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Dimmu Borgir: Eonian

Und dafür haben sie fast acht Jahre gebraucht?
Wertung: 5/10
Genre: Symphonic Black Metal
Spielzeit: 54:20
Release: 04.05.2018
Label: Nuclear Blast

Viele hatten Dimmu Borgir nach dem unrühmlichen Rauswurf von Bassist/Clean-Sänger ICS Vortex und Keyboarder Mustis bereits komplett abgeschrieben und dem 2010 veröffentlichten letzten Album „Abrahadabra“ von Anfang an keine faire Chance gegeben. Klar waren Vortex und Mustis ganz herbe Verluste und dass die Norweger in diesem Leben tatsächlich noch einmal ein Meisterwerk vom Kaliber „Death Cult Armageddon“ abliefern würden, daran glaubt sicherlich kaum jemand, der auch nur einen halbwegs klaren Verstand besitzt.

Dennoch war das achte Studioalbum von Shagrath und Co. (zählt man den Re-Record von „Stormblåst“ von 2005 nicht dazu) eine grundsolide Angelegenheit, bei der die Verzahnung von Orchesterelementen und (Black) Metal noch einmal ein weiteres Level erreichte – und auch songschreiberisch konnte die Band weitestgehend überzeugen. Die Abstände zwischen den Albumreleases haben bei Dimmu mit der Zeit immer weiter zugenommen, doch siebeneinhalb Jahre sind schon fast eine halbe Ewigkeit; nachdem immer wieder etwas angekündigt und dann doch verschoben wurde, stieg die Erwartungshaltung „Eonian“ betreffend nahezu ins Unermessliche – zumindest bei allen, die etwas mit „Abrahadabra“ anfangen konnten und die Combo nicht längst links haben liegen lassen.

Wem „Abrahadabra“ bereits zu zahm war, wird kaum Freude am neuesten Output der offiziell nun schon lange als Trio agierenden Truppe haben. Und seien wir ehrlich: Das vorab im Netz vorgestellte „Interdimensional Summit“ war mehr als nur eine Enttäuschung. Das einleitende und wiederkehrende Keyboardriff ist an Cheesiness kaum zu überbieten und klingt wie aus dem Mülldepot von Cradle Of Filths aussortierten, weil qualitativ minderwertigen Riffs recycelt. Was bestimmt kein Diss gegen Cradle sein soll, denn die haben Ende letzten Jahres gerade wieder eine bockstarke Scheibe herausgebracht. Hinzu kommt ein merkwürdig fröhlich klingender Refrain, der von Chören geradewegs zugekleistert wurde und sinistre Atmosphäre will so gar nicht aufkommen.

Nur ein Ausrutscher oder ein Fingerzeig bezüglich der Gesamtausrichtung der Platte? Leider lässt einen „Eonian“ fast über die volle Distanz seltsam kalt und unberührt zurück. Das, was früher so gut funktionierte, das Zusammenspiel von harter, extremer Musik und symphonischem Bombast, läuft gefühlt eher nebenher, als dass es zusammen passt und gerade die überpräsenten Chöre ersticken Düsternis und schwarzmetallische Atmosphäre bereits im Keim. Dass es im Promoschreiben heißt, der Black-Metal-Anteil sei diesmal „noch rauer und finsterer als je zuvor“, befremdet – eher ist der Black-Metal-Anteil so gering wie nie zuvor, die wenigen Blastbeat-Momente muss man fast schon mit der Lupe suchen.

Schon der langwierige Opener „The Unveiling“ kommt überhaupt nicht aus dem Quark; immer denkt man, jetzt müsste mal endlich was passieren, doch plätschert das Ganze ziemlich höhepunktarm vor sich hin – fühlt sich an wie ein viel zu lang geratenes Intro. Bedauerlicherweise wird es im weiteren Verlauf wenig besser: Die oft zerfahren wirkenden Songs scheinen mitunter nicht ausgereift, die Parts nicht wirklich ausgeklügelt zusammengeführt – was angesichts der Zeit von über sieben Jahren seit neuem Material natürlich recht ironisch anmutet.

Wirklich originelle Ideen sind rar gesät, vielmehr wirkt „Eonian“ künstlich aufgeblasen – eine Nummer wie „Council Of Wolves And Snakes“ kommt zwar ebenfalls recht zäh daher, doch hier gibt es wenigstens tatsächlich mal ein paar interessante Wendungen zu verzeichnen, auch das mit einem Satyricon-mäßigen Riff eingeleitete „Lightbringer“ besitzt einige gute bis sehr gute Momente. Und mit „I Am Sovereign“ haben die Jungs sogar zumindest noch eine richtig geile Nummer in der Pipeline: Die fantastische Gitarrenfanfare in der Mitte tönt erhaben und lässt aufhorchen, auch der ausgiebige, fette Chorteil am Ende macht sich in diesem Fall hervorragend – so will man Dimmu hören, hier zeigen sie, was sie wirklich können und warten vor allem mit schlüssigem Songwriting auf.

Hingegen markiert das vorletzte Stück „Alpha Aeon Omega“ den absoluten Tiefpunkt. Ja, hier gibt es endlich mal über eine längere Sequenz auch Blastbeasts, aber die banale Melodie, die darüber gelegt wurde, geht gar nicht und überhaupt klingt alles wieder so seltsam fröhlich – zwischendurch muss man sogar an Helloween denken. Nichts gegen Helloween – aber was hat so was auf einer Dimmu-Borgir-Platte verloren? Ein in jeder Beziehung grauenhafter Song, das wohl unerträglichste, was sie je komponiert haben. Und das Instrumental-Outro „Rite Of Passage“ ist ebenfalls eher mäßig gelungen und vor allem viel zu lang – keine Chance, gegen kleine Geniestreiche wie seinerzeit „Fear And Wonder“ oder „Perfection Or Vanity“ anzustinken.

Insgesamt bleibt es dabei: Diese Scheibe ist eine Riesenenttäuschung. Ein genialer Song und ein paar weitere gute Augenblicke sind für eine Band dieser Größenordnung und mit diesen Ansprüchen viel zu wenig. Hinzu kommen außerdem zwei Totalausfälle. Dass die instrumentalen Leistungen stimmen (bis auf das oft öde, monotone Keyboardgeplänkel – da wünscht man sich Mustis einmal mehr zurück…), dass Jens Bogren soundtechnisch, wie man es von ihm gewohnt ist, ganze Arbeit geleistet hat, darüber braucht man wohl kaum zu diskutieren, denn natürlich sind hier an sich tolle Musiker am Werk. Doch bei dem höchst durchschnittlichen Kompositionsniveau und den teils konfusen Arrangements macht dies nur äußerst bedingt etwas wett.

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