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Die So Fluid: The World Is Too Big For One Lifetime

Hier kommt großer, in keine Schublade passender Alternative Rock, der doch keiner ist
Wertung: 9.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 62:01
Release: 05.11.2010
Label: Demolition Records

„The World Is Too Big For One Lifetime“ ist das schon dritte Album der britischen Band Die So Fluid. Was ist das für eine Band, die mit ihrem Bandnamen deutlich machen möchte, dass das Sterben uns verflüssigt und deren drittes Album deutlich macht, dass die Welt zu groß ist für nur eine Lebenszeit? Die So Fluid ist eine Band aus London, die schon 2001 gegründet wurde und aus der Sängerin Grog, Schlagzeuger Al und Gitarrist Drew besteht. Innerhalb kurzer Zeit hat die Band mit diversen Auftritten unter anderem auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig 2009 und hohe Chartplatzierungen in den HMV Charts in England von sich Reden gemacht.

Welcher Richtung sich Die So Fluid zuordnen lassen, ist nicht einfach zu erkennen. Zu viele Facetten sind auf nur einem Longplayer ineinander verwoben. Was sie mit ihren ersten beiden Werken („Spawn Of Disfunction“ und „Not Everybody Gets A Happy Ending“) vorgemacht haben, feilen sie mit dem dritten Werk „The World Is Too Big For One Lifetime“ weiter aus.

„Figurine“ startet punkig und macht deutlich: es wird gerockt. Das Trio legt mit viel Power los und Grogs Stimme ist mal weiblich, zerbrechlich, dann wieder zeigt sie auf, wie viele Kanten sie hat und haut richtig vom Leder. Nein, ein Album zum Innehalten ist „The World Is Too Big For One Lifetime“ nicht, eher zum Aufbrechen, Nachdenken und Fortschreiten. Allenfalls der Bonustrack, der im letzten Song verborgen ist, zeigt Grog von einer ruhigen, verträumten Seite. Nach der Power von „Sound In Colour“ heißt es nach genau vier Minuten innehalten, zur Ruhe kommen und das ganze fünfzehn Minuten - erst dann erklingt Grogs Stimme wieder. Diese Ruhe wird auch benötigt, denn die elf Tracks fordern alles, powern den Hörer aus.

Die Einflüsse sind vielfältiger denn je, über Punk, Metal, Grunge und Alternative Rock ist alles dabei und genau das macht das erste Hören anstrengend - allerdings positiv anstrengend. Die So Fluid zwingt seine Hörer, sich mit dem Gesungenen auseinander zu setzen. Die Texte  regen zum Nachdenken und Abdriften ein. Spürbar wird das etwa bei der Frage im zweiten Song „Mercury“: „Kommen die Dinge, auf die man wartet wirklich?“ Doch dem Nachdenken wird durch den Einsatz des Schlagzeugs und die knallharten Gitarren ein Ende gesetzt. Dass das Leben dafür zu kurz ist, so schon der Titel des Albums, machen die Londoner mit ungewöhnlichen Mitteln immer wieder deutlich. „Storm“ weckt zum einen durch harte Gitarrenriffs direkt zu Beginn, als auch durch den gewählten Text. Ein Paar, welches während einer stürmigen Nacht an einer Klippe steht, möchte sich durch diese Gefahr fühlen und spüren. Die Verquickung von Präsens und Präteritum machen es nicht möglich zu erkennen, was an der Klippe passiert oder passiert ist. Auch der Refrain spielt in diesem Stück mit, es soll nicht gewagt werden, runter zu schauen.

Das Leitmotiv des Albums wird konsequent geführt: Nachdenken, das sowieso zu kurze Leben genießen und sich nicht in die Irre führen lassen. Die Texte behandeln erfrischend andere Themen: Vom Mobbing am Arbeitsplatz, dem Reden hinter dem Rücken („Hearts Are Hallow“) oder dem Stockholm Syndrom, nämlich sich in die Gefahr zu verlieben ( „Vampire Kiss“). „Nichts ist wie es scheint“, scheint das gesamte Album zu rufen. Und genau das macht auch das Cover-Artwork aus: Nein, es handelt sich nicht um ein Gothic-EBM-Album, sondern um die knallharte Alternative-Rock-Scheibe eines britischen Trios, das viel zu sagen hat in einem viel zu kurzen Leben.

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