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Die Vorboten: Existenz

Eine Bereicherung für jede Musiksammlung
Wertung: 9/10
Genre: Kraut-Metal
Spielzeit: 44:50
Release: 09.11.2012
Label: Sonic Attack Records

Die Herren Die Vorboten sind der The-Pit.de-Redaktion bereits seit ihrer Erstlings-EP aus dem Jahr 2010 bekannt. Damals schlug "Anfang und Ende" zumindest bei der Schreiberin dieser Zeilen ein wie eine Bombe; wochen-, ja, monatelang rotierten die gerade mal vier Songs im heimischen Player und man war gebannt von dem neuartigen Phänomen "Kraut-Metal", das sich da anbahnte.

Mittlerweile über zwei Jahre später hat man bezüglich der Veröffentlichungen fast ein bisschen den Überblick verloren, Tatsache ist aber: Wer sich auch nur mit einer einzigen Vorboten-Platte hat anfreunden können, der sollte sich die ganze Diskografie zulegen. Bewertungstechnisch konnte das vor einem guten Jahr erschienene "Sturm und Drang"-Scheibchen sogar noch zulegen - 8,5 Punkte gab es damals, dementsprechend hoch liegt die Latte für künftige Vorboten-Outputs.

Mit "Existenz" gibt es diesmal nicht nur eine Handvoll Songs, sondern gleich ein ganzes Album zu bestaunen. Schauen wir kurz auf die Trackliste: Mit "Zum Meer" ist hier noch ein "Sturm und Drang"-Titel versteckt, "Menschenfresser" ist mit einem unauffälligen Sternchen versehen; hier haben die Fünf den Altmeister der Auflehnung, Rio Reiser, in ein neues Gewand gesteckt. Klar, dass ein solcher Song (ein Pluspunkt übrigens für sämtliche abgedruckte Texte im Booklet!) nicht nur damals polarisieren konnte, sondern auch anno 2012 direkt auf der Liste der Anspieltipps landen kann.

Selbige fällt übrigens auch nach dem zweiten und dritten Durchlauf noch erstaunlich üppig aus. Bei den EPs der Truppe war man es gewohnt, dass einen die Songs erst verzögert erreichten und auch dann machten sich teils kauzige Songarrangements breit, die zwar zu den Stücken passten, aber nicht immer auf vollstes Verständnis treffen konnten. Auf „Existenz“ überzeugt der erste Durchgang gleich mit massig genialen Songs – wenn man wollte, könnte man sich zumindest die ersten sechs Songs ohne großes Zaudern rot anstreichen und als All-Time-Favorites der Bandhistorie markieren. Wobei: Der Opener „RegelwerK“ kommt da im direkten Vergleich mit den nachfolgenden Songs noch beinah durchschnittlich daher. Dafür weiß aber direkt „Monotony“ durchweg zu überzeugen – mit spacig flirrenden Sounds und einem im Refrain fast nach Melo Death schielenden Gesang dröhnt die gesellschaftskritische „Monopoly“-Variante aus den Boxen.

Spätesten bei „Schneller“, das sich mit der Schnelllebigkeit und dem dauernden Funktionieren-müssen der Menschen im 21. Jahrhundert auseinandersetzt, zeigt dann deutlich, wie viel pessimistischer und sozialkritischer die Texte auf dem Album im Vergleich zu „Sturm und Drang“ oder „Anfang und Ende“ ausfallen. Sänger Karsten Palitschka referiert bitterböse über die zahlreichen Unzulänglichkeiten der menschlichen Rasse und Gesellschaft – und der Mann hat auch noch Recht damit, was die Texte nur noch einprägsamer macht.

„Massenmedien“ kredenzt dann ein Thema, das mittlerweile so häufig verbraten wurde, dass man es eigentlich schon gar nicht mehr hören können sollte – allerdings bringen Die Vorboten den Song mit einem sehr geilen Text daher, bei dem es richtig Spaß macht, mehrmals und genauer hinzuhören.  Der Mensch wird als Experiment der Medien angesehen; ein nur zu plastisches Bild, das von Karstens leicht geisteskrank-amüsiertem Strophengesang nur unterstrichen wird.

„Ein Funke“ birgt dann die ersten sprichwörtlichen Gänsehautmomente der Platte. Vorher konnten vor allem textlich Pluspunkte angehäuft werden, hier allerdings stellen sich die Härchen schon kurz vor dem Refrain, bevor man denselben gleich mal wesentlich lauter aufdreht und den wahnsinnig guten Synthiesounds lauschen kann, auf.

Zum Ende der Platte hin lassen Die Vorboten komischerweise ein bisschen nach. „Schlachtbank“ beispielsweise hat zwar einen guten Text, kann aber musikalisch nicht so recht überzeugen. „Trägheitszeit“ fällt dann durch gruselig anmutende Chorgesänge und Keyboards ziemlich aus dem Rahmen, das finale „Jung und Alt“ kriegt dann aber noch mal ganz massiv die Kurve und zieht den Härtegrad deutlich an.

Fazit: Gut die Hälfte der Songs sind jetzt schon potenzielle Dauerbrenner, der Rest läuft immer noch unter „gut“ bis „sehr gut“ – hier bestätigt sich so ziemlich alles, was von „Existenz“ zu erwarten war. Definitiv gehören Die Vorboten mit zu den besten deutschsprachigen Bands, die derzeit durch den Äther geistern. „Existenz“ untermauert das sehr deutlich.

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