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Dir En Grey: The Marrow Of A Bone

Manches mal etwas zu unentschlossen und uneigenständig
Wertung: 6.5/10
Genre: Visual Kei
Spielzeit: 50:7
Release: 02.03.2007
Label: Gan Shin Records

Die letzte Single “Agitated Screams of Maggots“ hatte es bereits angedeutet: Nach Dir En Grey´s erfolgreicher Exkursion in die Gefilde des wilden und ungezügelten Hardcore-Punkrock Genres, brechen die Visual Kei - Heroen erneut mit ihrem Stil.

Nicht mehr Punk, nicht mehr Modern Rock und auch keine traditionellen Leitmotive mehr = “Agitated Screams of Maggots“ war auf Grund seiner musikalischen Brachialität für viele Fans ein tiefsitzender Schlag in die Magengegend. Denn dort, wo einst zuvor noch eingängige Melodien und Rhythmusstakkatos regierten, herrscht nun die wüste Ästhetik des ungezügelten und harschen Metalcores...

Entsprechend neugierig machte dann die Möglichkeit einer ersten, kompletten Hörprobe des neuen Albums “The Marrow of a Bone“. Zumal das erste, was einem hier beim Lesen der Tracklist ins Auge springt, ist die Tatsache, dass sich ebenfalls drei altbekannte Songs auf diesem Werk mit einfinden: Während “Ryoujoku No Ame“ und “Agitated Screams of Maggots“ bereits schon im letzten Jahr als Single-CD´s kursierten (August und Dezember 2006), wurde mit “Clever Sleazoid“ eine rundum Erneuerung eines alten Gassenhauers vorgenommen.

Das Album selbst beginnt mit “Conceived Sorrow“ äusserst verheissungsvoll und endzeitlich in seiner Grundstimmung: Getragene Akustikgitarren und filigrane Pianopassagen bestimmenden den Grundtenor dieses sanft drückenden Spektakels. Kyo´s Gesang wirkt hierbei auch ungewohnt zurückhaltend und von purer Angst beseelt... Insgesamt ein wirklich hochkarätiger Opener, der perfekt dem leidtragenden und kriegsgebeutelten Coverartwork des Albums Tribut zollt.

Dass “Conceived Sorrow“ allerdings nicht repräsentativ für dieses Werk bleiben wird, wird einem mit den nachfolgenden Stücken “Lie Buried with a Vengeance“, “The Fatal Believer“, "Agitated Screams of Maggots“ und “Grief“ sehr schnell bewusst. Hier werden nämlich in einem recht derben Crossover aus Metalcore, Grunge und Modern Metal die Instrumente malträtiert, als wäre wirklich alles zu spät... Der keifende und röhrende Sprachgesang Kyo´s tut sein übriges dazu bei und lässt dem Hardcore-Fetischisten verzückt die Nackenmuskulatur in Wallung bringen.

Das nun folgende (und bereits bekannte) “Ryoujoku No Ame“ wurde entsprechend das neuen Stils von Dir En Grey ein wenig „getuned“ und überarbeitet: Entsprechend rauer und Metal-lastiger kommt diese ehemalige J-Rock Perle nun daher, will sich aber dennoch nicht so ganz in das wilde Treiben des Albumkonzepts integrieren lassen. “Disable Complexes“ und “Rotting Root“ pendeln ein wenig unentschlossen zwischen provokativer Härte und psychedelischen J-Rock Einlagen hin und her. Wirklichen Zugang bekommt man zu diesen beiden Songs nur relativ schwer, obwohl sie rein stimmungstechnisch durchaus ordentliches Visual Kei - Feeling aufkommen lassen...

Entsprechend gut kommt an diesem Punkt nun die positiv gestimmte Rock-Ballade “Namamekashiki Ansoku, Tamerai Ni Hohoemi“. Ein insgesamt wirklich sehr feinfühliger Song aus dem Land der aufgehenden Sonne und der prächtig blühenden Kirschbäumen: Tagträumen absolut erwünscht!

Allerdings wird nun auch spätestens nach diesem eingängigen Liedgut ein stilistischer Bruch im Albumkonzept wahrgenommen. So bemüht sich “The Pledge“ sichtlich um eine Zusammenkunft aus bissiger Dominanz und melodiösen Passagen, kann aber auf letzter Instanz leider dennoch nicht ganz überzeugen.

Was bleibt also jetzt am besten noch zu tun? Genau! Back to the Roots... Entsprechend werden bei “Repetition of Hatred“ und “The Deeper Vileness“ nochmals recht kräftig (wenn aber auch weit weniger aggressiv) die Instrumente in die Mangel genommen und wild gerockt.

Fazit: Nach der wirklich knackigen Neuinterpretation des Smashers “Clever Sleazoid“ endet “The Marrow of a Bone“ leider doch ein wenig zwiespältig. Sicherlich befindet sich die Produktion auf einem enorm hohen Qualitätslevel und mangelnde Spielfreude kann man Dir En Grey ebenso wenig vorwerfen... Aber letzten Endes fehlte dann wohl doch die nötige Konsequenz, sich auf wirklich nur einen (oder maximal zwei) musikalische Stile einzuschießen.

Sicherlich kündigten Dir En Grey schon im Vorfeld von “The Marrow of a Bone“ an, sich musikalisch weiter dem Westen (also Europa und Amerika) zu öffnen. Dies tun sie zum einen durch den vermehrten Einsatz englischer Sprachfetzen und zum anderen durch die sauber geleckten Metalcore - Passagen der neuen Songs. Entsprechend ging somit dann auch automatisch ein gutes Stück an Eigenständigkeit verloren, was im Falle von Dir En Grey wirklich verdammt schade ist!

Zwar kommt “The Marrow of a Bone“ soundtechnisch nicht an die (zurecht) viel gelobten Vorgängerwerke “Vulgar“ (2003) und “Withering to Death“ (2005) heran, ist aber dennoch alles andere als schlecht. Nur eben manches mal etwas zu unentschlossen und uneigenständig...

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