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Dir En Grey: Different Sense

Das letzte Vorzeichen
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal, Death Metal
Spielzeit: 13:06
Release: 22.06.2011
Label: Okami Records

Nach „Hageshisa To, Kono Mune No Naka De Karamitsuita Shakunetsu No Yami“ und „Lotus“ folgt mit „Different Sense“ nun der dritte und letzte Teil einer konsekutiven Reihe von Single-Releases, die dem am 5. August erscheinenden neuen Studioalbum „Dum Spiro Spero“ vorangehen. Nach dem rasanten Deathcore-Einschlag in ersterem Song und der vertrackten Melodik in „Lotus“ konnte man gespannt sein, wohin es die Japaner dieses Mal verschlägt – wird ein gänzlich neuer Weg gewählt oder der Stil für den kommenden Longplayer gefestigt?

Nimmt man die B-Side der Single hinzu, kann man wohl guten Gewissens sagen, dass beides der Fall ist, denn der Stil, der mit dem letzten Album „Uroboros“ erarbeitet wurde, wurde zugleich in den Grundzügen beibehalten und weiter ausgebaut. Die in letzter Zeit häufig angedeuteten und gelegentlich auch betonten Death-Metal-Anteile treten mehr denn je in den Vordergrund und zeigen sich nun nicht mehr nur primär an Kyos tiefen Growls, sondern auch den peitschenden Riffs und dem stetigen Drumgewitter, das den Titelsong wie schon die erste Single der Reihe aus dem gewohnten Midtempo enthebt. Hinzu kommt die auf „Uroboros“ etablierte progressive Note, die trotz der verhältnismäßig kurzen Spielzeit von fünf Minuten „Different Sense“ zu einem komplexen Stück Musik macht.

Zahlreiche Breaks und Stimmungswechsel durchziehen den Song, so dass es auch nach vielen Hördurchgängen noch kleine Feinheiten zu entdecken gibt, die dem Track seinen Reiz verleihen – unterlegt von Shinyas eigenwilligem, einfallsreichen Drumming prasseln die heftigen Strophen auf den Hörer ein, in denen Kyo das an Geschwindigkeit variierende Gitarrenspiel mit seinen exzentrischen Vocals begleitet, die hier zwischen grollenden Growls, hohem Keifen und spitzen Schreien schwanken und gewohnt kompromisslos daherkommen. Melodische Parts werden durch den von der Band in letzter Zeit so gerne verwendeten Gitarreneffekt eingeleitet, der dem Saiteninstrument einen exotischen, Mandolinen-artigen Klang verleiht – nahtlos gehen so die Verse in den sich immer weiter hochschaukelnden, im Laufe des Songs in zwei verschiedenen Variationen auftretenden Refrain über, in dem Kyo mit seiner unverkennbaren Stimme einmal mehr in schwindelerregende Höhen vordringt. Aufgelockert wird „Different Sense“ mit einem von Kaorus und Dies seltenen, dafür aber umso längeren Gitarrensolo, das technisch zwar nicht übermäßig beeindruckt, aber sehr durchdacht ist und die Melodie des Songs auf interessante Weise ausbaut.

Die B-Side hingegen lässt den Hörer zunächst etwas ratlos zurück – wie bei den vorangegangen Singles findet sich hier ein Remake eines Bandklassikers, bei dem dieses Mal „Tsumi To Batsu“ vom Debüt „Gauze“ gewählt wurde. Im Gegensatz zu den Neuaufnahmen von „Zan“ und „Obscure“ erkennt man das in „Tsumi To Kisei“ umgetaufte Original kaum wieder: Die wilde Visual-Kei-Attitüde zwischen schnellen Rhythmen, chaotischem Gesang und eingängigen Melodien ist gänzlich gewichen und macht einer sludigen Walze aus zähen Zeitlupenriffs und ultratiefen Growls Platz, die von geisterhaften Geräuschen und wabernden Lead-Gitarren durchwoben wird. Auch wenn der Spirit des ursprünglichen „Tsumi To Batsu“ hier nahezu vollständig verloren gegangen ist und so mancher Fan die Aktion garantiert nicht gutheißen wird, haben Dir En Grey hier eines ihrer atmosphärischsten und auch extremsten Stücke geschaffen, das über weite Strecken jedoch ein wenig ziellos erscheint. Als kleinen Bonus gibt es auf der dritten Spur der Single noch eine Live-Version von „Red Soil“, für die die gute Soundqualität und der saubere Vortrag der Band spricht, die aber ansonsten eher verzichtbar ist.

Bedenkt man, dass Dir En Grey kürzlich verlauten ließen, dass die drei Titelsongs der Singles die zugänglichsten und „Mitsing“-tauglichsten Tracks auf „Dum Spiro Spero“ sein werden, erhöht „Different Sense“ die Spannung noch einmal deutlich – alle Trademarks des neuen Sounds der Band werden hier vereint und perfektioniert, um einen abwechslungsreichen und markanten Song zu kreieren, der dank der hervorragenden Produktion zudem einen klaren und doch erdigen Klang erhält. Während die Live-Version von „Red Soil“ dabei nur schmückendes, aber verzichtbares Beiwerk darstellt, bietet „Tsumi To Batsu“ eine interessante Neuinterpretation eines Klassikers, die den Kauf der Single durchaus rechtfertigt, letztendlich aber die Meinungen alteingesessener Fans spalten wird.

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