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Dir En Grey: Average Blasphemy

Bilder zwischen Wahnsinn und Dramatik
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal/Metalcore
Spielzeit: 56:00
Release: 16.10.2009
Label: Okami Records

Obwohl Dir En Grey schon länger nicht mehr der Visual-Kei-Szene angehören, kommt die visuelle Komponente bei ihren oftmals abgedrehten Videos noch immer zum tragen. Die zu den beiden letzten Alben „The Marrow Of A Bone“ und „Uroboros“ gehörigen Musikvideos sind nun auf der neuen DVD „Average Blasphemy“ zu finden, auf der auch einige komplett neue bewegte Bilder zu sehen sind.

Mit der Zurückstellung der aufwändigen Kostüme ging gleichzeitig auch eine deutliche Veränderung der Musik einher, die sich in der wesentlich härteren Ausrichtung niederschlug – während man sich auf „The Marrow Of A Bone“ stark am Metalcore orientierte, widmete man sich auf „Uroboros“ vermehrt progressivem Metal - sogar mit vereinzelten Einflüssen aus dem Death Metal. Dementsprechend sieht auch das Programm der DVD aus, denn Zeit zum Ausruhen gibt es nur selten.

Der Einstieg mit dem neun Minuten dauernden „Vinushka“, das ohne Frage zu den besten Stücken gehört, die die Japaner je komponiert haben, mutet dabei noch relativ ungewohnt an, denn auf die sonst üblichen bizarren und grotesken Bilder wird komplett verzichtet. Stattdessen widmet man sich der Thematik des Zweiten Weltkrieges und den auf Japan geworfenen Atombomben – entsprechend ernsthaft ist auch das Video geraten, das in überragender Bildqualität die Band in düsteren Ruinen und eingeschobene Originalaufnahmen aus dem Krieg zeigt, die jedoch häufig zensiert sind. Geradezu cineastisch passt sich der Kurzfilm der Dramatik des Songs an und stellt so einen kleinen Höhepunkt in der Video-Historie Dir En Greys da. Die für das Fernsehen zurecht gestutzte Version von „Vinushka“ befindet sich ebenfalls auf der DVD, erreicht aber nicht ansatzweise die Intensität des vollständigen Videos – zum einen ist der Song so geschnitten, dass das Ende sehr abrupt wirkt, zum anderen fehlt jegliche Theatralik, da fast sämtliche Szenen, die diese ausmachen, fehlen.

Für die etwas melodischere Komponente von „Average Blasphemy“ sorgen die Ballade „Glass Skin“, sowie „Dozing Green“ und „Ryoujoku No Ame“, wobei die beiden zuletzt genannten Stücke auch nur phasenweise Erholung zulassen. „Glass Skin“ zeigt die Band in einer surrealen, vollständig mit dem Computer animierten Welt, die eine kleine Überraschung in sich birgt, die hier jedoch nicht vorweggenommen werden soll. Abseits dieser Tracks ist die DVD kompromisslos hart gehalten und und bietet größtenteils verstörendes Bildmaterial. Während sich in „Grief“ blutige Szenen im Schlachthaus abspielen, steht der Kreisch-Orgie „Agitated Screams Of Maggots“ ein komplett animiertes Video zur Seite, das im Stil des Artworks der DVD gehalten ist, aber wie „Vinushka“ stark zensiert ist, so dass die kleine Horror-Geschichte nicht immer verständlich ist.

Während einige Videos, wie beispielsweise das zu „Reiketsu Nariseba“, bei dem diverse zweidimensionale Bilder und Zeichnungen auf scheinbar chaotische Weise übereinander geschnitten werden, schlichtweg Geschmackssache sind, erscheinen die Bilder zu „Red Soil“ doch recht willkürlich und lassen daran zweifeln, ob hinter dem Video wirklich eine Intention des Künstlers steckt – interessant anzusehen ist das Ganze aber allemal. Zusätzlich zu den regulären Videos gibt es noch drei Songs von „The Marrow Of A Bone“, die mit Ausschnitten der Live-Shows der Band unterlegt wurden. Bei „Clever Sleazoid“ und „Agitated Screams Of Maggots“ wirken die in sehr schneller Abfolge ablaufenden Schnipsel leider nicht allzu beeindruckend, passen aber zu den hektischen Songs. Die Bilder zu der dramatischen Halb-Ballade „Conceived Sorrow“ erreichen da schon eine ganz andere Wirkung, denn passend zu dem nachdenklichen Stück gibt es diverse Zeitlupenaufnahmen der intensiven und oft auch blutigen Bühnenshow zu sehen – hier geht das Konzept auf und macht das Video zu einer sinnvollen Ergänzung.

Für Fans, die kein Problem mit dem derzeitigen Stil der Band haben, ist „Average Blasphemy“ eine sinnvolle Ergänzung zu ihrer Sammlung, werden doch alle aktuellen Videos der Band in hervorragender Qualität geboten. Neueinsteiger, die sich für das härtere Material der Japaner interessieren, finden hier auch rundum gelungenes Paket, denn hier erhält man sowohl einen guten Überblick über das derzeitige Schaffen des Fünfers als auch einige sehr interessante Videos, die in puncto Einfallsreichtum der Konkurrenz oftmals weit voraus sind.

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