf dem Album, die ebenso wie „Dozing Green“ bereits im Vorfeld veröffentlicht wurde. Hierbei ist jedoch unbedingt die in japanischer Sprache verfasste Version der Stücke zu empfehlen, denn Kyos Englisch ist insbesondere auf „Glass Skin“ nur schwer erträglich.

Das Songwriting ist exzellent und angenehm unberührt von gewöhnlichen Songstrukturen, so dass grandiose Tracks wie „Doukoku To Sarinu“ ermöglicht werden, der in den ersten zwei Dritteln kompromissloses Geknüppel bietet und im letzten Drittel auf einmal mit einem Gänsehaut-Refrain punktet.

Dir En Grey melden sich nach dem durchwachsenen Vorgänger eindrucksvoll zurück und liefern ein abwechslungsreiches und atmosphärisches Meisterwerk ab, das sich vom Stil zwar nicht allzu sehr von „Vulgar“ und „Withering To Death“ unterscheidet, aber vielleicht gerade deswegen begeistert. Kyos Gesangsleistung ist endlich wieder so wie sie sein sollte, das Songwriting grandios und die CD zudem auch noch mit einer sehr hohen Spielzeit gesegnet. Jeder, der etwas mit den beiden zuletzt erwähnten Alben anzufangen weiß, sollte hier unbedingt zuschlagen und sich eines der besten Platten des Jahres 2008 zulegen – alle, die mit experimenteller und exotischer Musik etwas anfangen können, sollten hier unbedingt reinhören, denn auch wenn die japanische Melodieführung und der ungewöhnliche Gesang für westliche Ohren sehr ungewohnt klingt, lässt sich die musikalische Qualität kaum bestreiten, denn die technischen Fähigkeiten der Musiker und das Songwriting sind exzellent.

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna