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Die Apokalyptischen Reiter: Tief. Tiefer.

Eine apokalyptische Grenzüberschreitung
Wertung: 9/10
Genre: Metal/Rock
Spielzeit: 75:30
Release: 30.05.2014
Label: Nuclear Blast Records

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass das sensationelle letzte Werk „Moral und Wahnsinn“ der Die Apokalyptischen Reiter erschien. Nun wird die gefühlte Ewigkeit beendet und die Thüringer legen ihr achtes Studioalbum „Tief. Tiefer.“ vor. Ausgeholt wird damit zu einem Doppelschlag, der im Vorfeld mit etwas Skepsis betrachtet wurde, da beide CDs auch als Einzelstücke angeboten werden. Was auf den ersten Blick noch recht eigenwillig anmutet, erklärt sich aber beim Hören von selbst. „Tief“ ist ein komplett neues Werk und auf „Tiefer“ wird größtenteils altes Material in akustischen Versionen dargeboten. Damit sind zwei Werke vorhanden, die zwar die gleiche Handschrift tragen, sich aber dennoch sehr unterschiedlich präsentieren.

„Tief“ ist also der krachende Teil des Doppels und bereits hier möchte man meinen, dass sich eine neue Qualität der Reiter offenbart. Sie ziehen gekonnt durch verschiedene Genres, gehen in ihnen auf und verknüpfen sie so geschickt, dass man beim ersten Durchlauf gar nicht alle Details aufnehmen kann. Zugebenerweise könnte man dies als Luxusproblem einordnen, zeigt aber ebenso, dass nicht jeder Titel auf Anhieb zündet.

Mit „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ verhält es sich noch recht einfach, man möchte den Track als recht typisch für die Band einstufen. Treibende Gitarren und ein Fuchs, der eine unglaubliche Bissigkeit in Wort und Gesang an den Tag legt. Ganz tief bohrt der Zeigefinger in die Wunde, die der heutige Umgang mit der Parole der Französischen Revolution hinterlassen hat und lässt zusätzlich noch sehr gelungene Wortspiele aufkommen. Aber schon bei „Wir“ verändert sich das Klangbild und es kommen erstaunlich funkige Töne zum Vorschein, die im totalen Kontrast zu den Growls von Fuchs zu stehen scheinen und doch bestens miteinander harmonieren.

„Ein leichtes Mädchen“ klingt smart, süffisant und gar einen Hauch verrucht. Ebenso gedämpft erschallt „Wo es dich gibt“, was fast schon ein poppigen bis schlagerhaften Touch trägt. Ganz im Gegensatz hierzu stehen „Die Wahrheit“, welches ordentlich rockt und „Die Welt ist“, wo Einflüsse osteuropäischer Folklore zum Zug kommen. Das rein Piano-getragene „Ein Vöglein“ ist nicht nur eine weitere Facette, sondern auch schon ein guter Vorgeschmack auf die zweite CD „Tiefer“.

Können Die Apokalyptischen Reiter schon auf „Tief“ wieder einmal von ihren Qualitäten als Instrumentalisten überzeugen, wird dieser Eindruck bei dem akustischen Teil des Doppelalbums weiter verstärkt. Von Streichern und Bläsern unterstützt, beschreiten die Reiter hier neues Terrain, welches sie aber überzeugend zu dem ihren machen.

Sicher ist ein Titel wie „Das Paradies“ schon prädestiniert für einen akustischen Ausflug. Die pure und minimalistische Version, bei der es einen fast schon anmutig klingenden Fuchs zu hören gibt, kann aber dem Original sogar noch den Schneid abkaufen und für eine größere Tiefe sorgen.

Vielleicht mag es für viele etwas gewöhnungsbedürftig sein, die Titel nun in einer sehr reinen und leisen Interpretation zu hören, aber selbst bei „Friede sei mit dir“ vermisst man nicht ansatzweise die krachenden Gitarrenparts. Auch bei „Auf die Liebe“ bleibt der lebensfrohe und beseelte Charakter weiter erhalten und überzeugt damit ebenso wie „Der Wahnsinn“, der hier förmlich aus den Boxen kriechen will. „Terra Nola“ setzt schließlich einen gelungenen Endpunkt hinter ein akustisches Album, welches man sich direkt auf die Bühne wünscht, wo vielleicht noch der letzte Funke von Magie versprüht werden kann.

Damit sind 75 abwechslungsreiche Minuten beendet, in der man eine Band gehört hat, die nur sich selbst verpflichtet scheint. Kein Schielen nach Trends und Stimmungen, hier hat man das Gefühl, dass eine Band bei sich angekommen ist und jeder Schublade einen sperrigen Widerpart bietet.

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Das ist halt auch der Ruhrpott, da geht es gerade heraus, was Sache ist

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