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Dir En Grey: The Unraveling

Aus alt mach neu
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal, Death Metal
Spielzeit: 32:16
Release: 03.04.2013
Label: Okami Records

Seit einigen Jahren scheinen Dir En Grey großes Interesse daran zu haben, ihre eigene Vergangenheit in Form von zahlreichen Remakes aufzuarbeiten, sodass mittlerweile viele Neuinterpretationen von Klassikern wie „Obscure“ oder „Zan“ existieren. „The Unraveling“ führt diese lieb gewonnene Tradition nun umfangreicher denn je fort und präsentiert nebst dem titelgebenden neuen Song auf EP-Länge diverse Neueinspielungen aus der Diskographie der Japaner, wobei dieses Mal bis zu den frühsten Anfängen der Band gegriffen wird – und selbstverständlich sind viele der Songs kaum wiederzuerkennen, denn bekanntlich haben Dir En Grey sich über die Jahre gravierend verändert.

Dementsprechend ist der Sinn der Neuinterpretationen nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die Meinungen der Fans bislang stark differierten. Wie schon bei den anderen Remakes der letzten Zeit wurde auch dieses Mal der Sound stark den letzten beiden Alben „Uroboros“ und „Dum Spiro Spero“ angepasst, so dass den Songs nun nicht nur ein deutlich erhöhter technischer Anspruch zu eigen ist ist, sondern auch die Härte drastisch gesteigert wurde. Die düstere Mixtur aus Progressive, Death Metal und einigen Core-Versatzstücken gibt so auch auf „The Unraveling“ den Ton vor und lässt den Großteil der neu aufbereiten Stücke zunächst einmal deutlich unzugänglicher als zuvor erscheinen – die früher für die Band typische Eingängigkeit ist bei den ersten Hördurchgängen von zwei Ausnahmen abgesehen so nur am Rande zu erkennen, wohingegen die Atmosphäre den Hörer sofort in ihren Bann schlägt.

Den Anfang macht jedoch zunächst einmal der neue Song „Unraveling“, der vom Sound her auch auf „Dum Spiro Spero“ hätte stehen können, aber bei der Melodieführung und vielen Soundeffekten deutliche „Uroboros“-Zitate“ aufweist. Zwar gestaltet sich die Struktur ziemlich vertrackt und mit zahlreichen Breaks versetzt, insgesamt steht der Song trotz rumorender Gitarren und den pumpenden Basslines aber eher auf der melodischen Seite der Veröffentlichung, ohne dabei jedoch zu einem Ohrwurm zu avancieren – stattdessen entsteht durch die ausgeklügelten Gesangslinien Kyos samt seinem schon lange zur Gewohnheit gewordenen Geräusch-Wahnsinn zusammen mit den orientalisch anmutenden Gitarreneffekten eine äußerst dichte und morbide Stimmung, die dem Song letztendlich seinen Reiz gibt.

Mit „Karma“ wird anschließend der Remake-Teil eingeleitet und beginnt gleich mit einem seltenen Track – der Song fand sich auf einem Video-Release der Band von 1998 und zeigte mit schepperndem Visual-Kei-Charme schon damals, dass Dir En Grey sich in Extremen ausdrücken wollen. Die Neuaufnahme macht so durchaus Sinn und kleidet den Song in drückende Sludge-Riffs und Kyos ultratiefe Growls, so dass die Gewalt und Aggression des Tracks besser denn je zum Ausdruck kommt. „Kasumi“ und „The Final“ wiederum sind nicht nur aus der jüngeren Vergangenheit, sondern auch deutlich melodischer als der Rest der EP. Tatsächlich wurde an den Bandhymnen auch abgesehen von der hinzugewonnen Heavyness und netten Details wie einem Gitarren-Solo in „The Final“ nicht allzu viel verändert, so dass der Charakter einer wirklichen Neuinterpretation hier etwas verloren geht, zumal Kyos mittlerweile sehr nasaler Gesang in diesem Fall nicht an die ungeschliffene Emotionalität und Kraft der Originale heranreicht.

Wesentlich gewagter sind da schon die Neuaufnahmen von „Unknown.Lost.Despair“ und „Karasu“ - während erstere B-Side aus dem Jahre 1998 zwar die unbedarfte Eingängigkeit und Visual-Kei-Attitüde eingebüßt hat, sorgt der neue Sound dafür, dass der Song nun mit Kyos abgedrehten Geräuschen und Kreischern sowie den brodelnden Gitarren auch auf neueren Werken einen Platz gefunden hätte und in völlig neuem Glanz erstrahlt. „Karasu“ vom viel gelobten Album „Kisou“ lässt sich sogar als Highlight der EP bezeichnen und entfaltet seinen ohnehin schon finsteren Sog effektiver denn je, während Kyo einige seiner höchsten Töne überhaupt auffährt und sich hier allgemein in Bestform präsentiert. „Bottom Of The Death Valley“ vom gleichen Album schlussendlich verliert zwar größtenteils seine ursprüngliche Stimmung und lässt leider Toshiyas grandioses Bassspiel nicht mehr so stark herausstechen, überzeugt als alternative Version zum ursprünglichen Song aber durchaus, da der progressive Anspruch des Songs mittlerweile viel besser umgesetzt werden kann.

Alles in allem ist „The Unraveling“ also sowohl für langjährige Fans der Band als auch für Neueinsteiger eine interessante Angelegenheit – wer mit den älteren Werken Dir En Greys vertraut ist, findet hier einige sehr gelungene Remakes, die sich zumeist stark von ihren Originalen absetzen. Neuere Hörer hingegen können die Klassiker dank aufpoliertem Sound und den erneuerten Songstrukturen in einer Qualität genießen, die den aktuellen Werken ebenbürtig ist. Mit einem gelungenen neuen Song wird zudem noch ein weiterer Kaufanreiz geboten, der gemeinsam mit den Neuaufnahmen die Wartezeit bis zum nächsten regulären Album mit ein wenig Nostalgie überbrückt.

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