Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Dir En Grey: Dum Spiro Spero

Von optischen zu musikalischen Extremen
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal, Death Metal
Spielzeit: 66:11
Release: 05.08.2011
Label: Okami Records

Schon seit dem 2007er-Album „The Marrow Of A Bone“ hat sich abgezeichnet, dass Dir En Grey zunehmend neue Wege gehen und spätestens seit dem letzten Werk in voller Länge, „Uroboros“, gewöhnlichen Songstrukturen mehr und mehr den Rücken kehren. Nach drei Jahren Wartezeit und drei Singles kehren die Japaner nun zurück und veröffentlichen mit „Dum Spiro Spero“ weltweit ein Album, das den eingeschlagenen Weg noch viel weiter geht und musikalische Extreme mehr denn je auslotet.

Ohne Frage braucht „Dum Spiro Spero“ Zeit – viel Zeit. Bei den ersten Hördurchgängen wird man von dem gewaltigen, verworrenen Gespinst aus Melodien und Lärm zunächst einmal regelrecht erschlagen und bleibt orientierungslos und verstört zurück. Dabei sorgt zumindest die superbe Tue-Madsen-Produktion erst einmal für ein wesentlich leichter durchschaubares Klangbild als bei den sehr eigenwillig, wohl aber stimmig klingenden Vorgängern; insbesondere Toshiyas abwechslungsreiches Bassspiel kommt mit seinem stählernen Klang besser zur Geltung als je zuvor. Abgesehen davon jedoch lassen die nicht selten recht langen Songs fernab Hörer-freundlicher Strukturen „Uroboros“ geradezu eingängig erscheinen: Die und Kaoru entfesseln mit ihren tiefer als jemals zuvor gestimmten Gitarren ein wahres Inferno aus vertrackten Riffs und mit exotisch anmutenden Effekten versehenen Leads, zu denen Kyos gewaltiges Repertoire aus Screams, Growls, allerlei merkwürdigen Geräuschen und durchdringendem Klargesang sowie Shinyas expressives, einzigartiges Drumming als weitere Organe des Ungetüms „Dum Spiro Spero“ hinzukommen.

Repräsentativ für die Ausrichtung des restlichen Albums zeigen sich bereits das zwischen disharmonischen Klavierklängen und Noise-Ausbrüchen pendelnde Intro „Kyoukotsu No Nari“ und das darauf folgende, gut siebenminütige „The Blossoming Beelzebub“ - unvorhersehbar, abgründig und heavy. Beständig kriechen schleppende Rhythmen näher und türmen sich mit brodelnden Riffs zu mächtigen Wänden auf, während Kyo im gespenstischen Falsett einsteigt und schon kurz darauf das ganze Ausmaß seines Tonumfangs ausnutzt, der einen der, wenn nicht sogar den größten im Bereich der harten Musik darstellt. Feine Nuancen wie zerbrechliche Pianoklänge und eine klagende Violine bauen die im Vergleich zum überlangen „Uroboros“-Epos „Vinushka“ subtilere Dramatik weiter aus, ohne jedoch einen wirklichen Klimax zu erreichen – fesseln tut der Song ungemein, doch die große Gänsehaut wie im genannten Stück bleibt aus. Mit dem fast zehnminütigen „Diabolos“ kommt man diesem Zustand schon deutlich näher, insbesondere was die letzten intensiven Minuten angeht, in denen das sludgige Grundriff letztlich zur Vollendung geführt wird und Kyo einige spektakuläre letzte Töne aus seiner Stimme herausholt.

Doch auch die mit knapperer Spielzeit bemessenen Songs folgen unüblichen Mustern und gestalten sich zudem häufig wesentlich Extrem-Metal-lastiger als gewohnt, wobei die zahlreichen überraschenden Breaks und Motivwechsel natürlich nicht ausbleiben. Ein hervorragendes Beispiel hierfür und gleichzeitig auch eines der Highlights auf „Dum Spiro Spero“ ist „"Yokusou Ni Dreambox" Aruiwa Seijuku No Rinen To“: Schleppend baut sich der Song mit klaren Vocals langsam auf und schwankt zwischen geisterhaften Melodien und groovenden Rhythmen, bevor ohne Vorwarnung die Hölle in Form einer Grindcore-Attacke nebst animalischem Gekreische hereinbricht. „Juuyoku“ hingegen gelingt es in nur dreieinhalb Minuten, schwerer verdaulich als so manch überlanger Song daherzukommen und die große Melodie ganz bis zum Schluss aufzusparen, vor dem brutale Passagen und orientalisch anmutende Gesänge in einem beherrschten Chaos aufeinander treffen, dem Dir En Grey in Tracks wie „Decayed Crow“ auch einmal freien Lauf lassen.

Letztendlich steht und fällt „Dum Spiro Spero“ aber mit Kyos Gesang, der die Musik der Band schon immer prägte und auch dieses Mal ein entscheidendes Element ist, das die Meinungen spalten wird. Während die großen Melodien wie in „Lotus“ oder dem alles überragenden Refrain von „Hageshisa To, Kono Mune No Naka De Karamitsuita Shakunetsu No Yami“ wenig Raum zur Kritik lassen und auch die Growls hohen Standards genügen, sind es vor allem die Passagen in der Kopfstimme oder im Falsett sowie die wirren Screams und unkontrollierten Laute, die einige Hörer vor den Kopf stoßen werden. So oder so ist die Gesangsleistung des exzentrischen Frontmannes jedoch unbestreitbar einzigartig und beeindruckt jene, denen die Stimmfarbe Kyos zusagt, gerade in den melodischen Momenten restlos – hierbei sticht vor allem die einzige Ballade „Vanitas“ heraus, in der nicht nur der Sänger mit kraftvollen Höhen Gänsehaut verursacht, sondern auch die anderweltlichen Gitarreneffekte und melancholischen Melodien die großen Gefühle heraufbeschwören.

„Dum Spiro Spero“ ist noch kompromissloser, noch komplexer und noch verstörender als „Uroboros“ - und damit ein mutiger, aber gekonnter Schritt, der dem überragenden letzten Werk einen würdigen Nachfolger zur Seite stellt. Wer Dir En Grey ob ihrer neuen Ausrichtung schon aufgegeben hat, wird auch hier nicht glücklicher werden, doch all jene, die bereits „Uroboros“ zu den besten Alben der Band zählten, können erneut in Begeisterungsstürme ausbrechen. Abseits der Fanbase kommen aber auch Anhänger komplexen, unvorhersehbaren Metals dieser Tage nur noch schwer an den Japanern vorbei und sollten „Dum Spiro Spero“ trotz des eigenwilligen Gesangs unbedingt eine Chance geben. Empfehlenswert ist dabei übrigens die Limited Edition des Albums, die zwei starke Bonustracks enthält, von denen einer eine beeindruckend orchestrierte Variante von „Amon“ darstellt.

comments powered by Disqus

Das Wochenende klingt mit Volldampf aus

 

 

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“

Perfekter Tour-Abschluss, der mehr Zuschauer verdient hätte

Kurzweiliger Abend mit kleinem Vorgeschmack auf das kommende Album

Wenn es im August schneit und trotzdem alle schweißgebadet nach Hause gehen

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging