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Die Vorboten: Sturm & Drang

Die Herren mausern sich zum Dauerläufer
Wertung: 8.5/10
Genre: Kraut-Metal
Spielzeit: 9:46
Release: 27.01.2012
Label: Sonic Attack Records

Die Vorboten sind mittlerweile für die Schreiberin dieser Zeilen so etwas wie alte Bekannte - ein Onkel, den man nur einmal im Jahr sieht, auf den man sich aber immer freut, weil er hübsche Geschenke dabei hat. Auf Sommer 2010 ist die letzte EP "Anfang & Ende" datiert, die in der The-Pit.de-Redaktion herumflatterte und sich direkt in Anlage und tragbarem Musikköfferchen breit machte und monatelang weder wankte noch wich. Bis zum Erbrechen wurden die vier Songs hoch- und runtergehört, jede Zeile aufgesogen, jedes Wort doppelt und dreifach nach seiner Bedeutung abgetastet. Die neue EP, drei Lieder stark, trägt den Titel "Sturm & Drang" nicht zu Unrecht, geht es hier doch spürbar um einen Ausbruch aus bekannten Fesseln - dementsprechend hat sich auch der Sound der Wismarer weiterentwickelt, wenn man mal "Anfang & Ende" zum Vergleich heranzieht.

Wie üblich weiß man nach dem ersten Durchlauf gar nicht so genau, was man mit der Scheibe - die übrigens von der Band als Gratisdownload aber auch als physische CD auf Grundlage einer freiwilligen Spende angeboten wird - anfangen soll: bewundern oder als Untersetzer benutzen? Ein Schuft, wer sich für Letzteres entscheidet, denn die knapp zehn Minuten Experimentierspaß nicht mehrfach anzuhören, grenzt an pure Blasphemie. Allein schon die scheinbar willkürlich eingesetzten Flirrsounds im Opener "Zum Meer" lassen einem Metaller das Blut in den Adern gefrieren, wenn dann aber der bombastische Refrain einsetzt, der im krassen Gegensatz zu Karstens Stakkatogesang in den Strophen steht, rennt einem wieder die Gänsehaut die Arme rauf und runter. Egal ob Sprech-, Klar- oder Schreigesang, der Mann kann's einfach. Punktaus.

Normalerweise lehne ich es ab, jeden Track einzeln runterzunudeln, aber bei nur drei Songs, die auch noch allesamt wirklich gut sind, kann man mal eine Ausnahme machen. Die Vorboten werden es mir verzeihen. Weiter geht es also mit dem spacig intonierten "Angst", das ein bisschen an der Neue-Deutsche-Härte-Ecke kratzt. Der Song ist auch insgesamt derjenige, der am meisten vom sonstigen Sound der Vorboten abweicht, wenn man der Truppe überhaupt so etwas wie einen "generellen Sound" zurechnen kann. 

Das Titelstück ist dann, dem Sinn entsprechend, das schwungvollste, bei dem im Refrain wieder die Doublebass zum Einsatz kommt, was in Kombination mit dem lang gezogenen klaren Gesang natürlich immer wieder grandios wirkt. Die Truppe hat ihr Händchen für berührende und begeisternde Refrains also noch lange nicht eingebüßt.

Ein Fazit muss hier gar nicht erst gezogen werden, Die Vorboten sind und bleiben ein Garant für interessante, experimentelle Rockmusik, die es irgendwie immer schafft, durch ein paar Ecken im Hirn hängenzubleiben, auch wenn die Songs selten beim ersten Hören zugänglich sind. Auch "Sturm & Drang" muss man wieder im oberen Drittel ansiedeln.

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