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Die Schande von: Sitzung Neuhaus

Liebe ab dem ersten Durchlauf
Wertung: 9/10
Genre: Indie Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 17:06
Release: 02.11.2018
Label: Midsummer Records

Mutig ist es, sich als Band den Namen Die Schande von zu geben. Lustig ist es aber, wenn dann überall steht „Die Schande von Midsummer Records“, denn wo sonst könnte eine Band mit diesem Namen Unterschlupf finden als bei Tim Masson und seinem feinen Label. Und da sich scheinbar im Saarland alle Indie/Rockbands gegenseitig kennen und Musiker ausleihen, kennt man auch die Vorgängerbands der Schande – wir sprechen von Parachutes, wir sprechen von Baby Lou, Road To Kansas und Crash My Deville. Saarlandinzucht, die aber erstaunlich gut klingt.

Als erstes musikalisches Lebenszeichen brachte das Trüppchen bereits im November die „Sitzung Neuhaus“-EP heraus und um alle endgültig zu irritieren, trug die erste Auskopplung den Titel „Aufstieg und Fall eines Selbsthilfegurus“. Ganz so sphärisch wie vermutet geht es dann gottlob nicht zu, vielmehr suhlen sich die fünf Herrschaften in deutschsprachigem Indie-Alternative-Rock, der mit viel Melodie und (nochmals: gottlob!) wenig Kitsch auskommt. Bisschen Emo muss natürlich auch mitschwingen, man kann seine Wurzeln ja schlecht verstecken.

Erfreulicherweise haben sowohl Sänger Marco als auch Gitarrero Markus ausnehmend angenehme Stimmen, denen man wahrscheinlich sogar eine Ballade verzeihen müsste – halt, wir müssen hier gar nicht im Konjunktiv bleiben, denn schon der zweite Track „Kleine Hunde wollen immer sterben“ hat zumindest oberflächlich etwas von einer Ballade, treibt dabei aber durch das Schlagzeug recht bald etwas flotter nach vorne, wirkt und macht ungeduldig, man wartet auf eine Explosion, wird aber auch von dem kleinen Ausraster eine halbe Minute vor Schluss nicht voll befriedigt, gerade deswegen hört man sich den Song aber gerne noch ein paar weitere Male an.

Wer dann die etwas härtere Gangart braucht, freut sich sicherlich über den fast brachialen Einstand bei „Lovags Kugel“, die brechenden Gitarren werden immer wieder auch nach dem Refrain eingebaut, zudem besitzt der Track einen überraschend ohrwurmigen Chorus. Spannend auch, beim Anhören mal die Googlebildersuche mit dem Songtitel zu bemühen, denn die architektonischen Sci-Fi-Ausbrüche des ungarischen Architekten Antti Lovag mit seinen Kugelhäusern mag so gar nicht zum Sound der Schande passen, gerade deswegen hat der Track aber einen besonderen Charme.

Ja, auch der finale Track „Kube muss essen“ weiß zu gefallen mit seinem noisigen Instrumentalteppich, der sich im Intro breitmacht, nur um immer wieder aufs Wesentliche heruntergebrochen zu werden – und endlich kommt man auch mal dazu, kurz durchzuatmen und auf die Texte zu achten, die genauso begeistern können wie die Musik. Deutschsprachig, aber frei von Germanistikstudentenklischees, da bricht sich keiner einen ab um einen ordentlichen Reim zu finden, zur Not wird halt gar nicht gereimt, sondern losgebrüllt – schöööön.

Das Fazit darf hier dann auch mal kurz ausfallen: Bitte mehr. Bitte bald.

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