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Diet Cig: Do You Wonder About Me?

Leider scheitern viele Songs an zu viel Zucker
Wertung: 7/10
Genre: Indie Rock
Spielzeit: 24:43
Release: 01.05.2020
Label: Frenchkiss Records

Diet Cig sind beim besten Willen keine Band, die täglich das heimische Soundsystem blockiert, trotzdem hatte die Debütscheibe „Swear I‘m Good At This“ einige Runden drehen dürfen und mit 8,5 Punkten auch nicht gerade eine schäbige Bewertung abgeholt. Das Duo aus Sängerin und Saitenhexerin Alex Luciano und Drummer Noah Bowman hat sich stilistisch erst mal nicht allzu sehr weiterentwickelt, man kredenzt weiterhin rockige Indienummern – problematisch wird‘s diesmal aber beim Gesang,; schien auf der ersten Scheibe schon immer mal die Kleinmädchentour durch, verlegt Alex sich hier beinah auf der gesamten Laufzeit auf einen übertrieben süßlichen Gesang, der schon bald eher an den Nerven sägt als zu begeistern.

Dabei zeigt beispielsweise der Opener „Thriving“ durchaus auf, wie facettenreich sich Diet Cig geben können: Süßlicher Strophengesang schließt hier einen dynamisch-treibenden Refrain nicht aus, da kann man auch getrost einen Daumen nach oben geben. Wurde auf „Swear I‘m Good At This“ zumindest noch streckenweise ausgerastet, kleben Tracks wie „Who Are You“ oder auch „Makeout Interlude“ bald unangenehm im Gehörgang fest.

Gerade das unter einer Minute Laufzeit stehen gebliebene „Priority Mail“ gibt sich dann ausgesprochen verletzlich und spricht vermutlich allen aus der Seele, die derzeit ihre Lieben nicht besuchen können – „Broken Body“ kann dann rein instrumental sicherlich zu einem der stärksten Songs der Scheibe deklariert werden, auch hier nimmt der Song ein bisschen Power raus, allmählich hat man sich aber schon wieder ein bisschen an die Stimmfärbung der Sängerin gewöhnt. Gerade „Broken Body“ entlädt sich in einem grandiosen Finale, bei dem man sich wünscht, dass Diet Cig diesen Weg zumindest in ähnlicher Art und Weise öfter mal einschlagen würden.

Geradezu punkig und mit unfassbar mitreißendem Schlagzeug knallt dann „Flash Flood“ dem Titel entsprechend durch die Boxen, die verzerrten Vocals geben dem Track dann den zusätzlichen rotzigen Touch – warum nicht gleich so? Warum stellt „Flash Flood“ auf „Do You Wonder About Me?“ den einzigen Song seiner Art dar? Diet Cig können so viel mehr als verträumt-verwirrt daherkommen, lassen das aber leider zu selten durchblicken. Klar, die Texte sind größtenteils zynisch bis hasserfüllt, tatsächlich zerstört der oftmals gar zu niedlich anmutende Gesang aber die aufgebaute Atmosphäre in Sekundenbruchteilen.

Dabei muss man noch mal ganz klar erwähnen, dass die Instrumentalparts über jeden Zweifel erhaben sind. Stücke wie „Stare Into The Sun“ überzeugen vor allem durch die Schlagzeugarbeit und die episch aufgebauten Gitarren, und auch das finale „Night Terrors Reprise“ kann im Gegensatz zu seinem Namensgeschwisterchen durch coole Samples überzeugen. Einziges Manko ist und bleibt der teils doch schon recht nervige Gesang der Fronterin, der auch auf Dauer nicht unbedingt erträglicher wird. Im zweiten und dritten Durchlauf finden sich dann durchaus Passagen, die die punkrockigere Seite des Duos hervorzaubern und genau diese Momente sind es, die Diet Cig zu seiner guten Band machen. Im Vergleich zum Vorgänger verliert „Do You Wonder About Me?“ aber etwas an Boden.

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